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Myriad - Ein Shooter für den VC20

26.06.2015 · 4 Kommentare

Myriad - Ein Shooter für den VC20

Oben: Myriad ist wahrscheinlich weitgehend unbekannt. Zu unrecht! (Bild: André Eymann)

Bevor mit dem Commodore 64 der Heimcomputer-Markt Anfang der 80er Jahre so richtig abhob, gab es mit dem Commodore VC-20 ein einfacheres Vorgängermodell. Wir schreiben übrigens das Jahr 1981 und damals begegnete man noch überall in Deutschland auch im öffentlichen Bereich den neuartigen Arkade-Automaten.

Für mich als Kind waren Arkade-Automaten magisch, mit ihrer wunderschönen Grafik, den Sound-Effekten und dem oft gnadenlosen Gameplay. Da war eine DM (nach heutiger Kaufkraft 1 €) sehr schnell weg. Wirklich! Aber nicht nur die Automaten waren atemberaubend, noch magischer waren für mich die oft namenlosen Helden, und ich meine wirklich Helden, die es schafften auf einer Maschine wie dem Commodore VC-20 mit seinen lächerlichen 3.583 Bytes Speicher, Computerspiele zu entwickeln, die es mit den Original Arkade-Automaten aufnehmen konnten.

Zur Verdeutlichung vergleiche ich jetzt Altobst mit Birnen: Der Speicher vom Commodore VC-20 passt ca. 20 Millionen mal in ein heutiges Tablet.

Der „Volkscomputer“ VC-20. (Bild: André Claaßen)
Der „Volkscomputer“ VC-20. (Bild: André Claaßen)

Ein Feuerwerk für den VC-20

Ein Glanzstück aus dieser Zeit ist das Spiel Myriad von Steve Clark. Das Spiel benötigte damals leider ein (superteures) 8K Modul, obwohl ich heute noch der Meinung bin, dass es auch mit 3.583 Byte auskommen könnte. Myriad gehört zum Genre der Space-Shooter, die damals ihren großen Vorbildern, wie Galaga oder Phoenix nacheiferten.

Myriad ist in sofern eine Perle unter den Shootern, als dass es mit einer so unglaublich explosiven Grafik auffuhr, dass man meinen könnte, der Automat steht im eigenen (Kinder-)zimmer.

Der Startbildschirm von <i>Myriad</i>. (Bild: André Claaßen)
Der Startbildschirm von Myriad. (Bild: André Claaßen)
Angriff von oben. Gleich heißt es losballern! (Bild: André Claaßen)
Angriff von oben. Gleich heißt es losballern! (Bild: André Claaßen)

Myriad ist für mich auch heute noch:
  • Rasante Grafik
  • Feuerwerksähnliche Explosionen
  • Trümmer, Bomben, Minen, sogar Viren und Gestein
  • 9 verschiedene Angriffswellen
  • und Fehler wurden nicht verziehen

Es passierte in manchen Sequenzen so viel, dass es schwer war, Freund und Feind zu unterscheiden. Und das schönste für die damalige Zeit: Ein Schuss war wirklich mal ein Schuss. Es gab für den VC-20 so schrecklich viele Spiele, bei denen ein Projektil wirklich erst den oberen Bildschirmrand erreichen musste, bevor man den nächsten Schuss abfeuern konnte. Bei Myriad war das anders. Man konnte einfach nach Herzenslust Ballern!

Im Weltraum-Gefecht. Tatsächlich fühlt sich das Spiel wie ein Arkade-Automaten an. (Bild: André Eymann)
Im Weltraum-Gefecht. Tatsächlich fühlt sich das Spiel wie ein Arkade-Automaten an. (Bild: André Eymann)

Natürlich übertreibe ich etwas, aber für die damalige Zeit wirkte alles so unglaublich schnell und rasant. Die damals noch extrem erfolgreiche Konsole Atari VCS-2600 verblasste endgültig zur Lächerlichkeit. Später zeigte dann Jeff Minter mit Gridrunner, dass auf dem VC-20 noch einige Luft nach oben war, aber Myriad ebnete diesen Spielen damals den Weg.

Das Cover der Spielkassette. (Bild: The Centre for Computing History)
Das Cover der Spielkassette. (Bild: The Centre for Computing History)
Eine Original-Spielkassette von Myriad. (Bild: Retrogames.co.uk)
Eine Original-Spielkassette von Myriad. (Bild: Retrogames.co.uk)

Ein wenig traurig finde ich, dass vom Entwickler Steve Clark nichts mehr zu hören war. Wie auch immer, vor einigen Wochen meldete er sich bei YouTube in einem Kommentar zu diesem Spiel zu Wort. In diesem Video bekommt der Spieler auch einen guten Eindruck vom Spiel, obwohl der YouTuber auch nicht allzu weit kommt:

Kurzanleitung für den Emulator

Ich empfehle auf jeden Fall mal, das Spiel selbst auszuprobieren.

Zu Schritt 4: die RAM / Block-Einstellungen in VICE. (Bild: André Claaßen)
Zu Schritt 4: die RAM / Block-Einstellungen in VICE. (Bild: André Claaßen)
Hier ist ein Kochrezept:

  1. Schritt: Download des VICE-Emulators.
    Link: http://vice-emu.sourceforge.net

  2. Schritt: Download des Spiels.
    Link: http://www.6502dude.com

  3. Start der VC-20 Emulation (xvic).

  4. Gebt dem Spiel die 8K Speicher, die es braucht (wichtig), dazu müssen Block 0 und Block 1 aktiviert sein (das sind 2 x 4 KB Module).

  5. Im VICE-Emulator wird dann die Datei „Myriad.tap“ geladen und es kann losgehen.

Viel Spaß beim Spiel!

Andre Claaßen · 26.06.2015

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ÜBER DEN AUTOR

Andre Claaßen
Andre Claaßen
André Claaßen kam im Alter von 15 Jahren über seine Liebe zur Science Fiction und der Astronomie zur Computerei. Sein erster richtiger Computer war der Commodore VC20. Dort lernte er nicht nur die ersten Videospiele kennen, sondern auch die faszinierende Welt der Programmierung. Weitere Weggefährten in der Computersteinzeit waren rückwirkend unglaublich viele Systeme, der Commodore 64, der Sinclair QL, der Atari ST und der Amiga 1000. Finanziert wurde das Ganze später über die Entwicklung einfacher Datenbanksysteme (Datamat ST, Datamat Amiga) für die damals recht bekannte Firma Data Becker. Vom Datamat gab es sogar Varianten für den amerikanischen und dem französischen Markt und eine Version wurde als PowerPack zusammen mit dem Amiga 500 im deutschen Einzelhandel vertrieben. André Claaßen hatte zuvor sogar eine der ersten Festplatten für Heimcomputer im Besitz: Eine ein (1!) Megabyte Festplatte für den Sinclair QL (Ja, es war eine Festplatte). Damals eine schier unfassbar große Speicherkapazität.

Heute freut er sich, wenn er einige seiner Lieblingstitel aus seiner Kindheit als Neuauflage auf seinem Smartphone bzw. Tablet spielen kann. Und es gibt einige Spiele aus der damaligen Zeit, die in überarbeiteter Form wieder veröffentlicht werden.

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4 KOMMENTARE

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    Chaosspeeder kommentierte zu oben
    am 16.06.2015 um 20:56 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Hallo,

    ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht mehr so sicher. Tatsache war, dass ich eine Prototypen-Festplatte bekommen habe, die in dieser Form noch nicht am Markt verkauft wurde. Vor lauter Begeisterung über dieses Teil, habe ich vor der Rückfahrt vom Händler die ganze Zeit "1000 x 1000" gemurmelt. Das ist mir und meinen genervten Beifahrern noch deutlich in Erinnerung geblieben.

    Es könnten auch 5 MB gewesen sein aber ich glaube, es waren nur 1 Megabyte. Später hatte ich beim Atari ST eine 10 MB Platte und kämpfte dort mit dem 40 Ordner-Problem.

    Mit der Platte habe ich dann einige erste Anwendungen programmiert. Siehe https://medium.com/@chaosspeeder/sinclair-ql-the-first-real-computer-2bff6046ea28





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