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My Little Dragon

07.02.2015 · 6 Kommentare

My Little Dragon

Oben: Diese Handzeichnung lag dem Dragon 32 bei. (Bild: Torsten Othmer)

„My Little Dragon“ hört sich nach einer Geschichte über Drachen, Ritter und Burgen an. Doch weit gefehlt. Tatsächlich geht es in diesem Artikel um Homecomputer. Natürlich um einen ganz besonderen Heimcomputer. Dragon 32 lautet seine, für einen Computer, recht seltsame Bezeichnung. Sein Hersteller, die Dragon Data Ltd. hatte ihren Sitz im britischen Wales.

Wie aber nun kam die Bezeichnung von Dragon Data und seines gleichnamigen Computer zustande? England-Kenner werden jetzt sicher denken, ja klar, Wales, als Teil des Vereinigten Königreiches, hat auf seiner Flagge einen roten Drachen. Und nach genau diesem wurden die Firma und ihr Computer benannt.

Ein Drache fliegt nach Spanien

Der Dragon 32 hatte eine solide Tastatur. (Bild: Torsten Othmer)
Der Dragon 32 hatte eine solide Tastatur. (Bild: Torsten Othmer)
Gegründet wurde Dragon Data Ltd. 1981 als Tochterunternehmen des britischen Spielzeugherstellers Mettoy, der gerne etwas vom lukrativen Heimcomputer Markt abhaben wollte. Dragon Data entwickelte daraufhin in Zusammenarbeit mit PA Technologie aus Cambridge innerhalb von nur drei Monaten einen funktionstüchtigen Prototypen. An sich war die auf den ersten Blick extrem kurze Entwicklungszeit keine überaus herausragende Leistung. Denn Technologisch basiert der Dragon voll und ganz auf den schon zwei Jahre vorher auf den US-amerikanischen Markt gebrachten CoCo Computer von Tandy. Beide benutzten einen von Motorola entwickelten Chipsatz auf Basis der recht wenig verbreiteten Motorola 6809E CPU und den 6847 Videodisplay-Controller als Grafikchip. Verbessert wurde lediglich die Tastatur und es wurde eine parallele Druckerschnittstelle eingebaut. Selbst der seitlich ausgeführte Erweiterungssteckplatz war zum CoCo kompatibel, so das viele Spielmodule von Tandy auf dem Dragon funktionierten.

Das Firmenlogo von Dragon Data mit dem roten Drachen. (Bild: Dragon Data)
Das Firmenlogo von Dragon Data mit dem roten Drachen. (Bild: Dragon Data)

Als Programmiersprache kam, wie bei den meisten Heimcomputern, das Extended Microsoft Basic zum Einsatz. Leider wurde der anfänglich große Verkaufserfolg des Dragon 32, der ab August 1982 in den britischen Geschäften stand, zum Verhängnis von Dragon Data. Anfängliche Produktionsschwierigkeiten, Fehlplanungen und Missmanagement führten im Juni 1984 dazu, dass Dragon Data nach weltweit über 200.000 verkauften Dragons, Insolvenz anmelden musste. Die Firma war einfach nicht auf den unerwarteten großen Erfolg vorbereitet und konnte nicht das nötige Kapital aufbringen, um dieses System im benötigten Zeitraum weiterzuentwickeln. Das war dann zwar nicht das Ende des Dragon, aber die gesamte Produktion und Entwicklung wurde nach Spanien, an die bis dahin im Computersektor unbekannte Firma Eurohard S.A., verkauft.

Immerhin wurde er von dort aus mit unterschiedlichen Bezeichnungen und leicht modifiziert als Dragon 200 und Dragon 200E (mit 80 Bildschirmzeichen Darstellung) bis Mai 1986 weiter produziert und unter anderem in spanischen Schulen eingesetzt. Gut, was der Autor bis jetzt geschrieben hat, kann der interessierte Leser auch vielen anderen Quellen entnehmen.

Eine zeitlose Überraschung

Das Büchlein My Little Dragon, gefunden in meiner Dragon 32 Verpackung. (Bild: Torsten Othmer)
Das Büchlein My Little Dragon, gefunden in meiner Dragon 32 Verpackung. (Bild: Torsten Othmer)
Der Titel dieses Artikels heißt „My Little Dragon“. Zugegeben, der Autor besaß zu dieser Zeit keinen Dragon Computer, hat sich aber vor wenigen Jahren einen aus England gekauft, weil er in Deutschland nur selten verkauft wurde und aktuell kaum angeboten wird. Mein Dragon kam in Originalverpackung samt dazugehörigen Handbuch und ja, es lag noch etwas in dem Karton ... Ein kleines selbst geschriebenes Büchlein in Form eines Drachen geschnitten! Der Vor-, oder wahrscheinlich Vor- Vorbesitzer hatte sich die Mühe gemacht, eine kleine Bedienungsanleitung seines sicherlich lieb gewonnenen Computers, dem neuen Inhaber oder „Herrchen“, zu schreiben. Jetzt, drei Jahrzehnte später ist dieses kleine Dokument ein Zeitzeuge, der belegt, wie innig die Verbindung vieler Menschen zu ihrem Computer sein konnte.

Persönliche Tipps und Hinweise zu Fehlermeldungen im Handbuch. (Bild: Torsten Othmer)
Persönliche Tipps und Hinweise zu Fehlermeldungen im Handbuch. (Bild: Torsten Othmer)

Die späten 70er-Jahre und die 80er-Jahre prägten eine neue Generation von Menschen, denen es möglich war sich auch privat, abseits von Forschungseinrichtungen, Universitäten und Großbetrieben intensiv mit der neuen digitalen Technik zu beschäftigen. Die zumeist jungen Computer Nutzer waren die Pioniere im Umgang mit Mikrocomputern. Sie beherrschten eine Technik, von dem ihr Umfeld nichts verstand. Den Computerfreak gibt es heute als solchen kaum noch. Zum Kern der Technik braucht heute niemand mehr vordringen um einen Computer oder Smartphone bedienen zu können. Niemand mehr muss sich mit der Programmiersprache BASIC oder gar Assembler auseinander setzten. Ein heutiger Computer wird einfach nur bedient, dank grafischer Benutzeroberfläche, Touch-Screen oder Maus ist das im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht. Und das ist auch gut so. Es wird von niemandem erwartet, ein Mechatroniker zu sein, um ein Auto fahren zu können und genauso muss niemand Kenntnisse über die Hardware seines Computer besitzen, um diesen benutzen zu können.

«Mein Dragon 32 wurde sicherlich „geliebt“.»

Torsten Othmer

Auf der anderen Seite, identifiziert sich aktuell kaum noch jemand mit seinen Computer. Mal davon abgesehen, dass die meisten Computer dank kompatibler Hardware und gleichen Betriebssystemen beliebig austauschbar sind, spielt der Hersteller keine Rolle mehr. Markentreue existiert bei aktuellen Computernutzern kaum noch.

Liebevolle Speicherhinweise inklusive einer Spieleliste. (Bild: Torsten Othmer)
Liebevolle Speicherhinweise inklusive einer Spieleliste. (Bild: Torsten Othmer)

Wie man Musik macht und dem kleinen Drachen das Rechnen beibringt. (Bild: Torsten Othmer)
Wie man Musik macht und dem kleinen Drachen das Rechnen beibringt. (Bild: Torsten Othmer)
Anleitung zum Abspielen eines Programms. (Bild: Torsten Othmer)
Anleitung zum Abspielen eines Programms. (Bild: Torsten Othmer)

Mein Dragon 32 wurde sicherlich „geliebt“, sein Besitzer kannte ihn wahrscheinlich in und auswendig. Womöglich programmierte er sogar seine ersten BASIC Programme auf ihm. Er gab ihn schließlich weiter und wollte, dass der neue Besitzer ebenfalls Freude an diesem Gerät hat. Sicher hat sich der Vorbesitzer einen neuen Computer zugelegt.

Schwieriger Wechsel

Cover der Spielkassette von St George and the Dragons. (Bild: CRL)
Cover der Spielkassette von St George and the Dragons. (Bild: CRL)
Da der Dragon eine selten verwendete, aber hervorragende 8-Bit Motorola CPU besaß, war der Wechsel zu einen anderem Computersystem ein großer Schritt. Das BASIC war dann nicht mehr dasselbe und auch all die zuvor erworbenen und selbst entwickelten Softwareprogramme liefen nach dem Wechsel auf den neuen Rechner nicht mehr. Darum blieben viele Homecomputer-Besitzer ihrem Gerät viele Jahre treu und lösten ihre Technik erst mit Erscheinen von leistungsstarken PC-Systemen ab. Diese liefen dann oft schon mit dem grafischen Microsoft Windows und waren einfach, ganz ohne Programmierung, zu bedienen.

«Viele Homecomputer-Besitzer blieben ihrem Gerät jahrelang treu.»

Torsten Othmer

Multi-ROM Modul für den Dragon 32. (Bild: Torsten Othmer)
Multi-ROM Modul für den Dragon 32. (Bild: Torsten Othmer)
Viele Pioniere der Heimcomputer-Ära wünschen sich heute ihren ersten Computer zurück, den sie in und auswendig kannten und der noch als Ganzes zu verstehen war. Diese Entwicklung kann man auch gut bei den bekannten Online-Auktionshäusern nachhvollziehen, wo für Geräte aus der Zeit der Heimcomputer, teilweise hohe Preise bezahlt werden. Die Originalverpackung oder gar Hardwareerweiterungen zu den angebotenen Computern, sind dabei keineswegs selbstverständlich.

„My Little Dragon“ ist nun in guten Händen, wird regelmäßig auf Messen und Events bespielt und wird dank der aktuellen Entwicklung neuer Hardware wie Multi-ROM- und Experimentiermodulen oder gar Diskettenlaufwerks-Controllern auch in Zukunft noch oft in Betrieb genommen werden.

Links:

Torsten Othmer · 07.02.2015

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ÜBER DEN AUTOR

Torsten Othmer
Torsten Othmer
Torsten Othmer, Jahrgang '67 leitet heute ein Fitness Studio in der Kleinstadt Grimma, wo er zusammen mit seiner Frau Barbara und seinen vier Kindern lebt. Seit vielen Jahren sammelt er leidenschaftlich vorrangig die Computer und Videospiele die er damals besessen hatte oder gerne gehabt hätte. Im zarten Alter von neun Jahren kam er erstmalig auf einen Jahrmarkt in Osnabrück mit dem Medium Videospiel in Kontakt. Die dort Aufgestellte Pong Arcade zog den Autor so in seinen Bann, so dass er von diesem Moment an von jeglicher Art Telespiel begeistert war. Viele Jugendliche können sich heute nicht vorstellen wie sich meine Generation stundenlang mit derart simplen Spiele beschäftigen konnten. Im diesen Sinne möchte ich die Zeit der Anfänge der elektronischen Videospiele bewahren und festhalten. Denn um in die Zukunft blicken zu können, sollte man die Geschichte kennen.“

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6 KOMMENTARE

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    Andre kommentierte zu oben
    am 08.03.2015 um 14:08 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Danke für Deine Beitrag! Wenn Du Dich ein wenig mehr auf unserer Seite umschaust, dann wirst Du wahrscheinlich feststellen, dass es uns im Schwerpunkt nicht darum geht, lexikalisch gesehen vollständig zu sein. Videospielgeschichten.de ist eben kein Lexikon bzw. hat nicht den Anspruch einfach nur Fakten aufzulisten. Bei uns geht es - im Unterschied zu Wikipedia - um subjektive und persönliche Geschichten, die natürlich hier und da Fakten präsentieren, aber im Wesentlichen Erinnerungen und Gedanken zum Thema Videospiele festhalten. Daher auch unser Name.





    Manuel kommentierte zu oben
    am 21.02.2015 um 22:07 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dem Preiskampf am besten auf einschlägigen Retro-Börsen entgeht. Hier werden meist faire Preise angeboten und die Verkäufer sind in der Regel keine Abzocker. Sie freuen sich, ihre Geräte in gute Hände zu geben. Wenn man dann noch ein paar Spiele / Module mit dazukauft, ergibt sich meist ein gutes Angebot. Außerdem kann man den Zustand des Gerätes natürlich viel besser einschätzen.







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