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Nur ein Pixel kann Dein Schiff zerstören

30.07.2016 · 6 Kommentare

Nur ein Pixel kann Dein Schiff zerstören

Oben: Der Spielhallen-Klassiker der frühen 80er: Defender in seiner Portierung auf den Atari 800XL (Bild: Martin Goldmann)

Es ist Nacht. Ich steuere ein schwer bewaffnetes Raumschiff durch die Galaxie. Da, ein Gegner. Ich feuere, daneben, das Schiff schießt zurück, ich weiche aus und gebe eine weitere Salve ab. Das gegnerische Raumschiff zerbirst in der Stille des Alls. Ein Trümmerteil berührt die Hülle meines Schiffs. Und es explodiert. Bitte was?

Also wirklich: Die Ballerspiele waren früher dermaßen gnadenlos, dass meine Motivation so schnell weg war wie die drei Schiffe vor dem GAME OVER. Ballerspiele, Jump and Run und ich - wir sollten keine Freunde werden.

Dabei habe ich es sogar noch öfter probiert. Als das erste NES bei mir einzog habe ich mir Super Mario Brothers gekauft, und Nemesis natürlich. Musste man haben damals. Tja, weiter als Level 2 bin ich nie gekommen. Nur in Super Mario Land auf dem Gameboy habe ich nach einem langen Nachmittag mal Level 3 gesehen.

Doch warum hatte ich diese Probleme?

Lag es an mir?

Als junger Mensch war nicht sonderlich geduldig. Eine Eigenschaft übrigens, die ich auch bei meiner Tochter beobachte: Etwas funktioniert nicht, kleiner Wutanfall, Zeug in die Ecke hauen, was anderes machen.

Dann abregen, prüfen, ob es den Aufwand lohnt und noch einmal von vorne anfangen. So kommt man gut durchs Leben aber nicht durch Jump and Run Games. Hier zählen unbedingte Beharrlichkeit und unendliche Geduld, so sinnlos das Unterfangen auch scheinen mag. Ok, Geschick ist auch gefragt. Nicht so recht mein Metier.

Eher ein spätes Exemplar der <i>Breakout</i> Clones: <i>Arkanoid</i> ist farblich schon recht weit und genau das richtige für jemanden, der mit Shoot em Up und Jump and Run nicht so weit kommt. (Bild: Martin Goldmann)
Eher ein spätes Exemplar der Breakout Clones: Arkanoid ist farblich schon recht weit und genau das richtige für jemanden, der mit Shoot em Up und Jump and Run nicht so weit kommt. (Bild: Martin Goldmann)

Die Abwägung „lohnt sich das“ führte bei mir oft zur Entscheidung gegen das Spiel. Ich fand keinen Sinn darin, bei jeder Berührung einer dämlichen Schildkröte umzufallen und neu anfangen zu müssen. Und wenn in Level 2 „GAME OVER“ war, ging es wieder ganz von vorne los. Was für ein Unfug!

Oder liegt es an den Spielen?

Vielleicht lag die Ursache ja auch in der Geschichte viele Videospiele. Denn viele gab es zuerst in Automatenversionen. Meine Klassenkameraden verballerten Markstück um Markstück in Automaten wie Defender und Donkey Kong, nur um jeweils den anderen in der Highscore-Liste zu übertrumpfen. Für mich war das rausgeworfene Kohle. Eine Mark war viel wert damals.

Um möglichst viele Markstücke einzusammeln, mussten die Spiele gnadenlos sein. Schließlich konnte es nicht das Ziel sein, dass jemand für eine Mark eine oder zwei Stunden am Automaten verbringt. Andere wollten auch noch ihr Geld loswerden.

Spiele wie Defender auf dem 800XL brachten dann diese Gnadenlosigkeit mit auf die Heimcomputer und Konsolen.

Vielleicht aber hatten es die Programmierer damals auch gar nicht nötig, Spiele zu schreiben, mit denen auch weniger geschickte und geduldige Menschen umgehen können. Die Zielgruppe war hoch engagiert. Den Hardcore Gamern von damals konnte man schon ein bissl mehr zumuten. Ich gehörte nicht zu dieser Zielgruppe.

Das Comeback: Mit <i>Commander Keen</i> hatte ich zum ersten Mal wieder Spaß an einem Jump and Run... (Bild: Martin Goldmann)
Das Comeback: Mit Commander Keen hatte ich zum ersten Mal wieder Spaß an einem Jump and Run... (Bild: Martin Goldmann)
...weil <i>Commander Keen</i> wie auch <i>Duke Nukem</i> fair zu spielen waren. (Bild: Martin Goldmann)
...weil Commander Keen wie auch Duke Nukem fair zu spielen waren. (Bild: Martin Goldmann)

Die Spiele haben sich weiter entwickelt

Zum Glück haben sich die Spiele weiter entwickelt. Das erste Jump and Run, das mir wieder Spaß machte, war Commander Keen. Ein nettes Spielchen von Apogee, hierzulande als Shareware von CDV vertrieben. Im Gegensatz zu Mario und Konsorten war Commander Keen für mich wunderbar spielbar. Warum? Weil er nicht bei jeder Berührung mit einem Monster sofort umgefallen ist. Hier konnte ich endlich mehr vom Spiel sehen. Auch mal Level 2 - und sogar Level 3! Dasselbe mit Duke Nukem. Sogar den Spielstand konnte man speichern. Was für ein Traum.

Zum Glück gibt es noch andere Genres

Zum Glück war auch damals schon nicht alles nur Jump and Run oder Ballerspiel. Großartige Simulationen wie Silent Service haben mich und Freunde nächtelang gefesselt. Wirtschafts- und Strategiespiele wie Kaiser, M.U.L.E. oder später auf dem Amiga Empire, Populous und Sim City haben Spaß gemacht.

Aber ab und an setze ich mich doch wieder an meinen Atari 800XL, lade Defender und probiere es erneut, in Level 2 zu kommen. Dann scheitere ich wieder und lege sanft den Joystick bei Seite, um dann ein anderes Spiel zu laden. Ich bin geduldiger geworden.



Martin Goldmann · 30.07.2016

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ÜBER DEN AUTOR

Martin Goldmann
Martin Goldmann
Martin Goldmann ist seit 1986 IT-Journalist. Seine Laufbahn begann mit Beiträgen rund um den Atari 800XL für die Zeitschriften Computer Kontakt und ATARI-Magazin. Heute schreibt er regelmäßig auf www.digisaurier.de und hat 2015 seinen alten 800XL wieder in Betrieb genommen. Er läuft wie am ersten Tag.

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6 KOMMENTARE

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    André kommentierte zu oben
    am 01.08.2016 um 18:25 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Deinen Punkt mit der "gesellschaftlichen Natur von Try and Error Konzepten" finde ich sehr interessant! Ich kann mich quasi endlos daran zurückerinnern, dass ich bei Videospielen immer am meisten Spaß hatte, wenn ich das Spiel teilen konnte.

    Das ging los bei den Spielautomaten (Galaga), setzte sich fort beim C64 (Mask Of The Sun) und war auch noch so bei Third Person Games auf dem PC (Rune im Coop). Und auch heute würde ich jede LAN-Party einem MMOG vorziehen.

    Spielen hat auf jeden Fall immer etwas Soziales. Und ich bedauere es sehr, dass viele Titel heute keinen Coop mehr bieten oder der LAN-Modus immer seltener anzutreffen ist.



    @mgoldmann kommentierte zu oben
    am 02.08.2016 um 10:36 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Ja, so ging es mir auch - den Einstieg in die Spielerei habe ich mit Freunden vor dem Computer erlebt. MULE, Kaiser und so weiter. Wir haben uns getroffen, gespielt und jede Menge neuer Spiele angeschaut.

    http://www.digisaurier.de









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