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Die Fans fragen, Klaus Ollmann antwortet

10.10.2005 · 1 Kommentar

Die Fans fragen, Klaus Ollmann antwortet

Oben: Der Atari Manager Klaus Ollmann Mitte der 1980er Jahre in seinem Hamburger Büro. (Bild: Klaus  Ollmann)

Jeder der sich wie wir ernsthaft mit klassischen Videospielen beschäftigt, ist natürlich auch immer auf der Suche nach Informationen aus dieser faszinierenden Zeit. Besonders über die Deutsche Geschichte finden man heute kaum mehr brauchbare Quellen. Schon gar nicht aus erster Hand. Dank der umfangreichen Mitarbeit von Klaus Ollmann konnten wir hier in den letzten Jahren endlich ein wenig Abhilfe schaffen.

Dabei haben die vielen positiven Reaktionen gezeigt, dass ein Großteil unserer Leser gerne noch etwas mehr aus der „Goldenen Ära der Atari-Videospiele“ erfahren möchte. Unser dritter Beitrag beinhaltete zuletzt ein sehr umfangreiches Interview mit dem ehemaligen Atari Manager. Doch ab sofort stellen nicht mehr wir die Fragen, sondern die Fans selbst. Deshalb wurde euer Feedback gesammelt, ausgewertet und direkt an Herrn Ollmann zur Beantwortung weitergeleitet. Herr Ollmann hat versucht, alles so weit wie möglich zu beantworten. Das Ergebnis ist ein neuer spannender Artikel, gefüllt mit zahlreichen Details über die glorreichen Jahre von Atari in Deutschland. Wir bedanken uns herzlich für die großartige Unterstützung und wünschen nun viel Spaß bei dem vierten Teil unserer Klaus Ollmann Reihe: „Die Welt der Atari Videospiele!“

Die Fans fragen, Klaus Ollmann antwortet

ORIGINALTEXT AUS DEM OKTOBER 2005

Frage 1: Hat Herr Ollmann auch irgendwelche bekannten Programmierer von Atari, beispielsweise die späteren Gründer von Activision, persönlich kennen gelernt?

Klaus Ollmann: Ich habe bei meinen vielen Aufenthalten in der Zentrale von Atari in Sunnyvale jedes Mal auch die Entwicklungsabteilung besucht und mit Programmierern Smalltalk gemacht. Mir fiel auf, dass sie einen extrem lässigen Arbeitsstil pflegten, nicht in den üblichen Großraumbüros arbeiteten und jeder sich sein Büro nach eigenem Gusto einrichten durften.

Die ehemalige Atari-Zentrale in Sunnyvale an der südlichen Spitze der San Francisco Bay im US-Bundesstaat Kalifornien. (Bild: Atari)
Die ehemalige Atari-Zentrale in Sunnyvale an der südlichen Spitze der San Francisco Bay im US-Bundesstaat Kalifornien. (Bild: Atari)

Der ganze Bereich war sehr extravagant mit Spielautomaten überall, mir fielen die Berge von leeren Pizzaschachteln und die Mülltonnen voller Getränkedosen auf. Soweit ich weiß, wurde dort Tag und Nacht gearbeitet, denn jeder ging und kam, wann er wollte. Programmierer waren die heiligen Kühe des Unternehmens, denn von Ihnen hing der Erfolg des Unternehmens ab. Das hinderte das Unternehmen nicht daran, auch extern nach auswertbaren Spielideen zu forschen.

Klaus Ollmann in seinem Hamburger Büro in der Bebelallee. (Bild: Atari)
Klaus Ollmann in seinem Hamburger Büro in der Bebelallee. (Bild: Atari)
Ich hörte erst bei der Gründung von Activision davon, dass Programmierer die Firma verlassen hatten. Es schien mir logisch, dass erfolgreiche Programmierer das Unternehmen verließen, um ihre Entwicklungen selbst zu vermarkten. Atari hatte weltweit eine einzigartige Marktbasis von Millionen Grundgeräten geschaffen, die nach Softwareversorgung schrieen und die paar Intellivisions oder was es da sonst noch gab, waren ja auch nicht zu verachten. Das alles konnte erheblich mehr Geld bringen, als Atari jemals zu zahlen bereit war.

Frage 2: Weiß Herr Ollmann wo Atari seine Werke (weltweit) hatte und waren diese Werke im Besitz oder haben sie im Auftrag produziert?

Klaus Ollmann: Atari hatte keine eigenen Werke für Grundgeräte. Die wurden zuerst in den USA dann in Puerto Rico und später in Hongkong gebaut. 1983 sollte ich diese Werke in Hongkong besuchen, hatte aber keine Lust, soweit zu reisen (ich musste sowieso alle zwei Wochen nach San Francisco) und habe stattdessen Hans-Ueli Hasler geschickt. Soweit ich weiß, wurden Spielkassetten auch in einem eigenen Werk in Irland gefertigt.

Ein Atari Helicopter über New York. Das Management der Firma wollte zu den Sternen greifen. (Bild: Atari)
Ein Atari Helicopter über New York. Das Management der Firma wollte zu den Sternen greifen. (Bild: Atari)

Wir bekamen alle Produkte ob VCS Grundgeräte, Spiele, PCs und PC-Spielkassetten grundsätzlich auf der Basis einer Jahresplanung, mussten die Stückzahlen vorab planen und bekamen meist nicht mehr, als geplant, weil die Nachfrage riesig war. Erst nach dem Desasterwinter von 1983, als in den USA ein Großteil der mit vollem Rückgaberecht in die Weihnachtssaison verkaufte Grundgeräte und Kassetten zurückfloss, gab es Überfluss, den die Welt aber nicht mehr für die USA abverkaufen konnte.

Atari Deutschland war damals weltweit die erfolgreichste Atari Tochter, aber die Übernahme durch Jack Tramiel hat alle Aktivitäten dann abrupt gestoppt.

Frage 3: Wie viele Mitarbeiter hatte Atari Deutschland zu dieser Zeit?

Klaus Ollmann: Mir liegen noch einige Zahlen vor per Ende 1984, also kurz vor dem Desaster:

Atari Fakten 1984 Benelux France Germany Italy Japan UK
Anzahl Mitarbeiter 25 56 87 22 13 104
davon Verkäufer 7 21 36 6 4 33
Umsatz (netto, TSD USD) 8.457 23.348 36.685 9.302 2.388 29.670

Vergleich der Atari Mitarbeiter über die Länder. (Bild: André Eymann)
Vergleich der Atari Mitarbeiter über die Länder. (Bild: André Eymann)

Vergleich des Atari Umsatzes über die Länder. (Bild: André Eymann)
Vergleich des Atari Umsatzes über die Länder. (Bild: André Eymann)

Frage 4: Wurde jemals überlegt Hardware oder Software auch in Deutschland zu produzieren?

Klaus Ollmann: Kann ich leider nicht sagen. Halte es aber für extrem unwahrscheinlich wegen der spätestens heute im Rahmen der Globalisierung evident gewordenen extrem hohen Personalkosten im Vergleich mit Fernost oder damals noch mit Irland. Nein, darüber wurde nie ernsthaft nachgedacht.

Frage 5: Welche Aktivitäten hat Atari bei ihren Wettbewerben gestartet? Stichworte: Pac-Man oder Centipede-Meisterschaft.

Klaus Ollmann: Das Problem bei diesen Fragen ist für mich, dass man immer der Meinung ist, ein Geschäftsführer müsste alles bis auf die kleinsten Details eines Unternehmens kennen.

Das ist schlicht nicht machbar. Wenn er alles kennen würde, bräuchte er ja nur noch ausführende Mitarbeiter, die seine Anweisungen befolgen. Tatsache ist, dass je größer und komplexer ein Unternehmen, umso mehr wird die direkte Verantwortung für Bereiche delegiert an Manager, die dafür verantwortlich sind und der Geschäftsführer kontrolliert lediglich die Ausführung und den angestrebten Erfolg.

Die Verantwortung für die Atari Meisterschaften, ihre Planung, Koordination und Ausführung lag bei Hans-Ueli Hasler, einem mir bereits aus meiner Zeit als WEA-Musik Geschäftsführer bekannten Schweizer aus Zürich, den ich nach Hamburg holte und ihm die Verantwortung für Marketing und Produkt übertrug. Ich war lediglich bei der Atari Centipede Weltmeisterschaft 1983 in München anwesend. Als Band hatten wir Klaus Doldinger und PASSPORT engagiert, die mir von WEA Musik bekannt waren. Ich glaube mich zu erinnern, dass Michael Schanze auftrat und von mir ein Atari VCS Spiel überreicht bekam. Und Reden musste ich auch halten, aber man nehme es mir bitte nicht übel, dass ich mich nach mehr als 25 Jahren nicht mehr an mehr genau an alles erinnere.



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