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Das Atari TOS-Magazin

21.02.2008 · 3 Kommentare

Das Atari TOS-Magazin

Oben: Ein Magazin für Atari TOS-User. Randvoll mit Informationen zu den beliebten Atari Heimcomputern. (Bild: ICP)

Das 1990 eingeführte TOS Magazin konzentrierte sich ausschließlich auf Atari Computer und erschien monatlich mit einer Heftdiskette. Den Namen TOS (engl. The Operating System) hatte das Heft von dem gleichlautenden Namen des Betriebssystems für Atari Computer abgeleitet. Wir haben im Juli 2007 mit Horst Brandl, dem ehemaligen Chefredakteur des TOS-Magazins, ein interessantes Interview über seine berufliche Vergangenheit und die Geschichte des TOS geführt.

Interview mit Horst Brandl

ORIGINALTEXT VOM 12. JULI 2007

André Eymann: Herr Brandl, Sie haben eine klassische IT-Ausbildung durchlaufen und nach Ihrer Ausbildung zum Programmierer als technischer Leiter bei dem Sinclair Generalimporteur Schumpich gearbeitet. Dort wurden die legendären Heimcomputer ZX81 und ZX Spectrum verkauft. Welche Projekte haben Sie bei Sinclair geleitet?

Horst Brandl gründete 1990 das Magazin TOS. (Bild: Horst Brandl)
Horst Brandl gründete 1990 das Magazin TOS. (Bild: Horst Brandl)
Horst Brandl: Bei Sinclair bzw. Schumpich war ich hauptsächlich für die Software verantwortlich. Ich wählte aus, welche Programme wir in das Sortiment aufnahmen. Diese kamen von Firmen aber auch Freizeitprogrammierern. Auch bei der Erweiterung des Hardwareangebots sprach ich mit, was manchmal harte Überzeugungsarbeit kostete. Beispielsweise hatte der Sinclair ZX81 ein Kilobyte RAM. Sinclair selbst hat ein Erweiterungsmodul mit 16 Kilobyte im Angebot, aber die Kunden wollten noch mehr Speicher. Der größte Zusatzspeicher brachte 64 Kilobyte, kostete aber - unglaublich, aber wahr - fast 1.000 DM! Der Computer kostete 298 DM und der Speicher sollte 1.000 DM kosten, aber - er wurde gekauft.

André Eymann: Wie kam der Umstieg nach der Zeit bei Sinclair in den EDV-Journalismus? Für welche Zeitschrift(en) haben Sie zuerst geschrieben?

Horst Brandl: Ich wurde abgeworben. Michael Scharfenberger, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur von Happy Computer meinte, er suche Leute, ob ich jemanden wüsste. Später hat er mir erzählt, dass er natürlich explizit mich damit meinte. So kam ich zur Happy Computer. Diese Zeit hat sehr großen Spaß gemacht. Die ungezwungene Atmosphäre, die netten Kollegen, die sich rasend schnell entwickelnde Technik, die horrende Arbeitszeit :-)

André Eymann: In der Juli-Ausgabe der Happy Computer von 1988 berichten Sie über den Gewinner des GFA-Wettbewerbs. War der Atari ST Ihre erste große Leidenschaft, oder gab es auch ernsthafte Flirts mit anderen Computerlieblingen?

Horst Brandl: Mein Einstieg fand über den Sinclair ZX81 statt. Ein kleiner Computer mit einem Betriebssystem von acht Kilobyte und einem Kilobyte RAM. Da konnte man sich wirklich mit jedem Bit vertraut machen. Dann kam der Nachfolger ZX Spectrum. Jetzt gab es Farbgrafik und 48 Kilobyte RAM.

Der Nachfolger des ZX Spectrum, der Sinclair QL (stand für Quantum Leap) war zwar tatsächlich ein Riesensprung. Beispielsweise verfügte er über ein multitaskingfähiges Betriebssystem, wurde aber schlecht vermarktet und konnte sich nicht am Markt durchsetzen. Bei Markt & Technik war ich für die 68000er-Computer zuständig, also die Computer mit Motorolas 68000-Prozessor: Atari ST, Amiga, Macintosh und Sinclair QL. Mein Favorit war der Atari ST.

Der Sinclair QL wurde ab Juli 1984 verkauft. (Bild: Happy Computer, April 1984)
Der Sinclair QL wurde ab Juli 1984 verkauft. (Bild: Happy Computer, April 1984)

André Eymann: Sie haben ab 1988 auch für das bekannte ST-Magazin geschrieben und den Atari- und Amiga-Grafikprogrammierer Jim Kent in San Francisco besucht. Können Sie sich noch an diese Begegnung erinnern?

Neu im Dezember 1984: 3-Zoll MCD-Disketten für den Spectrum mit bis zu 145 Kilobyte Speicherplatz. (Bild: Happy Computer, April 1984)
Neu im Dezember 1984: 3-Zoll MCD-Disketten für den Spectrum mit bis zu 145 Kilobyte Speicherplatz. (Bild: Happy Computer, April 1984)
Horst Brandl: Kurz zur Entstehung des ST-Magazins. Nach der Happy Computer kam die 68000er. Commodore hatte erkannt, welche positive Wirkung die Zeitschrift 64er für ihren Commodore 64 hatte und klopfte kurze Zeit später bei Markt & Technik an und wollte neben der 64er auch ein monatliches Magazin für den Amiga. Also wurde die 68000er aufgesplittet. Daraus entstanden das ST-, das Amiga- und das Macintosh-Magazin. Der Sinclair QL war da bereits von Markt verschwunden. Als Leiter der 68000er lies man mir die Wahl, welches Heft ich künftig leiten wollte. Ich entschied mich für das ST-Magazin. Warum durfte ich als Redakteur nach USA fliegen? Das blieb normalerweise den Chefredakteuren vorbehalten.

Bereits für Happy Computer hatte ich Messen besucht. Meine erste Messe war die CeBIT in Hannover. Diese Messe werde ich wegen zwei Erlebnissen nie vergessen: Am ersten Tag ging ich frohen Mutes ausgestattet mit neuen Visitenkarten als Redakteur auf den Messestand von Toshiba und wollte etwas über ein neues Produkt wissen, sprach eine der Damen an und fragte nach Unterlagen über einen Monitor. Sie fragte nach der Zeitschrift, für die ich schreibe. Ich sagte: Happy Computer und Sie lachte. Schaffte es zwar sich zwischen zwei Lachanfällen prustend zu entschuldigen, konnte sich aber nicht einkriegen. Traumatisiert wagte ich an diesem Vormittag nicht noch jemanden anzusprechen.

Shiraz Shivji, der geistige Vater des Commodore 64. (Bild: Happy Computer, September 1986)
Shiraz Shivji, der geistige Vater des Commodore 64. (Bild: Happy Computer, September 1986)
Erlebnis zwei hat schon eher mit Jim Kent zu tun. Einen Techniker auf dem Atari-Stand löcherte ich solange mit Fragen, bis keine er Antwort wusste und sich behalf mit: "Da kommt gerade Shiraz Shivji, unser Entwicklungschef. Der weiß das." Nur der hatte gerade keine Zeit, bot aber freundlich für den nächsten Tag ein Interview an. Gerne nahm ich es an. Am Stand von Markt & Technik fragte mich Michael Scharfenberger, wie es denn auf meiner ersten Messe als Redakteur läuft. „Gut“, erwiderte ich, „morgen habe mein erstes Interview“. Als er den Namen Shiraz Shivji hörte, sagte er erstaunt: „Der Shivji?“. Ich sagte: „Ich kenne bisher nur den einen. Warum? Ist der wichtig?“. Was für eine blöde Frage, denn Shiraz Shivji hatte mit dem Commodore 64, den erfolgreichsten Computer der Welt entwickelt und sein nächster Coup, der Atari ST, war auch viel beachtet.

Am kommenden Tag ging ich zum Interview mit Shiraz Shivji, aber nicht allein, sondern ein Kollege wurde mir zur Seite gestellt, falls ich nicht klar kam. Das Interview lief aber sehr gut. Shivji war ein sehr freundlicher Zeitgenosse. Nur gingen mir nach etwa 1 ½ Stunden die Fragen aus. Ich fing an nach Umsätzen und erwarteten Verkaufszahlen zu fragen. Shivji sprang vom Stuhl, riss die Tür auf und bat einen Herren herein, der gerade an unserem Besprechungsraum vorbeiging.

Die 8-Bit Systeme Atari 600/800 XL waren die Vorgänger der 16-Bit Atari ST Computer. (Bild: Happy Computer, September 1986)
Die 8-Bit Systeme Atari 600/800 XL waren die Vorgänger der 16-Bit Atari ST Computer. (Bild: Happy Computer, September 1986)
Er stellte mir Jack Tramiel vor und meinte, der könne mir diese Fragen beantworten. Aber er hatte gerade... nun das kennen wir bereits und am folgenden Tag hatte ich das nächste Interview. Scharfenberger fragte nach meiner Rückkehr zum Messestand, wie das Interview mit Shivji gelaufen sei. „Gut. Morgen habe ich das nächste. Mit Jack Tramiel.“ Auf den Namen Shivji reagierte er mit Blässe, auf den Namen Tramiel mit Japsen und Farbwechsel: „Der Jack Tramiel?“, stammelte er. Das ich ihn nicht kannte, verkniff ich mir. Tramiel gilt als eine der Legenden, die die Computerindustrie begründet haben. Gründer von Commodore, Vater des PET (Personal Electronic Transactor), des ersten Bürocomputers, und die Liste ließe sich mit Meilensteinen der Computerindustrie fortsetzen. Wärend des Interviews warf er beispielsweise lapidar ein, dass er Steve Jobs die ersten Prozessoren für den Apple I verkauft hatte. Jobs wollte unbedingt die Z80-Prozessoren der Commodere Chip-Tochter Zilog. Tramiel sagte während des Interviews, in dem auch Shivji wieder dazu kam, ob ich mir nicht Atari-Lab, der Entwicklungslabor von Atari anschauen wollte. Und so kam ich nach Sunnyvale. In der Nähe von San Francisco, wo auch Jim Kent lebte ...



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3 KOMMENTARE

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    André kommentierte zu oben
    am 13.07.2015 um 20:43 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Vielen Dank für Dein Feedback Matthias! Ich werde die Fakten in diesem Artikel am Freitag korrigieren. Hatte zwischendurch Kontakt mit dem Autor aufgenommen und das abgeklärt. Vielleicht fällt Dir noch mehr ein, was hier als Kommentar ergänzt werden sollte?

    Liebe Grüße



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