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Nick und Kee und die ewige Frage: Was ist am meisten retro?

03.11.2015 · 3 Kommentare

Nick und Kee und die ewige Frage: Was ist am meisten retro?

Oben: Robotron: 2084 von Eugene Jarvis. (Bild: André Eymann)

Nick und Kee fahren wieder! Die Helden der „Extraleben“-Romane sind bei ihrem letzten Job rausgeflogen und haben wieder Zeit, gepflegt abzunerden. Zum Beispiel über die Frage „Was ist am meisten retro?“. Doch was die Two Player nicht ahnen: Ihr kleiner Kumpeltrip wird üble Folgen haben. Denn diese Kurzgeschichte ist das Intro zu „Extraleben 4“, dem nächsten Teil der Romanserie.

„Ist der Matula nicht auch so einen gefahren?“

Nein, Alter! Tu's nicht! Oh nein, er tut's doch! Er nimmt tatsächlich die Hand vom Lenkrad, um mit seinem Spinnenfinger gegen die Scheibe zu tippen.

„Guck mal, den meine ich, den Alfa.“

Scheiße. Er merkt nicht, dass die Karre nach links driftet. Gleich rebeln wir gegen die Leute auf der Überholspur, der Fahrlehrer muss ran! „Sorry, Alter.“ Ich grabsche ins Lenkrad und reiße es rum. Schlingern, irres Hupen von hinten. Ein Wagen röhrt so laut vorbei, als wäre auf Nicks Seite das Fenster offen. Das war nicht nur Matulas Alfa aus den Achtzigern, das war vor allem verdammt knapp. Aber Nick faselt natürlich völlig ungerührt weiter.

„... also Matula aus «Ein Fall für zwei», der war für mich immer der Inbegriff von Härte damals. Claus Theo Gärtner hatte Street Credibility, bevor es das Wort überhaupt gab. So eine Art deutscher Proto-Chuck-Norris. Der fuhr auch immer Alfa Romeo. Ach ne, halt! Ein paar Folgen lang hatte er auch 'nen Audi, glaube ich.“ Oh nein, jetzt guckt er schon wieder durch die Gegend.

Ich tippe dezent gegen die Frontscheibe, um ihn daran zu erinnern, wo die Musik spielt.

„Hallo?“

Vater hatte doch recht: Das gefährlichste am Fliegen ist die Fahrt zum Flughafen. Vor allem, wenn der Beifahrer am Steuer sitzt. Aber er bestand eben drauf, schließlich sei es ja seine Karre und so weiter. Das Problem an der Sache: Nick ist der schlechteste Autofahrer der Welt, der kriecht durch die Gegend wie eine 95-jährige Oma bei der ersten Fahrstunde. So supertoll er am Competition Pro auch sein mag, sobald seine Hände das Lenkrad eines Pkw umklammern, ist es mit seiner legendären Auge-Hand-Koordination aus. Am Steuer mutiert er zum zittrigen Wrack.

Und dann auch noch dieser Überraschungstrip, der hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. Wir fliegen weg, einfach so? Aber wohin? Tja, Alter, Überraschung. Total süß: Weil er denkt, dass unsere Reise – wie er sagen würde – „business-relevant“ ist, hat er sich sogar in seinen Anzug gezwängt. Beim Abschied eben musste ihm Sabina noch wie Muttern den abstehenden Kragen am Sakko runterkrempeln.

«Claus Theo Gärtner hatte Street Credibility. Der war so eine Art deutscher Proto-Chuck-Norris.»

Nick

Ich mache das Fenster einen Spalt auf, damit der Schweiß auf meiner Stirn schneller trocknet. Kalter Dieselruß zieht rein, Autobahn-Nacht.

Eigentlich müsste ich ihn zusammenscheißen für den Stunt. Aber es hat keinen Sinn, denn er merkt eh nichts. Komisch, dass er seine Retromanie jetzt auch auf so was Analoges wie Autos ausgedehnt hat. Früher konnte er nostalgische Gefühle nur für Sachen aufbringen, durch die Strom fließt.

„Bei dir ist mittlerweile alles retro, oder?“

Ein Das-ist-jetzt-nicht-dein-Ernst-Blick kommt rübergeschossen.

„Klar“, grummelt er, „ist doch 'nen Klassiker, Ein Fall zu zwei.“ Oh-oh, das klang schon wieder ziemlich passiv-aggressiv. Ich hätte nicht direkt die ganz großen Themen anschneiden sollen. Jetzt fühlt er sich genötigt, eine Grundsatzerklärung abzugeben.

Matula aka Claus Theo Gärtner in Aktion. (Bild: diepresse.com)
Matula aka Claus Theo Gärtner in Aktion. (Bild: diepresse.com)

„Na ja, du kennst ja mein Motto...“, er kichert gekünstelt, „warum weiterziehen, wenn man etwas liebt?“ „Klingt für mich ein biiiischen konservativ. Sind die alten Platten nicht nur deshalb besser, weil man sie beschissenen Songs vergessen hat?“ Ja, das war kindisch von mir, aber es macht Spaß. Putting out the fire with gasoline.

Nick atmet schwer ein. Dann eist er seine rechte Hand von der vorgeschriebenen 15-Uhr-Position am Lenkrad los, um eine Halt!-Bewegung zu machen. Seine Finger zittern schon leicht, vielleicht sollte ich die Sache zurücknehmen, sonst baut er vor lauter Aufregung wirklich noch 'nen Crash.

„Egal“, schiebe ich schnell hinterher. „Äh, welches Game ist deiner Meinung nach denn am meisten retro? Pac-Man? Oder Space Invaders?“

Er zögert kurz, grapscht sich dann aber wieder das Lenkrad. Die Gelegenheit, ohne Zeitlimit seine Meinung zu äußern, kann er sich natürlich nicht entgehen lassen.

„Also, die gehen ja mal gar nicht. Totale Nevergreens.“ Angeekelte Kunstpause. „Nein, der größte Retro-Faktor, lass mal nachdenken...“, sein weiteres Gemurmel geht im Motorbrummen unter.

Eins ist klar: Jetzt kommt auf keinen Fall etwas Offensichtliches wie Pac-Man oder Space Invaders. Das wäre unter seiner Würde. Nein, jetzt muss er ein Game nennen, dass einem Meister des elektronischen Eklektizismus würdig ist. Ein Spiel wie...



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3 KOMMENTARE

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    c_gillies kommentierte zu oben
    am 04.11.2015 um 09:49 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Moin David, geplant ist, Extraleben4 noch dieses Jahr rauszubringen. Das Manuskript ist fertig und liegt beim Verlag. Cheers Constantin



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