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Der perfekte Einsatzplan

09.06.2006 · 3 Kommentare

Der perfekte Einsatzplan

Oben: Flug über den mörderischen Fluss ohne Wiederkehr. River Raid von Activision. (Bild: Activision)

März 1983: während die USA versuchen durch die Entwicklung von SDI (engl. Strategic Defense Initiative) den kalten Krieg in den Weltraum zu verlagern, startet in Deutschland mit dem Activision-Megahit River Raid ein konventioneller Überraschungsangriff auf die Konsolen der einheimischen Videospieler...

Freiwillige vor!

Offizieller Activision Flyer zum Spiel. (Bild: Activision)
Offizieller Activision Flyer zum Spiel. (Bild: Activision)
Ein äußerst gefährlicher Auftrag erwartet Sie und Ihren Kampfjet. Das Einsatzgebiet: ein zerklüftetes Tal, durch das sich ein endlos langer Fluss windet, der leicht zum Fluss ohne Wiederkehr werden kann. Denn Ihre Gegner stellen Ihnen eine Übermacht von Tankern, Hubschraubern und Flugzeugen entgegen. Die Eroberung des Tals scheint aussichtslos, zumal an strategisch wichtigen Punkten stark befestigte Brücken gesprengt werden müssen. Schon der kleinste Steuerfehler kann das vorzeitige Ende ihrer Mission bedeuten. Das gleiche Schicksal ereilt Sie, wenn Sie nicht rechtzeitig zum Auftanken die feindlichen Depots anfliegen. Ihre einzige Chance: ein perfekter Strategieplan, genaue Gebietskenntnisse und höchste Konzentration. River Raid von Activision ist ein Kampfspektakel, das den Bildschirm erzittern lässt. Die Anforderungen an Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen werden jeden Telespieler faszinieren und River Raid zum Telespiel-Klassiker machen.

Martialische Worte und handfeste Action

Die Verpackung für die Atari VCS Version. (Bild: Activision)
Die Verpackung für die Atari VCS Version. (Bild: Activision)
Dass der martialische Inhalt eines alten Activison-Werbeflyers keineswegs eine Übertreibung darstellt, zeigt sich spätestens kurz nachdem man das Spiel in einen Atari VCS Modulschacht einlegt. River Raid war damals in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches Modul und besaß in der Tat alle wichtigen Faktoren eines echten Videospiel-Klassikers. Im Vergleich mit vielen anderen VCS-Kassetten unterscheidet sich River Raid besonders durch seinen abwechslungsreichen Levelaufbau. Der Flussverlauf, der den Bewegungsradius des eigenen Kampfjets erheblich einschränkt, ändert sich mit jeder neuen Spielstufe. Ebenso die Anordnung gegnerischer Flugobjekte und die Position der lebensnotwendigen Treibstofftanks. Ein systematisches Vorgehen ist dadurch kaum möglich. Startet das Spiel anfangs noch relativ leicht, so steigt der Schwierigkeitsgrad mit jedem Level stark an und bringt selbst echte Profis schnell an ihre Leistungsgrenzen.

«Erst entwarf ich ein Spiel für allerhöchsten Ansprüche und dann machte ich es noch schwieriger.»

Carol Shaw

Eine Frau als Gamedesigner

Diese Tatsache erscheint selbst heute noch relativ ungewöhnlich. Denn zu jener Zeit galt der Beruf des Spielentwicklers als eine Männerdomäne und gewalttätige Kriegsspiele passten so ganz und gar nicht in das Bild eines weiblichen Programmierers. Allerdings bediente Carol Shaw neben River Raid auch das typische Frauenklischee und entwarf kurz darauf Happy Trails, ein witziges Puzzlespiel im Westernlook, speziell erschienen für das Mattel Intellivision System.

Werbung für Happy Trails von Carol Shaw aus dem Jahre 1983. (Bild: Activision)
Werbung für Happy Trails von Carol Shaw aus dem Jahre 1983. (Bild: Activision)

Bereits 1978 machte Carol Shaw ihrem Abschluss an der Universität von Berkeley, Kalifornien in Elektronik und Computerwissenschaften und arbeitete noch im selben Jahr als Designerin für die Firma Atari. Video Checkers und 3D Tic-Tac-Toe zählen dort zu Ihren frühen Werken aus der großen VCS-Produktpalette. Doch erst 1982 gelang Ihr mit dem knallharten Actionshooter River Raid ein echtes Meisterwerk als Activision Gamedesigner.

Adaptionen für neue Systeme

Der Erfolg führte schon bald, ebenso wie für viele andere Activision Klassiker, zu Umsetzungen für die neuen Systeme.

So erschien River Raid neben dem VCS später auch für die Atari Homecomputer, Mattel Intellivision, Colecovision, Atari 5200 und zuletzt für den Commodore 64. Aufgrund der höheren Leistung dieser Geräte, insbesondere den Homecomputern, wurde die Grafik hier noch einmal deutlich verbessert. Außerdem kamen neue Gegner ins Spiel, wie Fesselballons oder ein Panzer, der ab sofort auf der Brücke patrouillierte. Während in der Urversion die feindlichen Einheiten nur Kollisionen verursachen konnten, wurde jetzt ab der Spielstufe 5 erstmals zurückgeschossen. Der Fluss hatte plötzlich einen realistischen Verlauf mit echter Uferböschung.

Auf der rechten Abbildung deutlich zu erkennen: die grafisch erweiterte Uferböschung von River Raid in der Heimcomputerversion. (Bild: Activision)
Auf der rechten Abbildung deutlich zu erkennen: die grafisch erweiterte Uferböschung von River Raid in der Heimcomputerversion. (Bild: Activision)

Technisch gesehen entsprach die spätere Version aber nicht mehr ganz dem höchstem Level. Das Programm nutzte nur noch zum Teil die Möglichkeiten der neuen Hardware und so zählen heute doch andere Titel zu den Meilensteinen der frühen Homecomputer-Ära. Trotzdem blieb River Raid weiterhin ein ausgezeichnetes Ballerspiel, das für lange Zeit den Standard zahlreicher Horizontal-Shooter setzte. Die Idee der damals innovativen Treibstofftanks stammte eigentlich von Ihren Kollegen David Crane, dem Schöpfer von Pitfall! und Steve Cartwright. Design und Umsetzung blieben aber alleine in Carol Shaws Hand, was auch für die komplette spätere Adaption für die Atari Homecomputer gilt.

Das Fazit der Telematch

Die Redaktion der Telematch, die ihren pädagogischen Auftrag besonders ernst nahm, beurteilte Videospiele mit militärischem Inhalt generell mit schlechten Zensuren. River Raid machte hier allerdings eine sehr seltene Ausnahme.

Bewertung (nach dem Schulnotensystem)

Grafik: 2
Sound: 3
Action: 2
Spielwitz: 2
Gesamturteil: 2

Fazit:
River Raid ist ein Spiel das einen nicht so schnell loslässt, man wartet fieberhaft darauf weitere Abschnitte kennen zu lernen, die stets schwierigere Manöver erfordern. Schade, dass kein Zufallsfaktor die Ablauffolge des leider extrem kriegerischen Geschehens variiert. Ein gutes Gedächtnis ist hier viele Punkte wert.

Die große Telematch-Meisterschaft von 1983

Anstecker der River Raid-Meisterschaft von 1983. (Bild: Activision)
Anstecker der River Raid-Meisterschaft von 1983. (Bild: Activision)
Zusammen mit der Firma Activision und den Horten Computershops organisierte die Zeitschrift Telematch im Herbst 1983 eine landesweite River Raid- und Seaquest-Meisterschaft. Neben den legendären und groß angelegten Centipede-Weltmeisterschaft von Atari, zählt dieser Event heute mit zu den größten kommerziellen Videospiel-Wettkämpfen der damaligen Zeiten. Es gab so gut wie keine Einschränkungen für die Teilnahme an der Meisterschaft, einfach jeder konnte mitmachen, vorausgesetzt das Ganze erfolgte im festgelegten Zeitraum vom 22. August bis zum 1. Oktober 1983 und man belegte seine Ergebnisse mit einem Bildschirmfoto. Natürlich bestand auch die Möglichkeit bei den offiziellen Austragungen im regulären Fachhandel oder den Horten Computershops mitzuspielen, doch der Vorteil lag eindeutig Zuhause. Nur dort stand dem Spieler eine unbegrenzte Anzahl an Versuchen zur Verfügung. Die Wertung der beiden Activision Module erfolgte mit einem besonderen Multiplikator: River Raid Punktzahl x 3 + Seaquest Punktzahl x 1 = Endergebnis.

Die Teilnahmebedingungen der Anmeldung zur Meisterschaft 1983. (Bild: Activision)
Die Teilnahmebedingungen der Anmeldung zur Meisterschaft 1983. (Bild: Activision)

Beide Programme beendeten das Spiel automatisch nach einer Million, somit lag die maximal erreichbare Punktzahl bei 4 Millionen. Nachdem in der Oktoberausgabe der Telematch die Meisterschaft sogar noch einmal bis zum 1. November 1983 verlängert wurde, standen nach diesem Termin endlich die Gewinner aus der Vorrunde fest. Insgesamt gab es acht Sieger, einen für jeden der alten Postleitzahlenbereiche. Der relativ lange Zeitraum führte allerdings dazu, dass bereits vier der Finalisten die magische Punktzahl von 3.999.999 erreicht hatten.

Die Gewinner der Vorrunde

Postleitzahl, Name, erreichte Punktzahl
1000 - Gerald Ziesig, Berlin - 2.646.550
2000 - Axel Voss, Hamburg - 3.727.950
3000 - Helmut Rieger, Hannover - 3.226.130
4000 - Jochen Luecke, Lage-Waddenhausen - 3.999.999
5000 - Michael Bromund, Montabaur - 3.894.880
6000 - Rainer Kothe, Wiesbaden - 3.999.999
7000 - Rainer Haseneder, Heilbronn - 3.999.999
8000 - Christian Schiele, Mindelheim - 3.999.999

Der Artikel über die River Raid-Meisterschaft in der Telematch. (Bild: Marshall Cavendish)
Der Artikel über die River Raid-Meisterschaft in der Telematch. (Bild: Marshall Cavendish)



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3 KOMMENTARE

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    Andre kommentierte zu oben
    am 12.04.2017 um 11:54 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Hallo Rainer,

    vielen Dank für Dein Feedback!

    Kannst Du Dich bitte einmal über das Kontaktformular auf http://www.videospielgeschichten.de bei mir melden?

    Viele Grüße, André

    www.videospielgeschichten.de





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