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Greetings Professor Falken

18.01.2015 · 7 Kommentare

Greetings Professor Falken

Oben: So sah „Wargames“ auf der CBS-Spielkonsole aus. (Bild: André Eymann)

In unserer Phantasie bewegen sich Hacker als moderne Piraten illegal durch die Welt der digitalen Computernetze. Immer auf der Jagd nach wertvollen Informationen entschlüsseln sie geheime Passwörter oder suchen elektronische Sicherheitslücken.

Dabei führen sie eigentlich nie ernsthaft etwas Böses im Schilde, fast so wie einst Robin Hood, der berühmte Rebell aus dem Sherwood Forrest. Gerade Spielfilme zeigen Hacker gerne als heroische Einzelkämpfer, die schnell und problemlos in Computersysteme eindringen, um dadurch mal eben die Welt zu retten. Der Film Matrix verkörpert wohl am Besten dieses gängige Klischee. Vermutlich verlangt das Mainstream-Kino jene überzogene Darstellung. Aber wollen wir tatsächlich solche Superhelden sehen?

David Lightman, die Hauptfigur von Wargames war dagegen absolut konträr. Als Teenager der 80er Jahre ging er noch zur Schule, räumte sein Zimmer nicht auf, verbrachte seine Freizeit lieber mit Videospielen anstatt mit Schulaufgaben und konnte, obwohl er an der amerikanischen Westküste lebte, noch nicht einmal schwimmen! David verkörperte das, was man in Amerika einen „Nerd“ bezeichnen würde.

David Lightman, die Hauptfigur von Wargames, vor seinem IMSAI 8080. (Bild: United Artists)
David Lightman, die Hauptfigur von Wargames, vor seinem IMSAI 8080. (Bild: United Artists)

Intelligent und begabt, ein Genie am Computer und begeisterter Videospieler, jedoch mit geringem Erfolg in der Schule und nur wenigen Freunden. Matthew Broderick spielte sich mit dieser Rolle in die Herzen der Kinozuschauer und schaffte so seinen Durchbruch in Hollywood. In gewisser Weise wurde er zum Vorbild für ein ganze Generation von Computerfans, denn egal wie hoffnungslos seine Lage auch war, „David Lightman“ gab niemals auf!

Das Logo zum Film Wargames von 1983. (Bild: United Artists)
Das Logo zum Film Wargames von 1983. (Bild: United Artists)

1983 widmete sich John Badham als erster Regisseur der aufkeimenden Hackerszene und traf damit den Puls der Zeit. Dank der Homecomputerwelle von Commodore und Atari erlangte Wargames nur knapp ein Jahr nach Disney's Überraschungserfolg Tron ebenfalls Kultstatus für das neue Computergenre. Ein Einspielergebnis von 75 Mio. Dollar und drei Oscar-Nominierungen zeigen den Erfolg des Films aber auch im kommerziellen Bereich. Im Gegensatz zu Tron verzichtete Wargames auf computeranimierte Spezialeffekte, sondern setzte hauptsächlich auf seine aufregende und geniale Handlung.

Shall we play a game?

Der 16-jährige Computerfreak David Lightman hackt sich auf der Suche nach neuen Videogames der Softwarefirma Protovision versehentlich in das Frühwarnsystem der amerikanischen Verteidigungszentrale NORAD (North American Air Defense Command) und löst dadurch einen simulierten Nuklearangriff der Sowjetunion aus.

«Is it a game, or is it real?»

David

«What's the difference?»

Joshua

Der NORAD Zentralcomputer Joshua kennt keinen Unterschied zwischen Simulation und Wirklichweit und reagiert mit realen Gegenmaßnahmen. Zuletzt versucht Joshua, offiziell genannt WOPR (War Operational Plan Response), die amerikanischen Interkontinentalraketen für einen atomaren Gegenschlag allein zu starten. Nur David begreift als einziger den Ernst der Lage und versucht nun verzweifelt das Militär zu warnen. Von diesem Moment an beginnt ein spannender Wettlauf mit der Zeit, um einen dritten Weltkrieg zu verhindern.

Ein unterirdischer Atombunker.
Ein unterirdischer Atombunker.

Erst Schach, dann Weltkrieg!

Die Zeit läuft! (Bild: United Artists)
Die Zeit läuft! (Bild: United Artists)
Sicher sind verschiedene Szenen im Film etwas überspitzt dargestellt und dienen einzig zur Erhaltung der atemberaubenden Spannung. Bis heute frage ich mich zum Beispiel wer eigentlich die Zeit von globaler thermonuklearer Weltkrieg auf die insgesamt 73,5 Stunden voreingestellt hat? Aber mal abgesehen von solch ungeklärten Fragen spielt der Film perfekt mit den realen Ängsten einer atomaren Apokalypse, die während des Kalten Krieges eine ständige Bedrohung unserer modernen Zivilisation darstellte.

Tatsächlich kam es am 3. Juni 1980 zu einem computergenerierten Störfall, der die amerikanischen Streitkräfte für ca. 8 Minuten in höchste Alarmbereitschaft versetzte. Die Handlung von Wargames war also absolut keine reine Fiktion der Drehbuchautoren, wie es das Militär damals gern erklärte. Im Jahr 1993 hatte ich selbst die Gelegenheit in Süd-Arizona ein atomares Raketensilo der US Luftwaffe (siehe Lageplan) zu besichtigen.

Lageplan der Titan II Missile Silo Locations der US Air Force in South Arziona.
Lageplan der Titan II Missile Silo Locations der US Air Force in South Arziona.
Originalfoto aus dem Titan II Missile Silo der US Air Force in South Arziona. (Bild: Guido Frank)
Originalfoto aus dem Titan II Missile Silo der US Air Force in South Arziona. (Bild: Guido Frank)

Atomare Raketentechnik war also beileibe nicht so hoch entwickelt wie wir es uns damals naiverweise immer vorstellten. Der Gedanke, daß unser Weltfrieden jahrzehntelang durch längst überholte Elektronik bewahrt wurde, hat mich im nachhinein ziemlich erschaudern lassen. Unvergessen bleibt mir bis heute das zynische Verbandsabzeichen der Titan-Raketenstreitkräfte aus Arizona. Ein hämisch grinsender Joker, abgebildet auf einer Spielkarte mit dem Untertitel: „The Ace in the hole“.

Der IMSAI 8080

Den gleichen Computer benutzte David auch im Film. Der Rechner ist für Wargames vorab so programmiert worden, daß egal welche Tasten Matthew Broderick bei den Dreharbeiten drückte, immer der richtige Text am Bildschirm erschien. Hergestellt in den Jahren 1976 bis 1979 war der IMSAI 8080 einer der ersten in Serie produzierten Mikrocomputer überhaupt. Er kostete zu dieser Zeit etwas 1000 US Dollar und wurde von der Firma IMS Associates gebaut.

Der IMSAI 8080 von IMS Associates. (Bild: IMS Associates)
Der IMSAI 8080 von IMS Associates. (Bild: IMS Associates)

Hinter den Kulissen von Wargames

David Lightman spielt mit einem Galaga Automaten. (Bild: United Artists)
David Lightman spielt mit einem Galaga Automaten. (Bild: United Artists)
Bei Wargames ist der Einfluss der damals neuen Videospiele stark zu spüren. Aus diesem Grund stellte das Filmstudio Matthew Broderick für zwei Monate den Spielautomaten Galaga von Namco zur Verfügung, damit er sich entsprechend auf die verschiedenen Filmszenen in einer amerikanischen Spielhalle vorbereiten konnte. Übrigens versteckt sich hier auch ein kleiner Fehler im Film, wer gut aufpasst bemerkt, das David beim Spielen mit Galaga ein Raumschiff verliert und darauf das Spiel plötzlich mit „Game Over“ endet, obwohl er in der vorherigen Szene noch eine ganze Menge Raumschiffe zur Verfügung hatte.

David in der Arcade. Rechts neben David ist ein Tron-Automat zu erkennen. (Bild: United Artists)
David in der Arcade. Rechts neben David ist ein Tron-Automat zu erkennen. (Bild: United Artists)

Ein weiterer netter Gag für Videospielfans findet man in der Szene, als eine Besuchergruppe im Crystal Palace durch eine Computerstimme „begrüßt“ wird. Der kurze elektronische Soundeffekt am Anfang dieser Durchsage stammt natürlich ebenfalls aus dem Arcadehit Galaga.

Original-Sounds aus Galaga




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7 KOMMENTARE

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    Andre kommentierte zu oben
    am 24.10.2015 um 07:27 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    ...und zweifellos hat der Film zu Deinem Pseudonym beigetragen ;) Auch ich muß gestehen: Wargames ist ein spannender, temporeicher und noch heute zutreffender Hollywood-Hockerfilm. Habe ich ihn schon oft gesehen und auch wenn die Technik des Films in 2015 nicht mehr aktuell erscheint, ist es das Thema allgegenwärtig.











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