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Der Wandel vom Spieler zum Programmierer

25.12.2012 · 7 Kommentare

Der Wandel vom Spieler zum Programmierer

Oben: Der Heimcomputer SVI-328 von Spectravideo. (Bild: Torsten Othmer)

In der Mitte der 1970er Jahre spielte ich als 8-Jähriger Bub erstmals an einer Videospiel Arkade. Seitdem ließ mich die Faszination der elektronischen Bildschirmspiele nicht mehr los. Im Laufe der Jahre spielte ich mich von einem einfachen Pong-Telespiel bei einem Freund, über das Saba Videoplay, erstmals mit austauschbaren Steckmodulen, bis schließlich zur ColecoVision Konsole hoch, mit der ich Spiele schon fast in Arkade-Automatenqualität geniessen konnte.

Mich faszinierte dabei nicht nur das eigentliche Spiel, sondern auch die Technik, die dahinter steckte. Ich fragte mich, wie es möglich war, mit solch einem kleinen Kasten Bilder auf den Fernseher zu „zaubern“? Wie konnten die Programmierer ihre Ideen in einen Programmcode umsetzten? Leider ließen sich die Videospiele nicht wie ein Heimcomputer programmieren. Es gab für diverse Videospielkonsolen zwar einfache Computererweiterungen, die dann die fehlende Tastatur und die Programmiersprache BASIC enthielten, aber diese waren durchweg sehr leistungsschwach und zudem teuer.

Durch das CompuMate von Spectravideo - in Deutschland von der Fa. Quelle vertrieben - wurde die Atari VCS Konsole zu einem fast vollständigen Heimcomputer. (Bild: Stefan Höltgen)
Durch das CompuMate von Spectravideo - in Deutschland von der Fa. Quelle vertrieben - wurde die Atari VCS Konsole zu einem fast vollständigen Heimcomputer. (Bild: Stefan Höltgen)

Eine Ausnahme sollte mein im Sommer 1983 gekauftes ColecoVision bieten. Coleco brachte jedoch seine sehr gute Heimcomputer-Erweiterung nach dem Videospielcrash 1984 nicht mehr auf den europäischen Markt. Somit wartete ich vergebens auf die angekündigte Erweiterung meiner Konsole.

Die Heimcomputer-Erweiterung, die an den Expansionsport der ColecoVision (oben links) gesteckt wurde, umfasste die folgenden Geräte: Die Erweiterung selbst mit ein bis zwei Bandlaufwerken und 64 Kilobyte RAM sowie den Typenrad-Drucker und die Tastatur. Die Programmiersprache BASIC wurde auf einer Datenkassette mitgeliefert. (Bild: CHIP, 1983)
Die Heimcomputer-Erweiterung, die an den Expansionsport der ColecoVision (oben links) gesteckt wurde, umfasste die folgenden Geräte: Die Erweiterung selbst mit ein bis zwei Bandlaufwerken und 64 Kilobyte RAM sowie den Typenrad-Drucker und die Tastatur. Die Programmiersprache BASIC wurde auf einer Datenkassette mitgeliefert. (Bild: CHIP, 1983)

Vom Telespiel zum Heimcomputer

Anfang des Jahres 1984 musste ich feststellen, das mein Wunsch, selber ein Programm zu schreiben vorerst nicht in Erfüllung gehen konnte. Ich brauchte also einen „richtigen Computer“. Leider gab es zu der Zeit eine unüberschaubare Vielzahl an unterschiedlichen Heimcomputern, die alle mit verschiedenen Betriebsystemen und BASIC-Programmiersprachen ausgestattet waren. Selbst die Anschaffungspreise der verschiedenen Systeme variierten zwischen 300 DM für einen ZX81 der Fa. Sinclair und einigen 1.000 DM für einen Apple IIe oder einen IBM PC. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung von Computern. Was die Abkürzungen RAM, ROM und CPU bedeuteten wusste ich zwar, aber welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Systeme hatten, wusste ich nicht. Da ich unbedingt auf meinem Computer so tolle Spiele wie auf meiner ColecoVision Konsole spielen wollte, orientierte ich mich an deren technischen Eigenschaften. Nach langem blättern und suchen in allen gängigen Computerzeitschriften fand ich schließlich in der Zeitschrift CHIP wonach ich suchte. Genau dieser Computer sollte es sein. Neu, ungewöhnlich, erweiterbar, anders als die zu der Zeit schon etablierten Computer von Commodore, Atari und Sinclair. Und weil der von mir favorisierte Computer gerade erst auf den Markt kam und einen professionellen Eindruck machte, dachte ich mir, dass er den gängigen Heimcomputern sicherlich überlegen war. Und 80 Kilobyte RAM Speicher waren für mich schon ein gutes Argument, wo doch alle anderen Heimcomputer nur maximal 64 Kilobyte RAM besaßen. Mein Wunschgerät hieß SVI-328, wurde von der amerikanischen Firma Spectravideo hergestellt und in Deutschland von der Firma Jöllenbeck GmbH, heute Speedlink, vertrieben.

Diese Variante des Logos wurde auf vielen Spectravideo-Computern verwendet. (Bild: Wikipedia)
Diese Variante des Logos wurde auf vielen Spectravideo-Computern verwendet. (Bild: Wikipedia)

Im Ladengeschäft gab es das Gerät nicht zu kaufen. Noch nicht. Schon kurze Zeit später kam mein heiß ersehnter Computer per Post und Nachnahme. 1.248 DM plus Porto und Nachnahmegebühren wollte der Postbote von mir haben. Ich überreichte ihm meine Ersparnisse und eilte mit dem Paket die Treppe hoch in mein Zimmer. Zum Glück hatte ich einen eigenen Fernseher und schloss dort den eilig ausgepackten Computer an. Schnell das Antennenkabel eingestöpselt und das Netzteil angeschlossen und schon zeigte sich nach dem Einschalten der bunte Schriftzug Spectravideo.

Der SVI 328 (die zweite Revision des SV 328) hatte ein modernes Design und wirkte mit seinen abgesetzten 10er Block und den Cursor-Tasten sehr professionell. Letztendlich war die Tastatur leider von minderer Qualität, die Anschlüsse auf der Rückseite waren billig und nicht genormt. Um einen Drucker oder ein Diskettenlaufwerk anschließen zu können, musste eine teure Erweiterungskarte gekauft werden. (Bild: Torsten Othmer)
Der SVI 328 (die zweite Revision des SV 328) hatte ein modernes Design und wirkte mit seinen abgesetzten 10er Block und den Cursor-Tasten sehr professionell. Letztendlich war die Tastatur leider von minderer Qualität, die Anschlüsse auf der Rückseite waren billig und nicht genormt. Um einen Drucker oder ein Diskettenlaufwerk anschließen zu können, musste eine teure Erweiterungskarte gekauft werden. (Bild: Torsten Othmer)
Dieser Schriftzug erschien direkt nach dem Einschalten des Spectravideo SV-328 auf dem Fernsehbildschirm. Sekunden später zeigte sich dann der Startbildschirm mit dem blinkenden Cursor. Wow, dachte ich mir - das ging ja einfach. Sogar der TV-Kanal war derselbe wie bei meinem ColecoVision-Videospiel. (Bild: Torsten Othmer)
Dieser Schriftzug erschien direkt nach dem Einschalten des Spectravideo SV-328 auf dem Fernsehbildschirm. Sekunden später zeigte sich dann der Startbildschirm mit dem blinkenden Cursor. Wow, dachte ich mir - das ging ja einfach. Sogar der TV-Kanal war derselbe wie bei meinem ColecoVision-Videospiel. (Bild: Torsten Othmer)

Der Startbildschirm des Spectravideo SV-328. (Bild: Torsten Othmer)
Der Startbildschirm des Spectravideo SV-328. (Bild: Torsten Othmer)

Der Speicherschock

Nun saß ich erstmalig vor meinem eigenen Computer. Ich hatte die Befehlsgewalt über eine Maschine, wie sie von der Leistung her zu Beginn der 1970er Jahre nur in großen Rechenzentren zu finden war. Hektisch blinkte mich der Cursor - ein kleines rechteckiges Kästchen - an und wartete auf meine Befehlseingabe. Ich wurde ganz nervös, was sollte ich denn nun eingeben? Mit fast 200 Befehlen und Funktionen war das Spectravideo-BASIC das damals mächtigste BASIC überhaupt. Sicher, mit BASIC an sich hatte ich schon öfter Kontakt. In der Computerabteilung bei Horten standen zu dieser Zeit viele Heimcomputer zum Ausprobieren und es wurde sogar gestattet, dort seine eigenen Programme einzutippen. Diese wurden als sogenannte „Listings“ in vielen Heimcomputerzeitschriften abgedruckt. Wer es schaffte ein solches Programm fehlerfrei abzutippen, konnte es auf dem entsprechenden Computer starten. Nervös blätterte ich in dem fast 300 Seiten starken BASIC-Handbuch herum. Liebenswerterweise wurde es von dem Distributeur ins Deutsche übersetzt. Das Manual begann mit einer umfangreichen Inhaltsangabe und gab dann Beispiele, wie Befehle im direkten Modus ausgegeben werden können.

Immer noch blinkte der Cursor unablässig vor sich hin. Ich gab a = 34 ein und betätigte die ENTER-Taste. Ok schrieb der Computer zurück. Ok ist gut dachte ich mir und gab den nächste Befehl aus dem Handbuch ein. print a und dann wieder ENTER. Nun gab mein Computer 34 aus und wieder das Ok. Fantastisch dachte ich mir. Ein paar Zeilen weiter im Handbuch wurde aufgeführt, wie ich den freien RAM Speicher angezeigt bekomme. print fre(0) musste ich eingeben. Gesagt getan und dann... Schock!

Warum sind auf meinem SV-328 mit 80 Kilobyte RAM nur 29.199 Bytes unter BASIC verfügbar? (Bild: Torsten Othmer)
Warum sind auf meinem SV-328 mit 80 Kilobyte RAM nur 29.199 Bytes unter BASIC verfügbar? (Bild: Torsten Othmer)
Auch der Commodore 64 mit 64 Kilobyte RAM bot nur 38.911 Bytes unter BASIC an. (Bild: Torsten Othmer)
Auch der Commodore 64 mit 64 Kilobyte RAM bot nur 38.911 Bytes unter BASIC an. (Bild: Torsten Othmer)

Was stand da auf meinem Fernsehschirm? 29199? Das sind ja noch nicht einmal 30 Kilobyte! War mein Spectravideo etwa schon defekt? Das konnte doch nicht sein, auf der Verpackung wurden doch 80 Kilobyte RAM angepriesen. Irritiert blätterte ich in dem Handbuch weiter und fand ein Beispielprogramm für die Anwendung der Funktion fre. Tatsächlich, unter BASIC waren auch im Handbuch nur knapp 30 Kilobyte RAM angegeben. Für mich war es damals völlig unverständlich, weshalb von den versprochenen 80 Kilobyte RAM nur so wenig übrig blieb. Gut, auch auf dem Commodore 64 eines Freundes waren nicht die ganzen 64 Kilobyte RAM nutzbar, aber immerhin noch fast 39 Kilobyte RAM.



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