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Mit Xain'd Sleena durch Raum und Zeit

02.07.2011 · 10 Kommentare

Mit Xain'd Sleena durch Raum und Zeit

Oben: Unser Held kämpft sich durch den Weltraum. (Bild: Technos)

Draußen scheint die Sonne hell. An einem schönen Sommernachmittag im August des Jahres 1987 spiele ich deshalb im Freien. Ich bin zwölf Jahre alt und lebe mit meinen Eltern in einem kleinen Dorf an der deutsch-französischen Grenze im Saarland. Ich schiebe mein Klapprad vorbei am hohen Gras der Wiesen und fahre damit durch die Wälder meiner Kindheit. Seit ungefähr einem Jahr bin ich Besitzer eines eigenen Computers. Mein Commodore C16 mit Datasette ist mein ganzer Stolz. Noch halte ich diese Maschine für einen Vorläufer des legendären Commodore 64.

Meine Computerspiele befinden sich auf einer kleinen Audiokassette der Firma Kingsoft. Winter Olympiade, Ghost Town und Tom heißen die minimalistischen Kunstwerke, die vom Schicksal dazu auserkoren waren, meine ersten Computerspiele sein zu dürfen. Neue Software muss ich in mühevoller Kleinarbeit aus ein paar auf dem Flohmarkt gefundenen Magazinen abtippen. Hier wird Basic und Maschinensprache gesprochen. SYS und PRINT, LOAD und RUN, IF A$ THEN GOTO heißen die Zauberformeln, die das Unmögliche möglich machen, nämlich virtuelle Welten jenseits aller Vorstellungskraft zum Leben zu erwecken. Meine Gedanken an diesem Nachmittag gelten jedoch weder der heimischen Flora und Fauna um mich herum, noch meinem Microcomputer, der in meinem kleinen Zimmer zuhause auf mich wartet. Ich denke an etwas anderes, etwas, wie es mir schien, größeres.

Unterwegs in den grünen Wäldern von Xain’d Sleena. (Bild: Taito)
Unterwegs in den grünen Wäldern von Xain’d Sleena. (Bild: Taito)

Nicht von dieser Welt

Gestern hatte ich im Foyer des Kinos in der nächstgrößeren Stadt etwas gesehen, das für mich definitiv nicht von dieser Welt sein konnte. Ein Videospielautomat stand dort in all seiner erhabenen Würde und Schönheit. Ich war bis ins Mark fasziniert von dem Spielgeschehen, das sich mir dort offenbarte. Ein ganzes Sonnensystem war von einem Imperium besetzt worden und setze seine letzte Hoffnung in einen intergalaktischen Kopfgeldjäger, um seine Freiheit wiederzuerlangen. Die Mission dieses Helden war es in traditioneller Run'n'Gun-Manier die fünf Planeten unter den Gesetzen des Vier-Wege-Scrollings von den dortigen Besatzern zu befreien.

Nach einer kurzen Einführung beginnt der scheinbar ausweglose Kampf gegen das Imperium. (Bild: Taito)
Nach einer kurzen Einführung beginnt der scheinbar ausweglose Kampf gegen das Imperium. (Bild: Taito)
Raketenstiefel, Laserstrahl und natürlich aufsammelbare Extrawaffen waren die einzigen Verbündeten dieses Helden, der am Ende eines jeden Planeten und nach erfolgreichem Kampf gegen den entsprechenden Endgegner seine Teilmission damit beenden sollte, die komplette Feindbasis mithilfe eines Sprengsatzes in die Luft zu jagen. Anschließend ging der Kampf in seinem Raumschiff weiter, denn auch im Orbit der Planeten galt es dem übermächtigen Imperium Einhalt zu gebieten. Mit leuchtenden Augen bestaunte ich dieses Tor zu einer anderen Welt, das diese Maschine für mich darstellte, musste jedoch einsehen, dass ich mit meiner einzigen Münze dieser Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung in keinster Weise gerecht werden konnte. Das Spiel war so dermaßen schwer, die Welten so unglaublich gefährlich und der Gegner mit seinen Laserschwertern und Raumschiffen so überlegen, dass mir nichts anderes übrig blieb, als das Geschehen auf dem Bildschirm als stiller, träumender Beobachter zu verfolgen.

Ich versuchte mir für alle Fälle den Namen des Spiels zu merken. Dieses Spiel konnte wirklich nicht von dieser Welt sein! Sein Titel passte zu nichts, was ich bis dahin gesehen oder gehört hatte: Xain’d Sleena.

Im Kampf gegen die imperiale Flotte

Auf der Kirmes im Nachbardorf sah ich die Maschine wieder. Sie war umringt von Kindern und Jugendlichen, die ebenso fasziniert wie ich waren von diesem Wunder von einem Spiel. Und ebenso wie ich scheiterten sie trotz ihrer fast grenzenlosen Ambition allesamt an der gestellten Aufgabe. Schaffte es einer den ersten Planeten unter Aufbietung seines ganzen Geschicks und Könnens zu meistern, überstand er die Gefahren des Weltraums und den einsamen Kampf eines kleinen Abfangjägers gegen die imperiale Flotte, so scheiterte er dennoch im Sandmeer des Wüstenplaneten oder im dichten Grün des Dschungelplaneten an seiner Aufgabe.

Im Sandmeer des lebensfeindlichen Wüstenplaneten Cleedos Soa. (Bild: Taito)
Im Sandmeer des lebensfeindlichen Wüstenplaneten Cleedos Soa. (Bild: Taito)

Mit meinem besten Freund versuchte auch ich es wieder und abermals gelangte ich zu der Einsicht, dass niemand auf dieser Welt es schaffen könnte, den Frieden in diesem kleinen Sonnensystem wiederherzustellen. Weder heute noch morgen würde es dem mutigen Kopfgeldjäger gelingen, diese fünf Welten wieder zu Frieden und Freiheit zu verhelfen. Trotzdem munkelte man später auf dem Schulhof, unbekannte Quellen hätten berichtet, dass nach erfolgreicher Befreiung der Planeten ein Art Maschinenwelt auf den Spieler warten würde. Die Basis des Feindes war ein Gerücht, von dem ich nicht wusste, ob es nun Wirklichkeit oder nur das übliche Seemannsgarn eines der vielen videospielbegeisterten Jungs an der Schule war.

In den Tiefen des Weltraums wird Xain mit vielen gut ausgebildeten Jägern konfrontiert. (Bild: Taito)
In den Tiefen des Weltraums wird Xain mit vielen gut ausgebildeten Jägern konfrontiert. (Bild: Taito)

Die Zeit verging bis schließlich ein Schulfreund, ein selbst erklärter Freund von Weltraumspielen, mir berichtete, dass er für seinen Heimcomputer eine Umsetzung des Automaten zuhause hätte. Soldier Of Light war der Titel dieses Machwerks. Wir waren optimistisch zumindest auf diesem Wege die in uns gesetzten Hoffnungen der Galaxis zu erfüllen. Ohne die Forderung von Münznachschub seitens der Hardware musste es möglich sein, das Spiel zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Soweit die gute Nachricht. Die Schlechte war, dass sich nur die erste Diskette des gesamten Spiels in seinem Besitz befand. Ohne Aussicht auf Erfolg machten wir uns dennoch daran diese, dem Original kaum gerecht werdende Umsetzung zu spielen bis es am Ende unserer Bemühungen „Insert Disc 2“ hieß. Der Traum vom erfolgreichen Kampf gegen den Feind, die Hoffnung darauf, den mysteriösen Maschinenplaneten vielleicht wirklich zu entdecken, all das war erneut unmöglich geworden. Es sollte offenbar nicht sein...



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10 KOMMENTARE

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    Karsten kommentierte zu oben
    am 01.11.2015 um 10:57 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Herzliche Gratulation :)









    Karsten kommentierte zu oben
    am 13.06.2014 um 15:45 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    WO und WANN genau war der Automat denn aufgestellt? Hier im Saarland war XAIN'D SLEENA Ende der Achtziger häufiger zu finden. Wie's im Artikel schon steht: Kino, Jahrmarkt, usw. Vielen Arcade-Fans sagt der Titel aber erstmal nicht so viel. Ich persönlich liebe XAIN'D SLEENA - deine Überschrift ist gerechtfertigt ;)









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