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Space Invasion sollte es sein, mit Commando kam ich heim

28.11.2015 · 3 Kommentare

Space Invasion sollte es sein, mit Commando kam ich heim

Oben: Space Invasion: Pixelkrieg in sandigem Terrain. (Bild: Andreas Wanda)

Capcom würde mit Commando im Jahr 1985 einen wichtigen Beitrag zum Shoot 'Em-Up Genre liefern, so die Geschichtsbücher von heute. Damals stach aus dem bunten Fleckenteppich der ASM-Erstausgabe eine minimalistische Illustration hervor, ein Soldat entschlossenen Blickes, der auf den bescheidenen Namen „Super Joe“ hörte. Nachdem ich an mir soviele Schulbücher wie Joe Granaten trug, war der kognitive Prozess der Identifikation sofort vollzogen: Super Joe in Commando, das wollte ich sein, Steve Wilcox, Geschäftsführer von Elite Systems, würde sich um eine rasche Umsetzung kümmern, so der Kurztext in Manfred Kleimanns Einstand als Spielezeitschriften-Chefredakteur.

Kurz zuvor machte ich im Winter 1985 eine weitere bedeutsame Bekanntschaft, nämlich mit der Bundesprüfstelle und dem Thema Indizierungen. Heinrich Lenhardt bedachte die Happy Computer 11/85 mit einer tiefgründigen Analyse, warum Spieltitel wie Skyfox oder Raid over Moscow nurmehr unter der Theke verkauft werden durften. Während Heinrich die möglichen negativen Auswirkungen auf den deutschen Spielemarkt skizzierte, fühlte ich mich fortan in den Grundzügen deutschen Rechts versiert.

Joe betritt 1985 die Arkade-Bühnen dieser Welt mit Tokuru Fujiwaras <i>Wolf of the Battlefield</i>, im Westen besser bekannt als <i>Commando</i>. Elite Systems veröffentlicht rechtzeitig zum Weihnachtsfest 1985 die Arkadenumsetzung für sämtliche gängigen Heimcomputer. Wie viele anderen Automaten war auch <i>Commando</i> im Hochkantformat angelegt, sodass Spieler „vorausschauender“ arbeiten konnten als Computerspieler, links die C64-Version von Chris Butler. (Bild: Capcom)
Joe betritt 1985 die Arkade-Bühnen dieser Welt mit Tokuru Fujiwaras Wolf of the Battlefield, im Westen besser bekannt als Commando. Elite Systems veröffentlicht rechtzeitig zum Weihnachtsfest 1985 die Arkadenumsetzung für sämtliche gängigen Heimcomputer. Wie viele anderen Automaten war auch Commando im Hochkantformat angelegt, sodass Spieler „vorausschauender“ arbeiten konnten als Computerspieler, links die C64-Version von Chris Butler. (Bild: Capcom)

Das Original-Leaflet des <i>Commando</i>-Spielautomaten ist eine Studie in Identifikationsprozessen: tollkühne Pose, die tosende Kriegsmaschinerie im Rücken nicht beachtend, den Blick auf die gierige Käuferschar gerichtet. Super Joe war ein Publikumsmagnet. (Bild: Andreas Wanda)
Das Original-Leaflet des Commando-Spielautomaten ist eine Studie in Identifikationsprozessen: tollkühne Pose, die tosende Kriegsmaschinerie im Rücken nicht beachtend, den Blick auf die gierige Käuferschar gerichtet. Super Joe war ein Publikumsmagnet. (Bild: Andreas Wanda)
Nun gingen einige Monate ins Land, Rescue on Fractalus!, Koronis Rift und die TV-Serie Knight Rider dominierten den heimischen Fernsehschirm, immer wieder unterbrochen von einigen schnellen Partien mit C. Kramers drolligem Snoopy. Im Frühling des Jahres 1986 testete Heinrich Lenhardt endlich jenes sagenumwobene Programm, das Super Joe zu einer Legende und Elite Systems Chef Steve Wilcox zu einem reichen Mann machen sollte: Space Invasion. Schon in der Einleitung klärt Heinrich auf, es handle sich wohl um Commando, dem Spielhallen-Hit schlechthin, aber in einer neuen Fassung, in der sich Super Joe einer Armee Robotern gegenüber sieht, um die Bundesprüfstelle milde zu stimmen. Roboter und Sternenkrieger waren schon immer meins, also stellte die Kombination aus Super Joe - meinem Alter Ego - und Sci-Fi eine ideale Evolution von Commando dar. Außerdem fand ich subjektiv die Grafik besser und das ganzseitige Inserat mit den Robotsoldaten spaciger. Es stand also ein Besuch beim Softwarehändler an.

Dieser Händler war etwas besonderes: Die Zeichen der Zeit erkennend präsentierte man in der aufgeräumten Auslage eines Fotogeschäfts zwischen Objektiven, Stativen und Kameraalternativen aktuelle Computerspiele in ihren eleganten Disketten-„Heftchen“: natürlich interessierte man sich für Canons neues 50er, nicht Martechs Samantha Fox Strip Poker, das geschickt den Blick von jung und alt zum Objektiv dirigierte. Nun in jenes Geschäft stolzierte ich nach der letzten Schulstunde, entschlossen wie Super Joe.

<i>Space Invasion</i> erscheint 1986 in Deutschland: Um einer Indizierung der Bundesprüfstelle zu entgehen, ließ Elite Systems Geschäftsführer Steve Wilcox eine besondere Variante mit Roboter-Sprites anfertigen - die Bundesprüfstelle kannte kein Erbarmen und so verschwand Super Joe in den 80ern endgültig von den Theken deutscher Softwarehändler. (Bild: Elite Systems)
Space Invasion erscheint 1986 in Deutschland: Um einer Indizierung der Bundesprüfstelle zu entgehen, ließ Elite Systems Geschäftsführer Steve Wilcox eine besondere Variante mit Roboter-Sprites anfertigen - die Bundesprüfstelle kannte kein Erbarmen und so verschwand Super Joe in den 80ern endgültig von den Theken deutscher Softwarehändler. (Bild: Elite Systems)

„Grüß Gott, junger Mann“, begrüßte mich der freundliche Verkäufer, dem ich leicht überraschend entgegnete: „Wie halten Sie das mit den indizierten Spielen?“ - schließlich war man juristisch dank Heinrich bestens informiert. „Nun in Österreich sind in Deutschland indizierte Spiele frei verfügbar“ (Anm.: Mit Ausnahme rechtsradikaler und pornografischer Programme). „Wenn in Deutschland Space Invasion verkauft wird, bieten Sie Commando an„, schlußfolgerte ich scharfsinnig, am IQ eines Sherlock Holmes kratzend. „Ganz recht,“ antwortete der Verkäufer glücklich und steuerte auf das Regal hinter der Theke zu. „Ich möchte Space Invasion kaufen“, schoß ich dem flinken Händler hinterher. Finster knirschte jener Absatz, auf dem er sich gerade eben sportlich der besagten Ware zugewendet hatte: „In Österreich wird ausschließlich Commando, das Original, vertrieben.“ „Das kann nicht sein!“ begehrte ich hochjauchzend auf, gerade mal ein paar Zentimeter größer als meine Knight Rider-Schultasche.



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