Startseite
Startseite
Artikel & Suche Wer wird sind Kontakt Links

Hyperspace

25.10.2013 · 1 Kommentar

Hyperspace

Oben: Die Tastatur des Atari 400. (Bild: Wikimedia)

1982 - Zuhause spielte ich Asteroids und Space Invaders an meinem VCS 2600 und malte Daumenkinos, in denen immer verschiedene Videospiele, meist Ballerspiele, und Achterbahnen vorkamen. Seit mich meine Eltern auf einer Kirmes mit der Achterbahn haben fahren lassen, war ich davon wie besessen - und bin es auch heute noch, ganz nebenbei.

Dann besuchte ich Oualid, einen Freund meines älteren Bruders. Zusammen mit Ralf und Christian standen wir hinter ihm, er hatte einen Atari 400 Computer. Ja, einen richtigen Computer. Wozu der gut sein sollte, war mir zu der Zeit noch nicht klar. Er hatte ein ähnliches Design wie mein VCS, nur war vorne dran eine Folientastatur, über die man Programmierbefehle in BASIC eintippen konnte.

Und Oualid zeigte uns nun sein neuestes Programm. Er nannte es Hyperspace. Auf dem schwarzen Bildschirm war ein orangefarbenes Quadrat zu sehen, an einer zufälligen Stelle. Und jetzt kommt's: Wenn man die Space-Taste drückte, gab es einen beeindruckend lauten Sound und das Quadrat verschwand. Dann tauchte es nach einer kurzen Verzögerung an einer anderen zufälligen Stelle wieder auf. Echtes Hyperspace, so wie man es aus den Automatenspielen kennt. Defender, Asteroids, das alles rückte mit einem Moment in eine völlig andere Dimension. In eine Dimension von greifbarer Nähe. Die Dimension des Selbst-Programmierens.

Für mich war klar: So ein Ding musste ich haben. Dann könnte ich endlich diese ganzen tollen Spiele selbst schreiben, verbessern, nachprogrammieren. Unendliche Möglichkeiten. In meinem Kopf reifte der Plan. Wie würde ich es schaffen, meine Mutter davon zu überzeugen, mir so ein unsagbar teures Gerät zu kaufen? Jetzt war beständiges Nörgeln angesagt. Eine Disziplin, in der man im Alter von 12 Jahren sehr geübt ist. Schließlich ist das die einzige Methode, mit dem man seine Eltern von der Wichtigkeit von unsagbar teuren Wünschen überzeugen kann.

«Ich fing an, das Atari BASIC Handbuch durchzuarbeiten, und zwar Vollzeit.»

Yoda Zhang

Als Oualid dann beschloss, seinen Atari 400 zu verkaufen, um sich das größere Modell, den Atari 800, zuzulegen, hatte ich ein Argument. Natürlich konnte meine Mutter meinen „Überzeugungskünsten“ nicht mehr widerstehen und so war ich bald stolzer Besitzer eines gebrauchten Atari 400 mit 16 KB Hauptspeicher. Ich fing gleich an, das Atari BASIC Handbuch durchzuarbeiten, und zwar Vollzeit. In der Schule saß ich nur noch da und las in dem Buch. Irgendwie fiel das keinem der Lehrer auf. So hatte ich das dicke Ding schon nach einer Woche durch und begann damit, meine ersten kleinen Spielchen zu programmieren. Irgendwann wurde mir auch klar, dass man zum Abspeichern der Programme ein Kassettenlaufwerk brauchte, sonst war ja alles, was man mühsam eingetippt hatte, beim Ausschalten des Rechners gleich wieder verschwunden.

Das kostete erneut einige „Überzeugungsarbeit“. Das Kassettenlaufwerk war natürlich nicht sehr zuverlässig, wie Kassetten eben so sind. So kam es des Öfteren vor, dass ein langwierig erarbeitetes Programm sich später einfach nicht mehr laden ließ, weil die Kassette nicht mitmachte. Backup? Der Speicher- und Ladevorgang eines Programms dauerte teilweise eine ganze Stunde, so überlegte man sich schon sehr genau, ob man wirklich eine Sicherungskopie anlegen wollte. Das BASIC-Lehrbuch erklärte einem zwar die ganzen grundlegenden Befehle und hatte am Ende sogar ein Kapitel über Grafik und Sound, aber was man wirklich brauchte, um Spiele zu programmieren, waren ganz andere Dinge. Und zu dieser Zeit war Literatur wirklich sehr schwer zu bekommen. Mit meinen eingeschränkten Mitteln programmierte ich trotzdem alsbald mein erstes „richtiges“ Spiel...

Yoda Zhang · 25.10.2013

  Asteroids, Atari 400, Atari VCS 2600, BASIC, Bandlaufwerk, Defender, Gulp Splat Zong, Hyperspace, Kassette, Programmieren, Space Invaders, Yoda Zhang

ÜBER DEN AUTOR

Yoda Zhang
Yoda Zhang
Yoda Zhang ist Retro-Spieleentwickler und Autor. Früher auch bekannt unter dem Namen Kemal Ezcan oder KE-SOFT (Vertrieb von Atari XL/XE Software und dem ZONG-Magazin). Außerdem war Kemal durch seine Musik in der Atari-Szene bekannt. Und weil ihm das alles nicht genug war, programmierte er offizielle Spielmusik im Auftrag der Atari Deutschland GmbH und veröffentlichte diese später bei Ariolasoft. Seine Kreativität und Liebe zum Videospiel drückte sich auch in den Titeln seiner Werke aus. So entstanden Spielenamen wie Tecno-Ninja, Zebu-Land, Quadermania, Königsdiamanten, Das Geheimnis der Osterinsel oder Geisterschloss. In seinem Buch Gulp Splat Zong, Untertitel: Videospiele & Computermusik, läßt er seine eigene Geschichte Revue passieren.

Alle Artikel von Yoda Zhang



ARTIKEL TEILEN

VSG FOLGEN



1 KOMMENTAR

Dein Kommentar ist das Wertvollste was Du dem Autor zukommen lassen kannst. Nimm Dir etwas Zeit und hinterlasse ein paar Zeilen!

» Kommentar schreiben



DEIN KOMMENTAR

Schreibe dem Autor, was Dir zu Hyperspace einfällt. Er freut sich über Deine Zeilen!

Name oder @Twitter-Name

E-Mail

Homepage/Webseite

Beispiel: http://www.seitenname.de

Sicherheitscode
   Code erneuern

Wenn Du Deinen @Twitter-Namen angibst, erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Du bei einem Tweet zu diesem Kommentar auf Twitter erwähnt wirst. Wenn Deine E-Mail Adresse mit Gravatar verknüpft ist, erscheint Dein Bild neben Deinem Kommentar. Deine Adresse wird niemals öffentlich angezeigt. Deine Homepage/Webseite wird unter Deinem Kommentar angezeigt.




MEHR ENTDECKEN?

Diese Artikel aus der Kategorie Retrogames könnten Dich auch interessieren:

Ballern zwischen Wäldern und Küstenstreifen

Ballern zwischen Wäldern und Küstenstreifen

07.01.2014
Michael Behr
Es war 1984, als der Amstrad CPC 464 vorgestellt wurde. Damals war er (was aus heutiger Sicht sehr seltsam wirken mag) eine technische Meisterleistung. Denn für relativ kleines Geld gab es ... [weiter]
     30 Jahre Koronis Rift

30 Jahre Koronis Rift

19.09.2015
Andreas Wanda
Die NASA twittert soeben, der unerschütterliche Mars Rover hätte die nächsten dutzend Millimeter auf dem Weg zum Aeolis Mons geschafft - mein Dreitagebart knirscht männlich, denn ... [weiter]
     Abtauchen in die Fantasie

Abtauchen in die Fantasie

13.03.2013
Michael Behr
Es sind Spiele wie diese, bei denen ganz deutlich wird, wieso es in den Pioniertagen der Videospielindustrie einen ernsthaften Eklat darum geben konnte, dass die Programmierer gern namentlich auf den ... [weiter]