Startseite
Startseite
Artikel & Suche Wer wird sind Kontakt Links

But remember: shoot or die!

28.05.2016 · 12 Kommentare

But remember: shoot or die!

Oben: „Hello and welcome to Turrican. Be my guest!“ (Bild: Andre Eymann)

Ich bekam meinen C64 zum 12. Geburtstag. Dazu komme ich aber später, denn ich war schon etwas länger davor fasziniert von diesem Computer.

In unserer Kleinstadt gab es einen Schülerklub, in dem man nach der Schule seine Freizeit mehr oder weniger sinnvoll verbringen konnte (eher weniger sinnvoll, weil ich stets keine Hausaufgaben mehr erledigt hatte). Dort waren anfangs noch die guten, alten Z1013 Selbstbaurechner der DDR aufgestellt; sehr urig mit aufgemalten Tastaturen und der Platine stets im Blickfeld. Auch einen Schwung KC-85 hatten wir gehabt, mit dem liebevollen Ladegeräusche (tuuut-krz-tuuut-krz-tuuut-krz-tuuut-krz). Hier spielte ich noch Abenteuer wie das Labyrinth, in dem man Spinnen und andere Gegner besiegen musste oder den Club-X (mein Favorit!). Später gesellten sich die ersten Atari-Konsolen, ich glaube, es waren die 2600er, dazu, in die man das klassische 32-in-1 Modul gesteckt hat. Wir durften selbst die Spiele nicht wechseln, denn für uns war das damals (etwa 1990) echt Neuland!

Club-X für den KC-85. (Bild: Götz Hupe, Elmar Klinder)
Club-X für den KC-85. (Bild: Götz Hupe, Elmar Klinder)
Der Schülerklub war ein zweistöckiges Gebäude und im oberen Bereich war neben der Bastelstube das „Computerkabinett der Stammgäste und Eingeweihten“. So habe ich mir das jedenfalls immer vorgestellt, denn man kam dort so gut wie nie hin und musste offenbar schon lange Gast im Schülerklub sein und zusätzlich einen Computerkurs belegt haben, der dort angeboten wurde. In dem Kabinett standen die Maschinen, die meine nächsten Lebensjahre (eigentlich bis heute) tief beeinflussen sollten, die COMMODORE C64!

Endlich habe ich meine Eltern nach langer Quengelei überzeugen können, dass so ein Computerkurs doch für mich ganz nützlich wäre, weil Computer ja immer mehr Einzug in den Alltag genommen haben. So kam ich dann in den Genuss des Kurses, in dem kurz BASIC angeschnitten wurde und später mit dem „OCP-Art-Studio“ Grafiken erstellt wurden. Es war wirklich nur ein rudimentärer Kurs, welcher die Funktionen der „neuen Kisten“ rüberbringen sollte. So konnte ich dann nach langer Zeit und täglichen Besuchen endlich auch meine Freizeit in dem Kabinett verbringen. Herrlich!

Hier machte ich natürlich Bekanntschaft mit allerhand interessanten und abgefahrenen Spielen (damals war's halt ganz neu!). Darunter waren Giana Sisters, Buggy Boy, Last Ninja, Paperboy, Tetris und viele, viele, andere. Ein Titel aber hat besondere Faszination auf mich ausgeübt und das war der Held im elektronischen Kampfanzug, Cmdr. Bren Mc Guire a.k.a. Turrican.

An diese Diskette ist man als „Anfänger“ so gut wie gar nicht herangekommen. Sie war in einer Spezialbox im Schrank eingesperrt und nur der Leiter des Schülerklubs hatte den entsprechenden Schlüssel und diesen auch nur an ausgewählte Besucher kurz ausgeliehen. So saß ich stundenlang immer neben irgendwem, der gerade Turrican gespielt hatte. Die Grafik, die Sounds, der absolute Wahnsinn, technisch ein Meisterwerk bis heute!

<i>Turrican</i> auf dem Commodore 64. (Bild: Mobygames)
Turrican auf dem Commodore 64. (Bild: Mobygames)

Irgendwann war auch ich so weit, dass ich die Disketten aus dem Spezialfach nehmen durfte und zockte Turrican bis zum Umfallen. Ich stand stets in der Hi-Score-Liste ganz oben, wusste, wo alle Leben versteckt waren und wo alle Geheimgänge und Extragegner sind (auch heute noch?). Mein Held!

Endlich kam mein 12. Geburtstag und meine Eltern schenkten mir tatsächlich einen nagelneuen Commodore C64. Ich war aus dem Häuschen und musste am Anfang nach Luft schnappen, was aber fix verging, als ich sah, dass dem Gerät „nur“ ein Datasette beigefügt war. Nun ja, ok, dann muss ich (erstmal) damit leben. Das erste Spiel war S.O.S., ziemlich seltsam mit eintöniger Musik, aber auch irgendwie witzig. Turrican gab es nicht auf Kassette und so folgten noch ein paar andere Games, die immer einen schönen Loader mit Grafik davor geschaltet hatten. Am schönsten fand ich Batman mit dem Ocean Loader Song.

Es kam aber der Tag, an dem ich plötzlich ein 1541-1 Floppylaufwerk bekam. Ja, das ältere Gerät was noch schwerer als der C64 selbst war. Das war mir aber egal, Hauptsache ich konnte endlich Disketten laden und vor allem Turrican. Ich bekam das Laufwerk allerdings erst am Abend, kurz vor dem „Ins-Bett-gehen“, weil meine Eltern es gebraucht vom Onkel kurz vorher für einigermaßen wenig Geld erstanden hatten. So konnte ich doch nicht schlafen! Morgens war ich früh wach, habe den Rechner an den Fernseher angeschlossen und die ersten Disketten ausprobiert: Giana Sisters (yeah!) und noch andere.

Dann endlich, mit feuchten Händen von der Aufregung, legte ich die Diskette mit der Aufschrift Turrican ein.

LOAD"*",8,1

... ratter, ratter, ratter ...

Es kratzte aus den Lautsprechern des Fernsehers:

«Hello and welcome to Turrican. Be my guest. Another day, another try. But remember, shoot or die, hahahaha»

Intro der C64 Version von Turrican

Mein Herz machte Sprünge und schlug doppelt und dreifach so schnell. Die Stimme, aus meinem C64, aus meinem Fernseher und dann das Bild dazu, welches einem Album von Manowar abgekupfert war, denn Manfred Trenz, der Entwickler von Turrican, war ein großer Fan dieser Metalgruppe. Es setzte die Melodie ein und die Schule war mir plötzlich egal, nur meinen Eltern nicht.

So war ich den ganzen Tag total unkonzentriert im Unterricht und konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen, die Diskette zu laden, das geliebte Rattern zu hören und endlich den Joystick in die Hand zu nehmen und den Kampfhelden über den Bildschirm zu jagen. Welch eine Freude, jedoch ein Leid für meine Eltern, da der TV total okkupiert war. Ich musste halt irgendwann abbrechen und dann ein anderes Mal wieder von vorn anfangen (tja, Spielstände gab es damals nicht so wirklich). Leider stellte sich später heraus, dass meine Diskette defekt war und die zweite Seite nicht geladen werden konnte. Schade eigentlich, aber mir war es egal, ich hatte zumindest einen Teil des Spiels spielen können.

<i>Turrican</i> auf dem Amiga. (Bild: hardcoregaming101.net)
Turrican auf dem Amiga. (Bild: hardcoregaming101.net)

Seit diesem Zeitpunkt habe ich so ziemlich alle Turrican-Spiele ausprobiert und gespielt, die ich finden konnte. Die meisten jedoch im Emulator wegen fehlender Hardware. Darunter waren Versionen natürlich für den Amiga, den DOS-PC, SNES und auch das verkappte Universal Soldier für SNES, welches im ersten Level eigen war, später aber eine komplette Replik von Turrican 2. Auch Hurrican, ein Fan-Release für Windows hatte mich in den Bann gezogen, aber leider läuft es nicht auf dem Mac und ist mittlerweile auch nur noch schwer zu finden.

Auch heute, mit 36 Jahren, spiele ich immer wieder Turrican (alles was mir unterkommt von 1-3, Super Turrican und was auch immer), höre mir oft die Soundtracks an und genieße es, meinen Superhelden über den Bildschirm zu jagen und die Schergen der MACHINE entgegen zu treten.

Weiterführende Links


Christian Nielebock · 28.05.2016

  Atari 2600, BASIC, Buggy Boy, C64, Chris Huelsbeck, Christian Nielebock, Club-X, Commodore 64, DDR, Diskette, Giana Sisters, Hurrican, KC-85, Last Ninja, Paperboy, Ramiro Vaca, Stefan Hartwig, Tetris, Turrican, Turrican 2, Universal Soldier, Z1013

ÜBER DEN AUTOR

Christian Nielebock
Christian Nielebock
Nach der Wende schleppte mich ein Spielkamerad in den sogenannten Schülerklub in unserer Kleinstadt. Hier kam ich Anfang 1990 zum ersten Mal mit Computern in Kontakt. Waren es damals noch die DDR-Computer KC-85 und Robotron Z1013, folgten bald die ersten Atari-Konsolen und endlich der Commodore C64. Dieser, für uns absolut neue, Rechner hat mein Leben bis heute beeinflusst. Eines Tages wollte ich wissen, wie Spiele programmiert werden und so war meine Laufbahn als Software-Entwickler quasi schon in den Jugendjahren zu Grunde gelegt.

Meine geliebte Hardware habe ich heute noch, wozu der C64 und der Atari 1040 STE gehören. Im Jahr 2016 gesellte sich ein Amiga 500 inkl. einiges an Hardware dazu.

Ich bin immer noch ein totaler Retro-Spiele-Fan und genieße es, mal wieder die alten Geräte anzuschließen oder Spiele im Emulator zu zocken.

Alle Artikel von Christian Nielebock

Christian auf Twitter folgen



ARTIKEL TEILEN

VSG FOLGEN



12 KOMMENTARE

Dein Kommentar ist das Wertvollste was Du dem Autor zukommen lassen kannst. Nimm Dir etwas Zeit und hinterlasse ein paar Zeilen!

» Kommentar schreiben




    Andre kommentierte zu oben
    am 20.06.2016 um 21:11 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Vielen Dank lanale! Großartiger Link, der ein gutes Gefühl dafür vermittelt, wie sich die KC85-Spiele "angefühlt" und ausgesehen haben. Sehr farbenfroh finde ich. So viele unbekannte Schätze... :)











    @Ravetracer kommentierte zu oben
    am 29.05.2016 um 11:58 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Dankesehr.

    Ich habe die Tage erst wieder T1 bis T3 im Emulator durchgespielt. Man kann auch bequem ein PS3-Gamepad oder andere Controller anschließen und so das alte Feeling wieder aufleben lassen.

    Viele Grüße, Christian

    http://ravetracer.de





    @Ravetracer kommentierte zu oben
    am 29.05.2016 um 11:56 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Hallo,

    Lazy Jones kenne ich nicht, aber nachdem, was ich da gerade im Wiki gelesen habe scheint es so zu sein. Sehr interessant.

    Was die Geschichten zu den DDR-Computern angeht, muss ich wohl ernsthaft darüber nachdenken, was ich dafür beitragen kann. 1-2 Maschinen habe ich kennengelernt und könnte aus eigenen Erfahrungen darüber schreiben. Wie aber schon im Artikel mehr oder weniger angemerkt, bin ich ein Wendenkind (Ich war 10, als die Mauer fiel) und habe die "Urzeit" der Computer nicht mitgemacht, sondern nur die relativ letzten, aktiven Züge. Mache ich aber gern mal

    http://ravetracer.de









DEIN KOMMENTAR

Schreibe dem Autor, was Dir zu But remember: shoot or die! einfällt. Er freut sich über Deine Zeilen!

Name oder @Twitter-Name

E-Mail

Homepage/Webseite

Beispiel: http://www.seitenname.de

Sicherheitscode
   Code erneuern

Wenn Du Deinen @Twitter-Namen angibst, erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Du bei einem Tweet zu diesem Kommentar auf Twitter erwähnt wirst. Wenn Deine E-Mail Adresse mit Gravatar verknüpft ist, erscheint Dein Bild neben Deinem Kommentar. Deine Adresse wird niemals öffentlich angezeigt. Deine Homepage/Webseite wird unter Deinem Kommentar angezeigt.




MEHR ENTDECKEN?

Diese Artikel aus der Kategorie Retrogames könnten Dich auch interessieren:

Fließbandarbeit für Pixelschieber

Fließbandarbeit für Pixelschieber

06.09.2011
Michael Behr
Wer sich schon mal eine meiner Reviews zu den alten Spieleklassikern durchgelesen hat, wird wissen, dass es mir vor allem um die Aufarbeitung von Erinnerungen geht. Denn das ist ja letztlich der ... [weiter]
     Weltkrieg am Bildschirm

Weltkrieg am Bildschirm

25.07.2004
Guido Frank
Das Thema Gewalt und Videospiele sorgte schon immer für viel Zündstoff in den deutschen Medien. Solche Diskussionen sind fast so alt wie die ersten kommerziellen Ballerspiele und sie werden ... [weiter]
     Fort Apocalypse II für Commodore Heimcomputer

Fort Apocalypse II für Commodore Heimcomputer

24.02.2010
Andre Eymann
Tschaak, Tschaak, Tschaak... Wer kann sich nicht an das Rotor-Geräusch des Hubschraubers aus dem Film Apocalypse Now von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1979 erinnern? Der ... [weiter]