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Das Geheimnis von Half-Life 2

23.12.2012 · 6 Kommentare

Das Geheimnis von Half-Life 2

Oben: Alyx Vance ist Gordon Freemans wichtigste Verbündete in Half-Life 2. (Bild: André Eymann)

Sonnenuntergang auf der Kanal-Route. Langsam neigt sich der aufgeheizte Tag dem Ende. Die sanften Hügel der im Norden angrenzenden Umgebung von City 17 werden durch die späten Sonnenstrahlen des Nachmittags in warme Farbtöne gehüllt.

Egal ob ich zu Fuß oder mit dem Luftkissenboot unterwegs bin: überall, wo ich nicht gerade ein Gefecht gegen die Combine austragen muss, lohnt sich für mich ein andächtiges Verharren in der wundersamen Welt von Half-Life 2. Spätestens im Kapitel Wassergefahr wird mir die beeindruckende Schönheit der Landschaft vollständig bewusst. So verlassen und beklemmend die Orte auch wirken mögen, sind sie doch von einer großen Weite und vergegenwärtigen mir, wie diese Welt vor dem barbarischen Sieben-Stunden-Krieg ausgesehen haben muss.

In meiner Erinnerung sehe ich Fischer in ihren Booten, die auf nahegelegenen Seen ihren verdienten Lebensabend genießen und höre die fröhlichen Stimmen von kleinen Kindern, die auf den grünen Wiesen der Vorstadt spielen. All das ging für immer verloren, als die Combine in weniger als einem Werktag alles vom Menschen erschaffene erbarmungslos zerstörten. Mit der gefühlskalten Nummerierung der Städte nahmen sie unserer Generation die Vergangenheit und beschworen so den von ihnen angestrebten Untergang unserer Zivilisation. Aussichtslosigkeit bewohnt seither das Land das ich durchstreife. Der letzte Hoffnungsschimmer ist die Rebellion. Eine kleine Gruppe befreundeter Idealisten, die sich immer wieder gegen das erbarmungslose System auflehnt.

Die Kanal-Route verdeutlicht, wie eng Natur und Urbanität in Half-Life 2 miteinander verflochten sind. Hinten links ist die Zitadelle zu sehen.
Die Kanal-Route verdeutlicht, wie eng Natur und Urbanität in Half-Life 2 miteinander verflochten sind. Hinten links ist die Zitadelle zu sehen.

Orte aus der Zwischenwelt

Es ist bisher nicht offiziell bestätigt worden, ob die realen Vorbilder der künstlichen Schauplätze von Half-Life 2 in Estland, der Ukraine, Bulgarien oder Russland zu finden sind. Dennoch ist es allgemein wenig umstritten, dass die Architekturen, Alltagsgegenstände und Landschaften im Spiel deutlich vom Baltikum und vom östlichen Europa geprägt sind. Die städtischen Umgebungen spiegeln viele Einflüsse des osteuropäischen Neoklassizismus der Vor- und Nachkriegszeit wieder. Die Bauwerke wurden an vielen Stellen mit den modernen Strukturen der Combine verwoben, so dass sich eine befremdliche Mischung aus alter und futuristischer, oder sagen wir lieber nicht-irdischer, Bauweise ergibt. Diese visuelle Welt ist unter der Leitung des Designers Viktor Antonov entstanden. Antonov, der übrigens in Sofia geboren wurde, hat Half-Life 2 mit seiner Vision einen fantastischen und eigenständigen Look gegeben.

Ein Blick auf Straßenzüge von City 17 aus der Deckung der Kanal-Route.
Ein Blick auf Straßenzüge von City 17 aus der Deckung der Kanal-Route.
Typische Wohngebäude im bulgarischen Sofia im Jahre 2005. (Quelle: Wikipedia)
Typische Wohngebäude im bulgarischen Sofia im Jahre 2005. (Quelle: Wikipedia)

Das optische Stadtzentrum von City 17 selbst ist hauptsächlich von Funktionalität und Kälte geprägt. Die systematische und blockartige Bebauung ist auf die zweckmäßige Unterbringung der bevormundeten und überwachten Bürger ausgerichtet. Sie bietet keinen Spielraum für Fantasie oder Träume. Selbst die Spielplätze liegen brach und werden schon lang nicht mehr von den Kindern benutzt. Allerorten finde ich im Spiel verlassene Gebäude und Plätze, so wie sie in der Regel nach dem Zusammenbruch eines Systems entstehen. Es reizt mich immer wieder in Seitenstraßen zu blicken, um zu entdecken, welche Alltagsszenen sich dort wohl abspielen. Ein tieferer Einblick wird mir aber oft verwehrt, weil die Combine die meisten Gassen mit meterhohen Energiefeld-Sicherheitsbarrieren versperrt haben. Sobald ich mich diesen Sperren nähere, werde ich von fliegenden Kameras fotografiert, die meinen Aufenthaltsort in das Netzwerk des Regimes einspeisen. So kann ich nur sehen und wahrnehmen, was für meine Augen bestimmt ist.

«Willkommen, willkommen in City 17. City 17 bedeutet mir soviel dass ich meinen Verwaltungssitz hier bezogen habe; in der von unseren Gönnern zur Verfügung gestellten Zitadelle.»

Dr. Wallace Breen

Für mich, einem Kind der 1980er Jahre, schafft bereits die Einreise nach City 17 eine erzählerische Parallele zum Kalten Krieg zwischen West- und Osteuropa. Das militärische Auftreten der Combine Overwatch hinter den gesicherten Stahlzäunen des Regimes, weckt unangenehme Erinnerungen an die Geister vergangener Tage. Als Staatsorgane der DDR unseren grasgrünen VW-Bus am deutsch-deutschen Grenzübergang Gudow-Zarrentin an der Transitautobahn Hamburg-Berlin nach unerlaubten Waren durchsuchten. Große und schwenkbare Spiegel wurden unter das Auto gefahren und unsere ganze Familie in den frühen Stunden eines grauen November-Morgen zum Aussteigen und Entfernen vom Auto gezwungen. Die einseitige Stille meiner Eltern verunsicherte meine kindliche Wahrnehmung. Das Wort führten ausschließlich die Grenzposten. Jede verbale Intervention wurde als Angriff verstanden. Daraus resultierte das Schweigen von Mama und Papa; wie ich natürlich erst viel später begriff.



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