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Erinnerungen der Generation C64

01.10.2010 · 27 Kommentare

Erinnerungen der Generation C64

Oben: Bekannte Gesichter aus der Ära des Commodore 64. (Bild: René Achter, 3DPeek)

The Last Ninja, Summer Games, Turrican... Na, wird euch da warm ums Herz? Es ist nicht einfach Außenstehenden zu erklären, was viele von uns in den 1980er Jahren mit Computerspielen erlebt haben. Noch schwieriger wird es, wenn man die Gefühle beschreiben möchte, die uns beim Spielen mit den großartigen Videospielklassikern geleitet haben. So werden mir die meisten wohl zustimmen, wenn ich behaupte, dass man diese Erfahrungen einfach selbst gemacht haben muss.

Der Autor der nun folgenden autobiographischen Geschichte ermöglicht es uns in die goldene Ära der Videospiele zurückzureisen. Der Zeitgeist des Commodore 64, legendärer Spiele und Firmen wird dabei wieder lebendig. Tauchen wir also ein in die Vergangenheit und bedenken dabei: Videospiele werden niemals alt, sie werden höchstens Retro.

Wie alles anfing... Ein Erklärungsversuch

ORIGINALTEXT: TODDY S

Meine allerersten virtuellen Kontakte hatte ich mit Pong. Wann genau das war? So genau weiß ich das schon gar nicht mehr. Ein genaues Alter habe ich auch nicht vor Augen.

Ich (Baujahr 1972) war noch ein ganz kleiner Bub. Wir hatten doch früher nix... Meine Nachbarn hatten dieses Telespiel. So nannte man es früher noch. Die Kinder der Nachbarn hatten eh immer jeden neuen Kram zuerst. Irgendwie war es faszinierend - auch heute noch - dass man so viele Stunden an ein solch primitives Spiel „vergeuden“ konnte. Null Grafik, keine ROMs, keine Mikroprozessoren (es gab nur simple Schaltkreise im Inneren der Systeme) und eigentlich gar keinen Sound. Dennoch hatte es einen Klang, welches das Spiel seinen Namen gab. Dieses Geräusch, das halt nach „Pong“ klingt. Wir nannten es aber gar nicht Pong, sondern Tennis, Fußball, Hockey... und weiß der Geier.

Das Telespiel Pong wurde 1972 von Atari veröffentlicht. (Bild: Atari)
Das Telespiel Pong wurde 1972 von Atari veröffentlicht. (Bild: Atari)
Kurze Zeit später schossen ungezählte Home-Pong-Konsolen wie Pilze aus dem Boden. (Bild: Atari)
Kurze Zeit später schossen ungezählte Home-Pong-Konsolen wie Pilze aus dem Boden. (Bild: Atari)

Meinen zweiten virtuellen Kontakt hatte ich mit Daddelautomaten in der Kneipe. Damals ließ man die Kids noch dran zocken. Es störte niemanden. Kein Mensch kümmerte sich um den Kinder-/Jugendschutz... es hat ja auch nicht geschadet. Später dachte ich immer, dass ich in meinem Dorf - was Arcade-Automaten betrifft - zu kurz gekommen bin. Aber eigentlich waren alle Kultgeräte in meinem damaligen Dorf vorhanden. Ich weiß noch, als ich als kleiner Bub vor so einem Pac-Man Tisch-Daddelautomaten (Cocktail Cabinet) saß. Ungefähr so einer:

So genannte Cocktail Tables mit verschiedenen Videospielen wurden in den Achtziger Jahren vom amerikanischen Hersteller Bally Co. vertrieben. (Bild: André Eymann)
So genannte Cocktail Tables mit verschiedenen Videospielen wurden in den Achtziger Jahren vom amerikanischen Hersteller Bally Co. vertrieben. (Bild: André Eymann)

Man saß also dran und schaute von oben auf den Bildschirm. Jedenfalls war ich verdammt jung und raffte noch nicht ganz, was das Spiel eigentlich von mir will. Und als kleiner Bub musste man erstmal an die ein oder andere Mark herankommen, die einem das Spielen ermöglichte. Ab dieser Zeit ging es recht flott... immer mehr Automaten kamen auf den Markt, aber dazu später mehr.

Der Hype der Heimkonsolen

Im Heimsektor ging es für mich eher schleppend voran. Später, so ab der 5. Klasse in 1982 hatte man dann auch schon Schulkameraden, die eine Atari-Spielkonsole (VCS 2600) besaßen. Man sagte aber immer noch „Telespiel“ dazu. Der Nachfolger Atari 7800 erschien hierzulande in 1985/1986. An die Joysticks vom Atari 7800 kann ich mich jedenfalls noch sehr gut erinnern. Spiele wie Pole Position, Q-Bert, Frogger, Jungle Hunt usw. waren schon damalige Meilensteine.

Die Atari VCS 2600 Konsole wurde 1977 in den USA und drei Jahre später, also 1980 in Europa veröffentlicht. Insgesamt wurde ca. 30 Millionen Geräte von diesem Modell verkauft. (Bild: Atari)
Die Atari VCS 2600 Konsole wurde 1977 in den USA und drei Jahre später, also 1980 in Europa veröffentlicht. Insgesamt wurde ca. 30 Millionen Geräte von diesem Modell verkauft. (Bild: Atari)
Das System Atari 7800 gab es bei uns ab 1986. Diese Konsole konkurrierte auf dem Markt mit dem Nintendo NES und Sega Master System. Der Vorgänger des 7800 war das Modell 5200. (Bild: Atari)
Das System Atari 7800 gab es bei uns ab 1986. Diese Konsole konkurrierte auf dem Markt mit dem Nintendo NES und Sega Master System. Der Vorgänger des 7800 war das Modell 5200. (Bild: Atari)

Werbung für das Atari 2600 System in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)
Werbung für das Atari 2600 System in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)

Der Hype der Heimkonsolen erwischte mich jedoch nicht. Zumal ich mir die Konsole eh nicht vom schmalen Taschengeld hätte leisten können. Wie hätte ich da auch ansatzweise Steckmodule bezahlen sollen? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, meine Eltern damit genervt zu haben. Im Gegenteil: meine Computer habe ich mir immer selbst zusammengespart.

Auf dem Weg zum Commodore 64

Meinen ersten Kontakt mit einem Heimcomputer hatte ich Mitte/Ende der 80er. Zu meinem eigenen Erstaunen war das gar nicht die Anfangszeit des C64. Der erschien ja bereits 1982. Quasi als Teenager - also mit 13 Jahren - lernte ich diesen erst kennen und das war so um 1985/86. Ich hatte zwar schon des öfteren einen im Kaufhaus gesehen und bewundert, aber nie war mal einer eingeschaltet. Bis dato kannte ich auch niemanden, der einen C64 sein eigen nannte. Das sollte sich jedoch rapide und schlagartig ändern. Durch eine Jugendgruppe lernte ich Manfred („Garfield“) kennen. Manni war ein Jahr älter und hatte was ganz Feines bei sich daheim stehen: Einen Commodore 128 D!

Der Commodore C128D wurde ab 1985 gebaut und war der Nachfolger des Commodore 64. Er enthielt einen C64-Modus, in dem der Rechner nahezu vollständig kompatibel mit seinem Vorgänger war. (Bild: Mika Ojutkangas)
Der Commodore C128D wurde ab 1985 gebaut und war der Nachfolger des Commodore 64. Er enthielt einen C64-Modus, in dem der Rechner nahezu vollständig kompatibel mit seinem Vorgänger war. (Bild: Mika Ojutkangas)

Der sah schon echt edel aus und wirkte mit der abgesetzten Tastatur, sowie dem integrierten Disketten-Laufwerk, wie ein Büro-PC. Der Computer wurde aber hauptsächlich im C64-Modus betrieben, obwohl noch zwei weitere Betriebssysteme im inneren schlummerten. Der C128 vereint drei Computer in einem: er ist ein (fast) vollständig kompatibler C64, ein 8-Bit-Computer mit 128 KByte RAM und dem wirklich komfortablen Basic 7.0 und - dank seines zusätzlich eingebauten Z80-Prozessors - ein vollwertiger CP/M-Rechner.

GO 64 - Ein Kommando das in die Geschichte der Heimcomputer einging. (Bild: Commodore)
GO 64 - Ein Kommando das in die Geschichte der Heimcomputer einging. (Bild: Commodore)

Der 128er-Modus war wohl nur zum Angeben, ich kenne keinen, der ihn damals nutze. Wer erinnert sich da nicht an den meist genutzten Befehl im 128er-Modus:

GO 64
ARE YOU SURE (Y/N)

Kurz darauf erschien wieder der C64-Startbildschirm. So wurde der C128 grundsätzlich mit dem Finger auf der „C=“-Taste gestartet. Anfangs lief der 128er bei Manni noch an einem Schwarz-Weiß Bildschirm. Mir war das egal. Viel später war dann auch Geld für einen Farbfernseher da. Die Spiele wirkten doch gleich viel besser und man dachte, man hat einen neuen Rechner. Durch Manni lernte ich auch viel über den C64: sei es die Eingabebefehle, als Ahnungsloser würde man überhaupt kein Spiel laden können:

LOAD "$",8
LOAD "*",8,1
OPEN 1,8,15,"N:Test,22":CLOSE1

oder das kleine BASIC-Einmaleins..

Manni hatte alle erdenklichen Programme und Games für den C64. Häufig wurden Gamesessions mit den Klassikern Winter-, Summer-, World- oder California-Games von Epyx vollzogen. Seine Bude war immer gut gefüllt.

Summer Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1984)
Summer Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1984)
Winter Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)
Winter Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)

World Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)
World Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)
California Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1987)
California Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1987)

Durch Manni lernte dessen Klassenkameraden Uwe „Grufti“ kennen. Er war im Besitz des „Real Thing“ – des legendären Commodore 64.

Der Commodore 64 wurde von 1982 bis 1994 gebaut und ist mit über 30 Millionen verkauften Einheiten der erfolgreichste Heimcomputer aller Zeiten. (Bild: Toddy S)
Der Commodore 64 wurde von 1982 bis 1994 gebaut und ist mit über 30 Millionen verkauften Einheiten der erfolgreichste Heimcomputer aller Zeiten. (Bild: Toddy S)



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27 KOMMENTARE

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    Andre kommentierte zu oben
    am 12.04.2017 um 11:52 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Hallo Stefan,

    vielen Dank für Deinen Kommentar!

    Es werden alle Beiträge nach und nach auf http://www.videospielgeschichten.de übernommen. Natürlich auch dieser :)

    Viele Grüße, André

    www.videospielgeschichten.de

















    Toddy kommentierte zu oben
    am 24.10.2015 um 12:38 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Danke für die Blumen. Ich denke, die "8-Bit-Geschichten/Erinnerungen" unserer Jahrgänge werden sich alle in etwa so abgespielt haben. Irgendwie bin ich froh, alles miterlebt zu haben....von den Anfängen bis zum High-End. Wobei mich Letzteres absolut nicht fesseln kann. Immer wieder lande ich bei den Titeln, mit denen ich aufgewachsen oder erwachsen wurde. Derzeit sind es vermehrt die Flipper der End-80er bis Mitte der 90er. Aktuellen Modelle reizen mich nicht. Ich mag die Pins, an denen ich früher in der Spielothek gespielt habe.

    Im Übrigen habe ich erst Anfang des Jahres ein Jugendtraum/Trauma erfüllt. Ich habe Wonderboy (Arcade) an der Original-PCB an einem Arcade-Cab (no MAME) mit einer Mark durchgespielt. Wo ich als 14/15 jähriger Bengel immer kurz vor Schluss verkackt bin. Was für ein epischer Moment und ich fühlte mich wie ein Teenie. Zwar nicht das perfekte Spiel (one life - one goal)....aber das war ein geiler Moment.

    Normalsterbliche können das nicht verstehen









    Toddy S. kommentierte zu oben
    am 21.12.2014 um 14:37 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Leider wohne ich nicht mehr in Berlin. Die meisten Nostalgiker "kenne" ich nur aus dem Netz und nur die "verstehen einen". Alle Anderen können damit nichts anfangen. So dass man sein "Hobby" bzw. sein "Retrolastig-Sein" für sich behält, damit keiner die Nase rümpfen kann. Dabei bin ich nicht mal ein Voll-Nerd. Es war nur eine geile Zeit damals und eigentlich immer noch. Mich interessieren einfach die moderen Games und Konsolen nicht. Meine Sammlung hat sich um zwei Flipper (Rollergames/Terminator 2) erweitert. Seit einem Jahr habe ich mir diesen Jugendtraum mal erfüllt. Ist auch wie eine Zeitmaschine, wenn man an den Pins steht. Damals - du als Berliner wirst es noch kennen - im Ku´damm Eck. Die beiden Spielos. Oben im 2. Stock (Arcade, Flipper, Billiard) und im Basement waren auch noch sehr viele Arcade-Automaten. Leider kann ich die Bilder nur im Kopf aufrufen. Google spuckt dazu auch nur eine Außenaufnahme der Spielothek aus Schade, dass es keine öfftentlichen Arcades mehr gibt.





    Toddy S. kommentierte zu oben
    am 21.12.2014 um 14:40 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    So siehst es aus. Emulieren ist schön und gut, um mal schnell was zu schauen oder zu testen. Mit der echten Hardware fühle ich mich wirklich wieder wie damals. Klingt doof, aber irgendwie ist das eine Art Jungbrunnen, auch wenn ich den Competition Pro in den Händen halte. Irgendwie klinkt das total bekloppt....ist aber so.













    Toddy S. kommentierte zu oben
    am 21.12.2014 um 14:46 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Danke! Jeder kann schreiben, einfach mal anfangen. Dieser Text stand mal auf meiner Webseite, die ich in allen Foren verlinkt hatte. Irgendwie hat mich Andre gefunden und um Erlaubnis gebeten, sie veröffentlichen zu dürfen. Beim Kopieren lass man auch immer gerne die ASM und fachsimpelte über Spiele. Man, jetzt könnte ich schon wieder Romane schreiben oder meinen Artikel komplett überarbeiten. Als Kommentar sind ja nur 1000 Zeichen erlaubt :-(.... *g*





    Toddy S. kommentierte zu oben
    am 21.12.2014 um 14:47 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Danke fürs Lesen und schön...wieviele es doch gibt, wo sich die Biographien derart überschneiden...





    Toddy S. kommentierte zu oben
    am 21.12.2014 um 14:49 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    In der Tat...nur schade, dass man niemanden im unmittelbaren Bekanntenkreis hat, die es nachvollziehen können. Die einen nur so mal besuchen und nebenbei erwähnen "Ey Toddy, scheiß drauf, bau mal eben den C64 auf, ich habe tierisch Bock dir in IK+ mal die Fresse zu polieren, du schuldest mir noch von 1988 eine Revange". So in der Art oder einfach nur zu spielen, der alten Zeiten willen, als würde man sich einen Film aus den 80ern reinpfeiffen





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