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Die ZDF Computer Corner

10.03.2006 · 6 Kommentare

Die ZDF Computer Corner

Oben: Die Computer Corner war eine Spielshow mit Computerspielen im ZDF. (Bild: ZDF)

Die ZDF-Sendereihe Computer Corner ist sicher noch vielen Lesern, die seinerzeit Interesse an Computern oder Videospielen hatten, in Erinnerung geblieben. Von 1985 bis 1988 führte Birgit „Biggi“ Lechtermann zusammen mit dem ZDF-Kollegen Klaus Möller, Kinder und Jugendliche spielend leicht in die neue Computerzeit ein.

Nach der Computer Corner folgte später die ZDF- Sendereihe Techik 2000, ebenfalls mit Biggi und Klaus. Unser bereits zweiter Artikel von Klaus Möller, nach dem Bericht über die Sendereihe Komm Puter, erzählt euch wie es dazu kam, welche Widerstände es gab und und was den Machern der Sendung am Herzen lag. Lasst euch überraschen.

Die Rahmenbedingungen in Deutschland

Zu Beginn der Achtziger Jahre war ich fasziniert von den neuen Möglichkeiten, die sich am Horizont der neuen Technologien auftaten. Da war einmal der Boom in den Spielhallen mit den neuen Videospielen, die damals doch sehr rudimentär stattfanden, aber dennoch ein großes Publikum fanden, in der direkten Tradition und Fortsetzung des Riesenerfolges der Firma Atari in den USA. Der US-Amerikaner Nolan Bushnell hatte ja damals bereits mit seinem Pong-Automaten die Videospielewelt geradezu begründet und mit den Folgespielen auch weiterhin erschüttert. Da überlegte ich, wie kann man Kindern und Jugendlichen die neuen Technologien auf fernsehgerechte Art vermitteln. Doch so einfach war dass nicht, denn es galt Verantwortliche im ZDF davon zu überzeugen, dass Videospiele und Computer ein Massenmedium werden könnten. Leider waren die Rahmenbedingungen für ein derartiges Vorhaben zu Beginn der Achtziger Jahre nicht die besten.

Pong von Atari. (Bild: Atari)
Pong von Atari. (Bild: Atari)
Zwar feierte Commodore mit seinem Heimcomputer Commodore 64 in der damaligen Zeit wahre Verkaufserfolge und auch Atari konnte mit seinen ersten Heim - und Spielecomputern ganz gut mithalten - aber Mainstream - der lag woanders- sicher nicht auf den Spielecomputern. Wie das für Deutschland eigentlich auch typisch war, galt in erster Linie der Nutzeffekt und so kam es, dass deutsche Computerfirmen, die sich damals zaghaft an die Oberfläche wagten andere Ansätze verfolgten, wie das Commodore oder Atari taten. In erster Linie setze die deutsche Computerindustrie, wie Nixdorf und Triumph Adler zuerst einmal auf das Nutzbringende. Was dazu führte, dass diese Firmen schon bald in Sachen Heim - und Videocomputer den Anschluss an die Weltspitze fulminant verspielten. Ich hatte mir in dieser Zeit vorgenommen, wenn man mir die Möglichkeit geben würde, eine Sendung, speziell für jugendliche Computerfans zu machen, auch mit deutschen Firmen zusammenzuarbeiten. Aber leider war das auf Grund der unterschiedlichen Medienphilosophien nicht möglich. Die damaligen, in Deutschland konzipierten und hergestellten Computer zeichneten sich meist durch eine unglaubliche Fantasie- und Konzeptionslosigkeit in Nutzen und Design aus.

Der Spielhallenhit Moon Patrol für den Commodore 64. (Bild: Atarisoft)
Der Spielhallenhit Moon Patrol für den Commodore 64. (Bild: Atarisoft)

Während der „Brotkasten“ von Commodore - der C64 bereits in der Lage war, grafische Inhalte auf den Monitor zu zaubern, murksten die deutschen Anbieter noch mit einer derart lächerlichen Grafikauflösung herum, dass damals schon zu erkennen war, dass sie auch auf Grund der überteuerten Angebote ihrer Rechner keinen Fuß auf den Boden bekommen würden.

Spielcomputer?

So entschloss ich mich damals nur jene Rechner vorzustellen und in die Sendung Computer Corner einzubauen, die preislich und inhaltlich eine echte Alternative für die damaligen Kinderzimmer waren.

Während einerseits bei kommerziellen Rechnern, die damals überhaupt keine Grafikauflösung hatten und immense Summen kosteten, nicht einmal ansatzweise geeignet waren, um Spiele darzustellen, geschweige denn komplexe Inhalte zu speichern, hatten Commodore und Atari die Nase weit vorn und überholten auch, dank ihrer preislichen Konkurrenzlosigkeit Multimediagiganten wie Apple, die zu Beginn der Achtziger Jahre eine Revolution bei der professionellen Computernutzung einleiteten - sich diese aber auch teuer bezahlen ließen.

Der Apple II von 1979. (Bild: Columbia University, NY)
Der Apple II von 1979. (Bild: Columbia University, NY)

So kostete ein Macintosh Computer, der in Deutschland 1983/84 zum ersten Mal ausgeliefert wurde, mindestens 10.000,00 DM ohne weitere Peripheriegeräte. Damals war keine Festplatte dabei und der interne Arbeitsspeicher betrug 128 KB. Dennoch verfügte der Macintosh über eine Maus und eine grafikgesteuerte Benutzeroberfläche, während die normalen Büro-PCs noch mit bernsteinfarbenen einfarbigen Schwarz/Gelb- oder Schwarz/Grün- Monitoren aufwarteten und eine tastaturgesteuerte Programmführung hatten.

Heimcomputer und Fernsehqualität

Birgit und Klaus am 8. April 1986 in der Infoecke mit einem Studiogast. Der Gast von Commodore stellt den neuen Personal Computer Amiga vor. (Bild: ZDF)
Birgit und Klaus am 8. April 1986 in der Infoecke mit einem Studiogast. Der Gast von Commodore stellt den neuen Personal Computer Amiga vor. (Bild: ZDF)
Für mich als Fernsehmacher blieb daher nur die Alternative, auf Commodore und Atari umzusteigen, weil dies die einzigen - auch für unser Fernsehpublikum - bezahlbaren und nutzbaren Heimcomputer in der damaligen Zeit waren. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Auftreten in einem Münchner Fernsehstudio, als ich mit einem Atari-Heimcomputer unter dem Arm das Studio betrat und den Cheftechniker bat, den Rechner zu testen, um ihn an die Fernsehtechnik zu koppeln. Er schaute mich damals ziemlich herablassend an und sagte mir: „Völlig egal, was sie mir hier bringen, ich zeige ihnen mal die zwei Kabel hier - und was da reingeht - muss Fernsehqualität haben“ - ansonsten erfuhr ich von ihm keinerlei Unterstützung! Im Gegenteil, er schlug vor die Bilder die der jeweilige Heimcomputer generierte, über den entsprechenden Studiomonitor abzulenken und mit der Fernsehkamera vom Monitorbild abzufilmen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte die Computergeschichte im ZDF einen anderen Verlauf genommen, wenn ich nicht spontan und schnell reagiert hätte und Techniker von Atari und Commodore eingeflogen wären, die zur Zufriedenheit der High-End Profis beim Fernsehen, die Fernsehsignale mit den Computersignalen abgestimmt hätten. Aber, so wie damals, ist es auch heute noch mit innovativen Ideen, nur wenn man auf die Bereitschaft aller Beteiligten stößt, kann man Ungewohntes, Neues und Visionäres umsetzen.

Spielen am Samstagnachmittag

Jedenfalls erblickte dann, zum ersten Mal in der Geschichte des ZDF eine Computersendung das Licht der Mattscheibe und zwar im Jahr 1983 anlässlich der wiederkehrenden Samstagnachmittagssendung für Jugendliche im ZDF unter der Verantwortung des Redakteurs Heribert Beigel, der damals bereits erkannte, wie wichtig die neuen Medien für die Kinder und Jugendlichen in Deutschland sein würden.

Biggi lädt in der Computer Corner-Sendung vom 8. April 1986 zum Spielen ein. (Bild: ZDF)
Biggi lädt in der Computer Corner-Sendung vom 8. April 1986 zum Spielen ein. (Bild: ZDF)

Gemessen an dem Aufwand, der später für andere Sendungen und die Wissenssendungen der heutigen Zeit getätigt wurde, waren unsere Auftritte in den damaligen Sendungen reichlich amateurhaft und damit aber auch sehr preiswert. Dank des Computerexperten Dietmar Meyfeldt, von Haus aus ein Fluglotse mit Hang zum Heimcomputer, konnten wir recht schnell ein kleines feines Programmfenster aufmachen. Hier stellten wir junge Leute vor, die bereits in den frühen Achtziger Jahren ihren Computer dazu benutzten kreativ tätig zu sein.

Das ging vom Schüler, der ein Physikprogramm auf dem Sinclair ZX81 Computer gestaltete und programmierte, bis hin zum jungen Musikfan, der eine Symphonie von Beethoven via Peek und Poke Befehlen in seinen Commodore 64 einprogrammierte. Und dazu gab es immer wieder mal ein Spieletipp für die damaligen Konsolen- und Diskettenspiele!

Mit großer Genugtuung stelle ich heute fest, dass viele Emulatoren inzwischen die alten Spiele wieder auf dem PC darstellen und offensichtlich ein Boom stattfindet und die Jugendlichen von heute, bereits mit wenig Aufwand an ihren neuen PCs,mit den entsprechenden Umsetzern wieder die alten Games aus den Achtziger Jahren spielen. Auch diejenigen, die damals in den Achtziger Jahren mit ihren Heimcomputern daddelten, finden wieder retromäßig zu den alten Programmen von einst zurück, die zwar nicht durch Speicherkapazität und großartige Grafiken bestechen, dafür aber einen bis heute unschlagbaren Spielwitz haben. So spiele selbst ich heute noch ab und zu mit meinem Sohn, der inzwischen auch erwachsen ist, an unserer alten Atari-Konsole Archob - ein lustiges und vom Spielespass bis heute attraktiv gebliebenes Schachähnliches Spiel mit „lebenden“ Figuren. Natürlich sind die auf dem Bildschirm herumwabernden Pixelfiguren nicht mehr zu vergleichen mit den heutigen Fantasyfiguren die die Gigabytestarken Rechner bevölkern. Aber, man erkennt den Ursprung und kann doch feststellen, dass es selbst grafisch opulent gestalteten Adventuregames oft an einer zündenden Spieleidee fehlt und man merkt einmal mehr: „Getretener Quark wird breit - nicht stark“.

Da wären wir auch schon wieder zurück in den Achtzigern, eine Zeit in der sich wie ich schon erwähnte, die Computer noch in zwei Kategorien aufteilten - einmal die eher schmunzelnd zur Kenntnis genommenen Heimcomputer und zum anderen die einfache klare und graue Welt von IBM, Nixdorf und all den anderen Büromaschinenherstellern, die sich klar gegen die verrückte und schillernde Welt der Heimcomputer - und Konsolennutzer abgrenzte.



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6 KOMMENTARE

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    Andre kommentierte zu oben
    am 16.09.2015 um 14:51 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Hallo Oli,

    vielen Dank für Deinen Hinweis! Ich habe den Screenshot ausgetauscht und einen passenden eingesetzt. Jetzt ist es stimmig.

    André





    Slicer kommentierte zu oben
    am 24.01.2015 um 18:19 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Mittlerweile sind eine Folgen bei YouTube erschienen. Hier die erste: https://www.youtube.com/watch?v=BecH5Xbl77Q.

    Allerdings ist die Qualität sehr schlecht. Ich würde mich ebenfalls dafür interessieren, alle Folgen in guter Qualität zu sehen. Sofern es im Rahmen bleibt wäre dafür auch ein kleiner Obolus drin ;)





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