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Support Your Local Gaming Blog #1: Kultboy.com

25.07.2010 · 19 Kommentare

Interaktion gewünscht

Zu Beginn von kultboy.com ließen der technische Aufbau und der optische Auftritt eher zu Wünschen übrig. Als gelernter Elektroinstallateur hatte ich mit den Aufgaben Webdesign und Programmieren so gut wie keine Erfahrung. Meine ersten Versuche zum Webdesign meisterte ich mit dem eher bescheidenen Programm Microsoft Frontpage. Über diesen Weg lernte ich HTML und versuchte dann mein Wissen auszubauen. Jedoch stieß ich mit HTML schnell an meine Grenzen; ich wollte die Seite lebendiger gestalten. Und da kamen 2001-2002 dann PHP und MySQL ins Spiel. Ich hatte wirklich keine Ahnung davon und leider kannte ich auch niemanden, der mir helfen konnte. Also kaufte ich mir ein paar Bücher und las viel in Internet-Foren. Ich probierte wochenlang mit diversen Code-Schnipseln herum, um das Ganze halbwegs zu verstehen.

«Der zentrale Gedanke war es, zu fast allen Inhalten der Seite persönliche Kommentare abgeben zu können. Damit kamen wir einem umfassenden Rezensionssystem sehr nahe.»

Michael Schmitzer

Ich hatte zwar ein Gästebuch und ein Forum, aber wäre es nicht prima, wenn man zu jedem Testbericht, Cover, Artikel, Leserbrief usw. einen persönlichen Kommentar abgeben könnte? Und genau das war der zentrale Gedanke. Über diese Möglichkeit würde die Seite lebendiger werden. Um das aber zu realisieren war es noch ein langer Weg. Schließlich musste ich hierfür zunächst viele neue Funktionen programmieren. Und so begann ich 2002, Kultboy.com neu aufzubauen.

Der Internetauftritt von Kultboy.com Ende 2002. Noch immer relativ wenige Inhalte und man konnte noch keine Kommentare zu den Scans schreiben. (Bild: Michael Schmitzer)
Der Internetauftritt von Kultboy.com Ende 2002. Noch immer relativ wenige Inhalte und man konnte noch keine Kommentare zu den Scans schreiben. (Bild: Michael Schmitzer)

Kultboy.com 2003: Die Struktur wurde erweitert und rechts sind schon Kommentare zu sehen. (Bild: Michael Schmitzer)
Kultboy.com 2003: Die Struktur wurde erweitert und rechts sind schon Kommentare zu sehen. (Bild: Michael Schmitzer)

1.000 Hefte für das Projekt

Nachdem mein Projekt gestartet war, wurde mir klar, dass mir noch viele Heftausgaben von beispielsweise Amiga Joker, PC Joker oder Play Time fehlten. Außerdem wollte ich die vorhandenen Lücken in meiner bisherigen Sammlung schließen. Über diesen Weg kam ich zu eBay. In 2002 war eBay noch nicht so bekannt und überlaufen wie heute. Auch waren die Preise oft geringer als es heute der Fall ist. Ohne die Möglichkeit über eBay hätte ich wohl die meisten Hefte nicht bekommen. Gelegentlich melden sich auch Besucher von kultboy.com bei mir und fragen mich was sie mit ihren Heften machen sollten. Meistens kaufe ich diese an um sie entweder zu behalten oder weiter zu verkaufen. Meine Sammlung wuchs in kürzester Zeit von 200 auf über 1.000 Hefte an!

Anfangs waren die Anzahl der Mitglieder und die Kommentare noch überschaubar. Doch je bekannter die Seite 2002-2007 wurde, desto mehr wurde auch geschrieben und diskutiert. Da ich aber nicht rund um die Uhr online sein kann und will, um stets nach dem Rechten zu sehen, musste ein ausgewähltes Team her, um für Ordnung zu sorgen.

Was liegt näher, als anderen die eigene Sammlung zu zeigen? Vielleicht sucht man ja auch bestimmte Ausgaben, die andere gerade verkaufen? Und so funktioniert das Ganze: man kann jedes Heft in seine eigene Sammlung aufnehmen, suchen oder verkaufen. Wenn man sich durch die Sammlungen anderer Mitglieder durchklickt, bekommt man gleich eine Übersicht darüber, wer welche Hefte favorisiert. Ein Jahr später war es dann möglich die Hefte zu bewerten. Die Bewertungsskala zählt von 1-10. Wobei 1 die schlechteste Note ist und 10 die Beste. Inhalt und Cover jeder Ausgabe können getrennt bewertet werden. Das passierte 2007-2008.

Ein Treffen mit Michael Hengst

Das verrückteste, was ich bisher für meine Seite gemacht habe, war wohl das Interviews mit Michael Hengst von 2007. Michael Hengst war neben Heinrich Lenhardt, Boris Schneider und Anatol Locker DER Redakteur beim Magazin Power Play. Man kann durchaus behaupten das Michael Hengst durch seine Mitarbeit bei der Power Play einen wesentlichen Teil zur deutschen Zeitschriften-Geschichte beigetragen hat.

Ich habe Michael angeschrieben, ob er nicht Lust hätte, ein paar Fragen im Rahmen eines Interview zu beantworten. Er meinte dann ich solle doch gleich bei ihm persönlich vorbeikommen! Michael wohnte mittlerweile in Österreich und so brauchte ich nur ca. eine Stunde zu ihm. So beschloss ich spontan, ihm einen Besuch abzustatten. Rein ins Auto ohne Navigationsgerät, sondern nur mit Karte ausgerüstet fuhr ich los. Mein Problem war nur, dass ich das Dorf nicht gefunden habe und so fuhr ich zunächst in die falsche Richtung... Nach etlichen Telefonaten mit Michael hatte ich ihn endlich gefunden. Er nahm mich sehr herzlich auf und wir setzten uns erst mal hin und tranken einen heißen Tee. Und dann begann das Interview. Wir nahmen das komplette Gespräch mittels Mikrofon auf, was sich später als Problem herausstellen sollte, da die Qualität leider nicht sehr gut war. Wir haben jedoch ein paar Fotos gemacht und Michael signierte mir ein paar Hefte zur Erinnerung. Und dann trennten sich unsere Wege auch schon wieder. Für mich war es ein persönliches Highlight und ich werde es nie vergessen.

Mit der Zeit sammelten sich immer mehr eigene Kultboy.com-Artikel wie beispielsweise Testberichte oder Interviews an. Nur wohin damit? Und da kam mir die Idee, ein sogenanntes Kultboy.com-Heft ins Leben zu rufen, in dem alle Artikel eines Jahres gesammelt und gelistet werden. Den Start machte die Ausgabe Januar 2008. Jedes Jahr wird ein Heft-Cover von einem ausgewählten Mitglied gestaltet. Derzeit sind drei Ausgaben online.

Eine Montage verschiedener 8-Bit Spieleklassiker wie Lemmings, Bruce Lee oder Space Invaders für das Cover des Kultboy-Hefts Januar 2010. (Bild: Herr Planetfall)
Eine Montage verschiedener 8-Bit Spieleklassiker wie Lemmings, Bruce Lee oder Space Invaders für das Cover des Kultboy-Hefts Januar 2010. (Bild: Herr Planetfall)

Für viele wird es wahrscheinlich nicht nach viel Arbeit ausschauen, aber das täuscht gewaltig. Das ganze Projekt steht und fällt mit dem eher gehassten (gilt für mich) Scannen von Seiten aus den Zeitschriften. Ist das einmal geschafft, muss der Scan noch nachbearbeitet werden. Danach lege ich den Scan im Archiv auf meiner Festplatte ab. Anschließend schreibe ich diesen Scan in eine Liste, als Beispiel nehme ich jetzt einen Testbericht zu einem Spiel her: Spielname ID - Testbericht ID - Titel - System ID - Redakteur ID - Heft Name - Nr. sowie Jahrgang - Name dessen, der es gescannt hat. Anhand dieser Daten lässt sich der Testbericht bequem in die Datenbank einpflegen. Würde ich die Liste nicht so anlegen, hätte ich spätestens nach einer Woche ein totales Chaos. Da mir mittlerweile fast täglich fleißige Helfern Zeitschriften-Scans zuschicken, kann man verstehen, dass eine solche Liste notwendig wurde.

Rückblick auf die vergangenen 8 Jahre

Das Herzstück der Seite dürfte wohl die Kommentarfunktion sein. Man kann wirklich zu fast allen Bereichen etwas schreiben und diskutieren. Heutzutage kann man bei fast jeder Webseite einen Kommentar abgeben, aber früher? Was Kultboy.com noch ausmacht, ist die gewaltige Menge an Informationen, die in den letzten Jahren zusammengetragen wurde und das ist einfach einzigartig im deutschsprachigen Raum. Angefangen von den über 5.000 Zeitschriften-Covern bis zu den unzähligen Büchern, sowie dem Zubehör. Man kann also mit Recht behaupten, dass es für jeden etwas auf Kultboy.com zu finden gibt, sofern er die 1970er- und 1980er-Jahre miterlebt hat.

Das Cover des Kultboy-Hefts aus dem Januar 2008. (Bild: Reinhard Klinksiek)
Das Cover des Kultboy-Hefts aus dem Januar 2008. (Bild: Reinhard Klinksiek)

Rückblickend muss ich sagen, dass ich sehr stolz bin, was aus dem Projekt geworden ist. Der Inhalt der Seite wächst täglich, sei es jetzt durch die Updates oder auch durch sehr gute Beiträge der Mitglieder. Kultboy.com ist nicht nur ein Treffpunkt für alle Retro-Süchtigen, sondern auch eine richtige Heimat geworden, wo man gerne täglich vorbei schaut.

Was ist für die Zukunft geplant?

Da gäbe es so viele Sachen. Zum einen werde ich zusehen, dass ich noch in diesem Jahr den neuen „Zubehör-Bereich“ eröffne. Der Bereich wäre die perfekte Ergänzung zum Kult-Systeme- und Joysticks-Bereich. Ansonsten werde ich mir viele kleine Verbesserungen vornehmen, die sich die Mitglieder wünschen.

Link:
Andre Eymann · 25.07.2010

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ÜBER DEN AUTOR

Andre Eymann
Andre Eymann
Mich faszinieren Videospiele seit dem Anfang der 1980er Jahre. Damals begegnete ich dem Videospiel-Automaten Galaga in einer öffentlichen Gaststätte. Schnell erlag ich der Ausstrahlung der Maschine. Zu diesem Zeitpunkt war ich dreizehn Jahre alt. Im Sommer 2009 habe ich Videospielgeschichten.de gegründet. Mittlerweile schreibe ich regelmäßig Texte und veröffentliche - gemeinsam mit vielen verschiedenen Autoren - Artikel über Computer- und Videospielen auf meiner Internetseite oder in Form von Gastbeiträgen für andere Projekte. Zusätzlich gestalte ich das Erscheinungsbild der Seite und kümmere mich um die Organisation und Kommunikation von VSG.

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