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Debüt für die Steckmodule

10.10.2009 · 10 Kommentare

Debüt für die Steckmodule

Oben: Das Videoplay war die erste Spielkonsole, die Steckmodule nutzte. (Bild: Torsten Othmer)

Ich freue mich, hier eine fast in der Versenkung der Vergessenheit geratene, aber dennoch außergewöhnliche Videospielkonsole, vorzustellen. In Deutschland wurde sie zumeist gegen Ende der 1970er Jahre als SABA Videoplay vertrieben. Allerdings wurde das System schon 1976 in den USA von dem Hersteller Fairchild unter dem für eine Videospielkonsole eher ungewöhnlichen Namen Channel F vorgestellt.

Das Channel F ist aber nicht eine der unzähligen Pong-Konsolen die es seinerzeit schon gab, sondern das erste Videospiel mit programmierbaren Spielmodulen überhaupt. Auf diesen Spielmodulen befand sich erstmals ein kleiner Chip, ein so genanntes ROM, welches Programmcode enthält. ROM ist die englische Abkürzung für „Read Only Memory“ und bedeutet, dass man den Inhalt dieses Speicherchips zwar lesen, aber nicht beschreiben kann. Mit diesen Modulen war es erstmals möglich, auf nur einer Konsole durch das Austauschen der Spielmodule viele verschiedene Spiele zu spielen. Erstaunlicherweise besaßen die Module eine Speicherkapazität von nur 2 bis 3 Kilobyte Speichervolumen! Bis 1982 erschienen insgesamt 26 Spielmodule für das Channel F.

In vierten Teil dieses Artikels findet ihr eine Übersicht aller SABA Videoplay Spielmodule. Dort werden alle Spiele mit ihrer Verpackung, einer Abbildung des Moduls, einem Bildschirmfoto und einer kurzen Spiele-Info aufgeführt. Ein guter Überblick für Sammler und alle, die sich über das komplette Spielangebot des Videoplays informieren wollen.

Videocart Nr. 2: Spielmodul mit den Spielen Wüstenfuchs und Tontauben-Schießen. (Bild: Torsten Othmer)
Videocart Nr. 2: Spielmodul mit den Spielen Wüstenfuchs und Tontauben-Schießen. (Bild: Torsten Othmer)
Bemerkenswert ist, dass um die Veröffentlichung der ersten Modul-Konsole ein wahrer Wettkampf stattfand. Nur wenige Wochen später wurde mit der RCA Studio II eine weitere Modul-Konsole vorgestellt, die dem Channel F aber technisch unterlegen war. Selbst der damalige Marktführer Atari sah sich unter Druck gesetzt, seine ebenfalls schon in der Entwicklung befindliche programmierbare Konsole früher als geplant auf den Markt zu bringen. Da aber Atari die dafür enormen Entwicklungs- und Produktionskosten allein nicht aufbringen konnte, sah sich der Firmengründer Nolan Bushnell genötigt Atari an den Medienkonzern Warner Brothers zu verkaufen, um das benötigte Kapital zu erhalten. So hat die frühe Präsentation des Channel F doch einigen Wirbel in der Videospielbranche ausgelöst, auch wenn das System nicht unbedingt ein kommerzielle Erfolg war. Die Firma Fairchild als Produzent der Channel F Konsole vergab schon kurz nach deren Markteinführung in den USA Lizenzen an verschiedene europäische Firmen.

Fairchilds europäische Partner

Das Nordmende COLOR TelePlay von 1978. (Bild: Torsten Othmer)
Das Nordmende COLOR TelePlay von 1978. (Bild: Torsten Othmer)
Allein auf dem Deutschen Markt warben SABA mit dem Lizenznachbau Videoplay, Nordmende mit TelePlay sowie ITT mit dem Telematch Processor um ihre Gunst. In Schweden wurde es von Luxor als Video Entertainment System, in Großbritannien von Adman als Grandstand, in Österreich von Ingelen ebenfalls als Telematch Processor, in Italien von Dumont als Channel F und schließlich in Belgien von der Firma Barco unter den Namen Challenger als Lizenznachbauten der US-amerikanischen Firma Fairchild vertrieben. Des Weiteren wurde es durch die Firma Emerson (gehörte zu Dumont) unter dem Namen Videoplay System in den Handel gebracht. Die Version von Dumont wurde ebenfalls unter der Bezeichnung Videoplay System verkauft. Emerson und Dumont brachten lediglich einige Aufkleber mit ihren Bezeichnungen auf den Originalverpackungen an.

Hier ein paar Bilder, der verschiedenen Varianten des Channel F.

Bedientastatur des Nordmende COLOR TelePlay. (Bild: Torsten Othmer)
Bedientastatur des Nordmende COLOR TelePlay. (Bild: Torsten Othmer)
Das ITT Telematch Processor von 1978. (Bild: Torsten Othmer)
Das ITT Telematch Processor von 1978. (Bild: Torsten Othmer)

Bedientastatur des ITT Telematch Processor. (Bild: Torsten Othmer)
Bedientastatur des ITT Telematch Processor. (Bild: Torsten Othmer)
Verpackung des Emerson Videoplay System. (Bild: Fredric Blåholtz)
Verpackung des Emerson Videoplay System. (Bild: Fredric Blåholtz)

Emerson Videoplay System mit Zubehör und Spielmodulen. (Bild: Fredric Blåholtz)
Emerson Videoplay System mit Zubehör und Spielmodulen. (Bild: Fredric Blåholtz)
Die Gehäuseabdeckung des Emerson Videoplay Systems. (Bild: Fredric Blåholtz)
Die Gehäuseabdeckung des Emerson Videoplay Systems. (Bild: Fredric Blåholtz)

Rückblick - Ein Telespiel für den Enkel

Warum aber schreibe ich über diese doch eher unbekannte Konsole? Um das zu erfahren, müssen wir über 30 Jahre zurück in die Vergangenheit reisen. Zu dieser Zeit, man schrieb das Jahr 1977, berichtete ein Arbeitskollege meines Vaters von einer auf Internationalen Funkausstellung, kurz IFA, in Berlin vorgestellten neuen Videospielkonsolen-Generation.

Da ich mir als damals 10-Jähriger nichts sehnlicher wünschte als ein Telespiel, nahm mein Vater diese Information von seinem Kollegen mit großem Interesse auf. Nachdem er sich dann kurze Zeit später in eines der damals größten Rundfunkgeschäfte in Osnabrück nach dieser Konsole erkundigte, hatte er Glück, dass dort gerade ein Vorführgerät eingetroffen war. Der Verkäufer führte die auch für ihn noch völlig neue Technik bereitwillig vor. Mein Vater und anscheinend auch der Verkäufer waren von dem SABA Videoplay total begeistert. Beide vergaßen vor lauter Spielbegeisterung völlig die Zeit und hörten erst auf zu spielen, als das Geschäft geschlossen werden sollte, was damals üblicherweise schon um 18:30 Uhr geschah. Einen Schock erfuhr mein Vater dann aber, als er von dem freundlichen Verkäufer den Preis für die Konsole erfuhr. Fast 500 DM sollte das gute Stück kosten und das ohne Spielmodule, die kosteten im Schnitt noch mal um die 70 DM extra. Das war sicher zu damaligen Zeit nicht nur meinen Vater viel zu teuer. Zumal Videospielkonsolen seinerzeit doch mehr als Spielzeug für Kinder gesehen wurden und nicht wie heute als Unterhaltungsmedium für die ganze Familie.

Screenshot des Schachmoduls für das SABA Videoplay. (Bild: Torsten Othmer)
Screenshot des Schachmoduls für das SABA Videoplay. (Bild: Torsten Othmer)

Da mein Vater aber nun persönlich Gefallen an der Konsole gefunden hatte und mich auch nicht zu Weihnachten enttäuschen wollte, überredete er meinen Opa, sich doch mal dieses tolle neumodische Gerät anzuschauen. Von dem Preis erwähnte er natürlich geschicktermaßen nichts. Offen für neues, wie er Gott sei dank war, nahm mein Opa den Vorschlag an und fuhr das Wochenende darauf zusammen mit meinen Vater zu dem besagten Rundfunkgeschäft. Die Zeit drängte, denn Weihnachten rückte immer näher und es gab immer noch kein Weihnachtsgeschenk. In der Tat war auch mein Großvater sehr angetan von dem Gerät und fand es als Weihnachtsgeschenk für seinen Engel perfekt geeingnet. Selbst von dem hohen Preis ließ er sich nicht abschrecken. Denn technische Sachen, insbesondere wenn sie auch noch neu auf den Markt kamen, waren nun einmal teuer. Das traf damals noch mehr zu als heute und so war er gewillt, das Gerät zu kaufen. Erschreckenderweise stellte sich dann aber heraus, dass das Telespiel gar nicht auf Lager war. Es gab nur das eine Vorführgerät, welches nicht verkäuflich war. Selbstverständlich konnte es bestellt werden, aber ob es noch rechtzeitig bis Weihnachten an käme, wollte der Verkäufer nicht garantieren. Mein Opa aber ging das Risiko ein und bestellte das Gerät mitsamt einer Handvoll Spielmodulen. Denn sonnst kann man ja damit nicht allzu viel anfangen. Der Verkäufer versprach alles zu tun, damit das Videoplay so schnell wie möglich geliefert wird.

Noch ein Problem aber tauchte auf, wenn auch nicht ganz unvermittelt. Meine Großmutter durfte auf keinen Fall erfahren, wie teuer das Gerät war, denn dann hätte sie sich wieder unnötigerweise aufgeregt, wie man dann so viel Geld für so ein technischen Schnickschnack ausgeben kann. Für mich als Enkel hätte sie alles getan, aber so ein neumodisches Ding, nein! Da hätte man doch etwas Sinnvolleres für das viele Geld schenken können.

Videoplay VS. Tatort

Und tatsächlich, der Verkäufer rief schon nach knapp zwei Wochen bei meinem Großvater an, dass er das Videoplay abholen könne. Gerade noch rechtzeitig für das bevorstehende Weihnachtsfest. Am darauffolgen Tag nahm er die Konsole dann auch mit nach Hause, denn ich durfte ja von dem Kauf nichts erfahren. Kaum bei meinen Großeltern angekommen, wurde sie dann kurzerhand im Wohnzimmer ausgepackt und mit dem heimischen Fernseher verbunden. Nachdem dann der richtige Fernsehkanal gefunden wurde, erschien denn endlich ein Bild auf der Mattscheibe. Meine Großmutter beobachtete das ganze Geschehen mit gebührender Skepsis und fand das ganze hin und her in ihrem Wohnzimmer gar nicht so toll. Auch die bunten Bilder auf dem Fernseher beeindruckten sie wenig. Mein Vater musste dann natürlich gleich nach dem Feierabend zu meinem Großvater fahren. So wurden beide wieder zum Kind und steckten ein Spielmodul nach dem anderen in das Gerät und probierten auf diese Weise ein Spiel nach dem anderen mit großer Begeisterung aus.

Videospielen oder Tatort schauen? (Bild: Torsten Othmer)
Videospielen oder Tatort schauen? (Bild: Torsten Othmer)
Meine Großmutter aber machte dem ganzen Spaß dann nach einiger Zeit einen Strich durch die Rechnung. Denn um viertel nach Acht begann ihr Lieblingskrimi im Fernsehen und der durfte auf keinen Fall verpasst werden. Es war schon erstaunlich genug, dass mein Opa die Tagesschau hatte sausen lassen, dass passierte eigentlich nie. Nun musste das Spiel aber unter dem strengen Blick meiner Großmutter ausgeschaltet werden. Endlich gehörte der Fernseher wieder ihr und das Teufelszeug war vom Bildschirm verbannt.

Am nächsten Tag aber wollte mein Großvater, vom Spieltrieb erfasst, unbedingt wieder an das Videoplay. Um weitere Konflikte zu vermeiden, schloss mein Opa das Gerät aber an den erst vor kurzen für den Urlaub gekauften tragbaren Farbfernseher an. Der stand im Gästezimmer und dort hatte er seine uneingeschränkte Ruhe zum Spielen. Meine Großmutter konnte ihren gewohnten Fernsehkonsum fortsetzen und somit gab es vorerst keine weiteren Konflikte mehr zwischen den Beiden. Gleich nach dem Feierabend fuhr mein Vater dann auch wieder zu meinem Opa und so zockten dann beide wieder, diesmal ungestört, bis spät in den Abend hinein die verschiedenen Spiele durch. Ich wunderte mich damals nur, wieso mein Vater in der Vorweihnachtszeit immer so spät nach Hause kam. Er verriet mir gegenüber natürlich nichts und so hatte ich auch nicht die geringste Ahnung von dem, was ich schon bald geschenkt bekommen sollte.

Und dann war es auch endlich soweit. Das Fest der Feste stand bevor und nach unserem traditionellen Kirchenbesuch folgte dann am Heiligabend des Jahres 1977, wie bei uns üblich, die Bescherung. Da ich noch zwei jüngere Geschwister habe, standen unter dem Weihnachtsbaum auch immer entsprechend viele Geschenke. Wir alle stürzten uns darauf und schauten anhand der Namensschilder, welches wem gehörte. Eifrig wurde dann das Geschenkpapier von den Geschenken gerissen und - ja ich muss gestehen - ich weiß nicht mehr was ich bekam, es war auf jeden Fall kein Telespiel, denn daran hätte ich mich garantiert erinnert. Sicher etwas enttäuscht, begab ich mich mit dem zufrieden, was immer ich geschenkt bekam und behielt ein wenig Vorfreude auf die bevorstehende Bescherung bei meinen Großeltern am darauf folgenden Tag. Und die hatte es, wie ihr euch denken könnt, dann auch in sich. Anfangs breitete sich bei der Bescherung Enttäuschung aus, weil gemeinerweise mein Geschenk nicht wie sonst üblich unter dem Tannenbaum lag, sondern angeschlossen neben dem Fernseher stand. Ein quadratisches Gerät, ganz in schwarz mit ein paar Tasten an der abgeflachten Frontseite.

Ein Controller namens Spielepilot

Der Kontrollerschacht mit den beiden Spielpiloten. (Bild: Torsten Othmer)
Der Kontrollerschacht mit den beiden Spielpiloten. (Bild: Torsten Othmer)
Das ist doch nicht etwa ein... noch bevor ich mich versah, schob mein Vater eine gelbe Plastikkassette in den Kasten und schaltete ihn ein. Augenblicklich erschien ein farbiges Bild auf dem Fernseher. Jetzt öffnete er auch noch eine Klappe am hinteren Teil des Gerätes. Was zum Vorschein kam hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Hinter der Abdeckung verbargen sich zwei längliche „Spielepiloten“. So wurden sie von SABA bezeichnet. Nun nahm er diese Spielepiloten heraus und drückte einen davon meinem Großvater in die Hand. Nachdem mein Vater schließlich einen der Knöpfe an der Vorderseite dieses Gerätes betätigte, baute sich ein Bild auf dem Fernsehschirm auf. „Wow, was für eine Grafik!“ dachte ich mir. Es war ein unglaubliches Gefühl, als ich dann auch mal den Spielepiloten halten durfte, um gemeinsam mit meinem Vater zu spielen. Bis zu diesem Moment kannte ich nur Drehregler, mit denen sich die diversen Ballspiele steuern ließen.



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10 KOMMENTARE

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    Torsten Othmer kommentierte zu oben
    am 30.09.2015 um 18:14 Uhr (neuester)
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    Danke, dass freut mich sehr. Zu kaufen gibt es das Multicart leider aktuell nicht mehr. Ein Freund von mir hat es und es ist absolut empfehlenswert! Hier ist ein Link zur letzten Auslieferung, es wurden gut 100 Stück produziert. Ich denke bei entsprechender Nachfrage könnten weitere hergestellt werden. Liebe Grüße Torsten http://atariage.com/forums/topic/149932-fs-fairchild-system-channel-f-multi-cart-pre-order-now/









    Torsten Othmer kommentierte zu oben
    am 14.10.2014 um 20:38 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Da es sich hier um ganz normale mehradrige Kabel handelt, lassen diese sich im Baumarkt oder Elektrofachhandel nachkaufen. Sowohl die Spielepiloten als auch die Konsole sind mit normalen Schraubendrehern leicht zu öffnen (Netzstecker ziehen!). Von daher ist es nicht nötig "neue" Spielepiloten zu kaufen, zumal diese dann sicherlich auch schon gebraucht sind und die Kabel nicht lange halten werden. In der Retro-Szene lassen sich leicht Bastler finden, die diese Arbeit übernehmen würden, wenn man sich das selber nicht zu traut.





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