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Going 8-bit - Teil III: The Power of Love

01.07.2016 · 8 Kommentare

Going 8-bit - Teil III: The Power of Love

Oben: Warum denn nicht mal ein C64 in rot? (Bild: Stefan Vogt)

Sag niemals nie. Dies musste bereits Ian Flemings Protagonist James Bond in der gleichnamigen Neuverfilmung des Klassikers „Feuerball“ aus dem Jahre 1983 erfahren. Hatte ich in der letzten Ausgabe von Going 8-bit noch lauthals behauptet, dass meine persönliche Geschichte mit dem C64 vorerst erzählt sei, so werden Sie relativ schnell feststellen müssen: auch dieser Artikel hat den weltweiten Verkaufsschlager aus dem Hause Commodore zum Thema. Was zugleich eine berechtigte Frage aufwirft. Wie konnte das nur passieren?

Huey Lewis & the News besangen auf dem Soundtrack von „Zurück in die Zukunft“ die Macht der Liebe. Ich denke das kommt der Wahrheit und der Frage nach dem „Warum“ schon recht nahe. Die Liebe kann Berge versetzen. Aber lassen sie mich noch ein Stück weiter ausholen. Es ist das Jahr 1988 und ich sitze in meinem Kinderzimmer. Auf dem Regal hinter mir befindet sich eine beachtliche Hörspielsammlung: unter anderem Jan Tenner, Masters of the Universe, Enid Blyton's Fünf Freunde, Drei Fragezeichen ???. Im Schrank oberhalb meines Bettes liegen meine Comics. Es scheint als ob die Last von Donald Duck, Mickey Mouse, Spider-Man und Gespenster Geschichten die Schrankwand fast zu Fall bringt. Aus dem Radio dröhnen die britischen Hard-Rock Legenden Whitesnake mit „Here I go again“, während ich mir gerade die Frage stelle, ob es wirklich eine weise Entscheidung war, den Hamster in die Mikrowelle zu stecken. In Wirklichkeit könnte ich natürlich niemals einem Tier auch nur ein Haar krümmen. Ich sitze in Front meines geliebten C64C und zocke das Kultspiel Maniac Mansion. Genau hier liegt die Wurzel allen Übels begraben, und damit meine ich nicht Maniac Mansion.

Brotkasten? Lass mal stecken

Quelle: (C)2005 Bill Bertram, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5
Quelle: (C)2005 Bill Bertram, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5

Der C64C, von der Zeitschrift 64er auch gerne C64-II genannt, kam 1986 auf den Markt. Commodore war sehr bedacht seinem populären 8-bit Zugpferd ein neues Image zu verpassen. Moderner sollte er aussehen, ergonomisch, futuristisch. Gleichsam sollte er den seriösen Heimcomputer, aber auch den professionellen Microcomputer für das Büro miemen. Der als eigentliche Ablöse gedachte, zuvor vorgestellte C128 blieb in Summe von Verkaufszahlen und Aktzeptanz weit hinter den Erwartungen. Ein Reboot des Commodore 64 war somit unvermeidlich. Natürlich konnte man so gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der C64C kam mit einer kostenreduzierten, höher integrierten Hauptplatine. Heute wissen wir, dass günstiger nicht unbedingt schlechter sein muss. Die Hauptplatine des C64C hat sich in allen Revisionen als besonders zuverlässig erwiesen.

Hand aufs Herz! Ich liebe meinen wunderschönen Aldi Brotkasten, aber es ist einfach nicht dasselbe. Etwas fehlt. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Haaren. Ich möchte meinen geliebten C64C wiederhaben. Nein, ich muss sogar meinen geliebten C64C wiederhaben. Sofort. Während wir uns bei Going 8-bit I und II recht lange mit der Jagd beschäftigten, ist dieser Part ausnahmsweise schnell erzählt. Stefan kaufte einen C64C auf eBay, der sah sehr gut aus, war aber kaputt. Stefan kaufte daraufhin einen C64C in Berlin, der war „mint Condition“, sah wie neu aus, funktionierte, wanderte ins Regal und alle lebten glücklich uns zufrieden bis an ihr Lebensende. Artikel fertig. Gut, vielleicht noch nicht ganz. Auch wenn ich zugebe, dass die Geschichte meines neuwertigen C64C damit abgeschlossen ist. Die des kaputten C64C ist es keineswegs.

Die Macht der Liebe

Die Macht der Liebe teilt die Commodore 64 Liebhaber in zwei Fraktionen. Die einen vergöttern den sogenannten Brotkasten, die anderen schwören auf den C64C. Sicherlich kann man sich heute für beides begeistern, auch ich bin keine Ausnahme. Wenn es aber um das Gerät geht, dass man regelmäßig nutzen möchte, dann hat jeder Retro Enthusiast seine ganz individuelle, vielleicht sogar romantische Vorstellung. Auf dieser Basis trifft man eine Entscheidung. Geprägt von meiner Kindheit war mir längst klar, dass auch mein Aldi C64 ins Regal weichen muss. Der Aldi 64er würde niemals den Platz eines C64C für mich einnehmen können. Irgendwie hatte sich der Gedanke manifestiert, den kaputten C64C retten zu wollen. Dabei wollte ich aber nicht nur einen reinen „Reparaturjob“ durchführen. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich als @8bit_era auf Twitter sehr aktiv. Dort sieht man die tollsten Dinge. Die Menschen zehren förmlich von der Liebe zu ihrem Microcomputer und gönnen sich manchmal subtile, manchmal offensichtliche Modifikationen. In mir erwachte also das Begehren einer Individualiserung. Eine Individualiserung, die das Erbe des Commodore 64 ehrt. Beschmieren des Gehäuses mit schwarzem Lack zählt hier sicherlich nicht dazu, hallo eBay!

Der kaputte C64C in seiner Originalverpackung. (Bild: Stefan Vogt)
Der kaputte C64C in seiner Originalverpackung. (Bild: Stefan Vogt)
Auf der Box befindet sich die Seriennummer. (Bild: Stefan Vogt)
Auf der Box befindet sich die Seriennummer. (Bild: Stefan Vogt)

Wie man erkennen kann, ist die Verpackung des kaputten C64C noch in gutem Zustand. Nicht perfekt, aber auch nicht wirklich schlecht. Auf der Verpackung prangert die Seriennummer. Nun wissen wir, dass das Gerät in Hong Kong produziert wurde. Demzufolge dürfte das Geburtsjahr 1987 oder sogar später sein. Bis 1986 fand die Produktion des C64C noch in Deutschland statt. Die frühen deutschen Modelle haben zumeist eine andere Tastatur. Die Sonderzeichen befinden sich auf der Seite der Tasten, genau wie bei dem Aldi C64. Diese Variante hier jedoch hat die Sonderzeichen oben auf den Tasten, was sicherlich im Zuge der Einsparungspotenziale zu einer weiteren Senkung der Produktionskosten geführt hatte. Ebenfalls dem ersten C64C vorbehalten ist eine extrem seltene Variante des Mainboard. Es verfügt bereits über einen viel höher integrierten Chipsatz, beispielsweise nur zwei Ram-Bausteine, gleichzeitig ist es aber noch ein großes PCB. Es markiert also einen Zwischenschritt in der Evolution der Commodore 64 Mainboards.

Leichenfleddern


C64C Made in Hong Kong. (Bild: Stefan Vogt)
C64C Made in Hong Kong. (Bild: Stefan Vogt)
Letzte Revision der Tastatur. (Bild: Stefan Vogt)
Letzte Revision der Tastatur. (Bild: Stefan Vogt)

Lassen Sie uns mal einen Blick auf unseren Patienten werfen. Äußerlich macht dieser C64C ordentlich was her. Vor allem die Tastatur ist absolut makellos und suggeriert beim Drücken der Space Taste ihre Neuwertigkeit. Das kann uns nur recht sein. Immerhin möchten wir uns nach Lust und Laune bedienen. Das mag schrecklich klingen und das ist es auch. Bedenken Sie aber, dass alles letzten Endes einem noblen Vorhaben und einem guten Zweck dient.

Vorsichtig entfernte Seriennummer. (Bild: Stefan Vogt)
Vorsichtig entfernte Seriennummer. (Bild: Stefan Vogt)
Der Schraubenzieher, Dein Freund und Helfer. (Bild: Stefan Vogt)
Der Schraubenzieher, Dein Freund und Helfer. (Bild: Stefan Vogt)

Die Seriennummer ist für mich die Seele des Microcomputers. Seine einzig indiduelle Komponente wenn Sie so wollen. Möchte man also Teile dieses Commodore 64 wiederverwenden, dann ist klar: die Seriennummer gehört dazu und muss mit. Alles andere wäre Blasphemie. Mit einem Schraubenzieher bewaffnet kämpfen wir uns zum Innenleben vor. Beim Abnehmen der oberen Verkleidung wird sofort klar, dass die Tastatur alles hält was sie verspricht. Kein Staub, keine Abnutzung, absolut neuwertig. Gott sei dank, denn diese Tastatur ist eine wesentliche Komponente. Vorsichtig löste ich das gute Stück also von dem Gehäuse. Einfach die Schrauben oben links und oben rechts lösen, Verkabelung vom Mainboard lösen, im Anschluss aus der Verankerung ziehen.

Diese Tastatur ist eine besondere Perle. (Bild: Stefan Vogt)
Diese Tastatur ist eine besondere Perle. (Bild: Stefan Vogt)

Wagen wir uns nun zum Mainboard vor. Hierzu entfernen wir recht einfach die Abschirmpappe. Als ich das Gerät zum ersten Mal in Betrieb nahm war der Fehler sofort offensichtlich. Der Commodore 64 startete, hatte Bild, der Basic Interpreter funktionierte tadellos. Nun das große „Aber“. Auf dem Bild waren in bestimmten Bereich die Farben falsch, was auf uns einen Fehler im Farb-RAM hinweist. Dieses Mainboard eignet sich also exzellent als Ersatzteillager. Denn ausgerechnet das Farb-RAM ist keine häufig defekte Komponente. Andere Bestandteile dagegen schon eher und die scheinen hier einwandfrei zu funktionieren. Glück im Unglück wenn Sie so möchten. Mittlerweile besitze ich eine große Kiste mit ausgewählten Ersatzteilen für diverse Heimcomputer. Wenn man der Sammelleidenschaft fröhnt ist das ein natürlicher Nebeneffekt. Auf jeden Fall wird sich das Mainboard hier in exzellenter Gesellschaft befinden. Die Kiste selbst ist übrigens ebenso ein Stück Computergeschichte. Es ist die Außenverpackung des C64C Bundle „Future Games 64“, dem auch mein neuwertiger C64C entstammt. Ich fand diese Verwendung sinnvoll, meine Katze nicht. Die schlief nämlich sehr gerne in besagter Kartonage und protestierte erheblich gegen die Wegnahme. Katzen...!

Das Mainboard mit defektem Farb-RAM. (Bild: Stefan Vogt)
Das Mainboard mit defektem Farb-RAM. (Bild: Stefan Vogt)

Das Tupperware Wunder

Dallas Moore staunte nicht schlecht, als er 2014 an einer Auktion für die Plastik verarbeitende Industrie teilnahm. Der Umstand alleine ist noch keineswegs ungewöhnlich, denn das ist Dallas' Job. Inmitten einer Vielzahl alter Tupperware Gussformen entdeckte er aber etwas, dass er in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet hatte dort vorzufinden: die originalen Gussformen des C64C. Die wird es sicherlich mehr als nur einmal auf dieser unserer Welt gegeben haben. Fraglich ist aber, ob abseits der Gussformen die Dallas an diesem Tag endeckte (und kaufte), noch weitere Exemplare in der Dunkelheit verborgen sind. Vielleicht werden wir das nie erfahren, vielleicht in ein paar Monaten. Wer weiß das schon. Dallas wußte auf jeden Fall um die Tragweite seiner Entdeckung und startete im Jahre 2015 erfolgreich eine Kickstarter Kampagne mit dem Ziel, aus den alten Gussformen neue Gehäuse zu produzieren. Vier Farben sollten es sein: rot, blau, transparent, weiß, in einer streng limitierten Auflage von je 500 Stück. Die Limitierung ermöglichte dem ambitionierten Sammler außergewöhnliche Stücke zu erwerben, die selbst einmal Teil der Commodore Geschichte werden könnten. Dieser Gedanke erwies sich darüber hinaus als richtig. Heute bereits sind die von Dallas produzierten Gehäuse extrem begehrte Sammelobjekte. Natürlich habe ich mir ein Exemplar "geschossen" und spätestens jetzt dürfte offensichtlich sein, um was es in diesem Artikel geht. Es geht um Modding.

Limitiertes ks64 Case in rot, Nummer 343 von 500. (Bild: Stefan Vogt)
Limitiertes ks64 Case in rot, Nummer 343 von 500. (Bild: Stefan Vogt)




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8 KOMMENTARE

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    @8bit_era kommentierte zu oben
    am 15.07.2016 um 13:23 Uhr (neuester)
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    Hab vielen, vielen lieben Dank für Deine freundlichen Worte! Auf Weihnachten kannst Du Dich sogar gleich zweifach freuen. Zum einen wird es mit Going 8-bit Teil IV ins schöne England gehen. Aber das habe ich ja bereits in Aussicht gestellt. Nun aber eine große Überraschung: der Maniac Mansion C64 aus Going 8-bit Teil III (jaaaa genau der) wird hier auf Videospielgeschichten eine neue Heimat bei einem unserer treuen Leser finden. Wir werden ihn im Rahmen eines Gewinnspiels verlosen! ....aber psssst! ;)

    http://8-bit.info





    8bit_era kommentierte zu oben
    am 09.07.2016 um 22:15 Uhr
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    Vielen Dank für Deinen Beitrag, Stefan. Ich freue mich auch, dass Dir mein Artikel so gut gefallen hat. Da Du hier das ein oder andere in eine falsche Richtung lenkst, sehe ich mich in der Pflicht Dich aufzuklären.

    1. Was ich mit meiner Sammlung mache ist meine Sache. Dieser Artikel handelt von Modifikation, nicht von der Reparatur eines 2114 Chips. Wie das geht, weiß ich glaube ich schon ein wenig länger als Du. Immerhin bin ich mit diesen Geräten aufgewachsen. Ich repariere 1-3 defekte 64er im Monat. Die Ersatzteile des Boards sind schnell verbraucht. Es ging ja auch um die neuen Kondensatoren und grundsätzlich um das refurbished Board.

    2. 1986 kamen eine Zeit lang C64C mit dem Ass. 250425 ab Werk. Allerdings war das Ass. 250466 bereits in Planung. Der C64C hatte von Anfang an AUCH Kostenreduktion zum Ziel.

    3. Nein, ich meinte NICHT die 469er Platine. Ich meinte die 466er. Die 469er kam nur so nebenbei in der ersten Version im Aldi 64, noch bevor sie in den C64C gebaut wurde. Wenn Du mir nicht glaubst lies hier auf VGS Going 8-bit I oder schau mal bei Bo Zimmerman nach. Den kennst Du bestimmt. Ich hab ihm mit den Specs geholfen.

    4. Wenn ich von einem Reboot des C64C gesprochen habe, dann doch in erster Linie vom Design? Ich hab zu keiner Zeit gesagt dass der C64 "komplett neu" konstruiert wurde. Was auch Käse ist.

    5. Das Gehäuse geändert und die Aldi Tastatur genommen ist eine Falschaussage Deinerseits. Der Aldi kam erst 1987. Man nahm im Aldi die erste Version der C64C Tastatur. So herum ist korrekt.

    http://8-bit.info









    thilographie_de kommentierte zu oben
    am 03.07.2016 um 11:57 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Sehr schöner Build und ein faszinierendes Projekt.
    Dank Twitter waren Deine Fans ja fast live dabei :-)

    Ich finde es auch klasse, daß die Gehäuse wieder aufgelegt werden. Vom "Primärfarben-Ansatz" auf Kickstarter war ich nicht so ganz begeistert. Blau, Rot, Weiß sind Farben, in denen ich klassische C64 nicht wirklich sehe. (Außer jemand gibt ihnen genau die richtigen kleinen Details, wie Du es geschafft hast).

    Das SX-64-Gehäuse ist dagegen der Oberhammer. Es verbindet den C64C so mit dem SX-64, wie es nie vorgesehen war.

    Jetzt brauchst Du nur noch eine Idee, wie Du die blauen Kappen vom "Henkel" irgendwie als Bonusdetail wieder reinbringst :-)

    http://thilographie.wordpress.com



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