Startseite
Startseite
Artikel & Suche Wer wird sind Kontakt Links

Mein persönliches Donkey Kong-Desaster

01.05.2011 · 8 Kommentare

Mein persönliches Donkey Kong-Desaster

Oben: Das farbenfrohe Logo von ColecoVision. (Bild: Coleco)

Arkade-Automaten waren im Jahre 1982 für Videospieler das Non plus ultra. Weder die seinerzeit teuren Heimcomputer und schon gar nicht die heimischen Spielkonsolen waren in der Lage die Hits der Videospielautomaten authentisch wiederzugeben.

Angriff aus Connecticut

1982 erreichte die Videospiele-Welle ihren vorläufigen Höhepunkt. Atari hatte mit seinem damals fast schon antiquarischen anmutenden VCS den mit Abstand größten Anteil auf dem Videospielemarkt. Abgeschlagen auf Platz drei lag die Philips Videopac Konsole. Auch Intellivision konnte trotz besserer Grafik- und Sound-Eigenschaften mit der hauseigenen Konsole nur den zweiten Platz erreichen. Über viele Jahre gab es keine weitere namhafte Firma, die sich auf dem Heimkonsolenmarkt etablieren konnte. Doch 1982 sollte sich das ändern. Die besonders für ihre frühen Pong-Konsolen und seit den späten Siebzigern auch für erfolgreiche Table-Top Mini-Arkaden und LCD-Spiele bekannte amerikanische Firma Coleco aus Connecticut im Südosten der USA wagte es, den etablierten Marktführer Atari herauszufordern.

Die Firma Coleco konnte auf eine lange Firmengeschichte zurückblicken. Von dem russischen Einwanderer Maurice Greenberg 1932 gegründet, stellte Coleco, deren Firmenname sich aus Connecticut Leather Company zusammensetzt, anfangs Lederwaren her. In den 1960er Jahren stieg Coleco auf die Produktion von Plastikschwimmbecken um. Ein weiterer radikaler Richtungswechsel war 1975 der Einstieg in den gerade erst von Atari ins Leben gerufenen Videospielemarkt.

Coleco war eine der ersten Firmen die nach Atari ebenfalls Pong-Telespiele auf den anfangs boomenden Markt verkaufte. Während Atari 1977 seine erste Konsole mit auswechselbaren ROM-Modulen in den Handel brachte, verpasste Coleco die Entwicklung von modulbasierten Videospielkonsolen und schwenkte auf den elektronischen Handheldmarkt um. Parallel dazu produzierte Coleco neben Puppenwagen, und elektrischen Heimflippern auch jede Menge Plastikspielzeug und sogar Actionfiguren. Besonders gut verkaufte Coleco seine sogenannten „Mini-Arkaden“. Die gehören ebenfalls zur der Gruppe der Handheldspiele, können also mit Batterien betrieben werden und besitzen ein eigenes Display, wodurch sie transportabel sind. Sie sind aber aufgrund ihrer Größe und Beschaffenheit nicht geeignet während des Spielens in der Hand gehalten zu werden. Sie brauchen eine feste Unterlage.

Auf dem Weg zur Kult-Konsole

Das Unternehmen verstand es, sich rechtzeitig Lizenzen erfolgreicher Arcade-Automatenspiele zu sichern. Mit diesen konnte Coleco so populäre Titel wie Pac-Man auf seine Handheldkonsolen bringen. Durch den Erfolg auf dem Handheldmarkt animiert wagte Coleco schließlich wieder den Einstieg in den Konsolenmarkt. Als erstes baute Coleco das Atari VCS nach. Mit der daraus resultierenden Coleco Gemini Konsole war es möglich alle Atari VCS Spielmodule zu spielen. Das hatte natürlich rechtliche Konsequenzen. Aber Atari verlor im Rechtsstreit gegen Coleco, da das Gemini aus handelsüblichen Standard-Chips konstruiert wurde. Aus diesem Grund konnte Atari auch nichts gegen die zahlreichen Spieleproduzenten unternehmen, die für Ataris Konsole Spielmodule verkauften.

Die zweite modulbasierte Konsole, die Coleco 1982 in Zusammenarbeit mit der in Hongkong ansässigen Bit Corporation entwickelte und die den Namen ColecoVision erhielt, war dem Atari VCS weitaus überlegen. Dabei setzte Coleco nicht, wie Atari und Commodore zuvor, auf selbst entwickelte Spezialchips, sogenannte Custom Chips, sondern benutze bewährte ICs der Chiphersteller Texas Instruments und Zilog, die auch in Spielautomaten Verwendung fanden.

Die ColecoVision-Konsole wurde 1983 zusammen mit dem Spielhallenhit Donkey Kong verkauft. (Bild: Torsten Othmer)
Die ColecoVision-Konsole wurde 1983 zusammen mit dem Spielhallenhit Donkey Kong verkauft. (Bild: Torsten Othmer)

Besonders der bereits 1979 von Texas Instruments entwickelte Videochip TMS 9928A, sowie der TMS 9929A waren wie gemacht zur Umsetzung der damaligen Arcade-Spiele. Die meisten Spiele hatten damals eine statische Hintergrunddarstellung, auf der sich verschiedene Objekte, Sprites genannt, bewegten. Und da der Videochip bis zu 32 Sprites mit einer Bildschirmauflösung von immerhin 256 x 192 Bildpunkten mit 16 gleichzeitig darstellbaren Farben zeigen konnte, war es dem ColecoVision-System möglich, viele Arcade-Hits nahezu 1:1 auf dem heimischen Fernseher zu zaubern.

Technische Informationen

Produziert von August 1983 bis Anfang 1984
  • CPU: 8 Bit Zilog Z80A mit 3,58 MHZ Taktfrequenz
  • Bildschirmauflösung: 256 x 192 Bildpunkte bei 16 Farben gleichzeitig
  • Sprites: 32, von der Hardware direkt unterstützt
  • Maximale Farben: 16
  • Sound: 3 Tongeneratoren und ein Rauschgenerator
  • Video RAM: 16 KB
  • Hauptspeicher: 1 KB RAM
  • Modulkapazität: 8, 16, 24, 32 KB ROM
  • Anschlüsse: 2 x 9-polige D-Sub Stecker, Systembus herausgeführt.
  • Spiele: Auf Modul mit bis zu 32 KB ROM Speicherkapazität. Offiziell wurden 125 Spielmodule veröffentlicht.

Da sich Coleco viele große Arcade-Titel rechtlich gesichert hatte, nutzte die Firma dies werbewirksam und verkaufte sie als Spiele für seine ColecoVision-Konsole. Zeitverzögert wurden dann viele Titel auch für die Atari- und Intellivision-Konsolen umgesetzt. Wobei die Qualität der Spiele hier eher mäßig war und selbst die schwächere Hardware der Konkurrenz kaum ausnutzte. Die Rechnung ging auf. Innerhalb weniger Monate konnte Coleco allein in den USA über eine halbe Millionen (500.000 Einheiten) ihrer ColecoVision-Konsolen im Bundle mit dem beliebten Spiel Donkey Kong absetzten. 1983 wurde dann das ColecoVision auch außerhalb der USA verkauft. Dazu arbeite Coleco mit dem Distributor CBS Electronic zusammen, der für den Verkauf in Europa zuständig war.

Dank des Ausbaumoduls #1 konnte die ColecoVision-Konsole alle auf dem Markt befindlichen Atari VCS 2600 Module abspielen. (Bild: Torsten Othmer)
Dank des Ausbaumoduls #1 konnte die ColecoVision-Konsole alle auf dem Markt befindlichen Atari VCS 2600 Module abspielen. (Bild: Torsten Othmer)

Ein Traum geht in Erfüllung

Im Sommer 1983 war es für mich soweit. Ich war gerade 16 Jahre alt geworden und hatte schon so einige 100 DM in meinem Lieblingsautomaten Donkey Kong versenkt. In der von mir sehr geschätzten Videospielezeitschrift Telematch, der damals einzigen Fachzeitschrift für Videospiele auf dem deutschen Markt, las ich, dass in den USA eine neue Spielkonsole erschienen ist. Und diese wurde, kaum zu glauben, zusammen mit meinen Lieblingsspiel Donkey Kong verkauft!

Ich verkauft schweren Herzens mein liebgewonnenes aber schon in die Jahre gekommenes SABA Videoplay an einen Klassenkameraden, der sie sowieso schon seit Monaten von mir ausgeliehen hatte. Und ich schwor mir, nie wieder eine DM-Münze in den Donkey Kong-Automaten zu stecken, der in unserer örtlichen Videothek stand. Zusammen mit meinem Geburtstagsgeld hatte ich dann genug DM zusammen, um mir diese neue „Wunderkonsole“ zu kaufen. Im Sommer 1983 sollte sie auch in Deutschland zu haben sein. Die Zeit bis dahin zog sich für mich wie Honig. Aber dann, ich war in den Sommerferien zu Besuch bei meinem Cousin in Solingen, war es endlich so weit. Noch nie war ich so gespannt. Ich wollte sie mir als erster kaufen!

Zaxxon von SEGA war ein weiterer Spielhallenhit, den Coleco als Lizenztitel auf dem ColecoVision erfolgreich verkaufen konnte. Die ColecoVision-Version des Spiels gehört zu den besten Umsetzungen des Titels seinerzeit. (Bild: www.colecoboxart.com)
Zaxxon von SEGA war ein weiterer Spielhallenhit, den Coleco als Lizenztitel auf dem ColecoVision erfolgreich verkaufen konnte. Die ColecoVision-Version des Spiels gehört zu den besten Umsetzungen des Titels seinerzeit. (Bild: www.colecoboxart.com)

Bei Karstadt sollte das ColecoVision ab dem ersten Verkaufstag für 549 DM vorrätig sein. Nein, ich wollte sie mir nicht erst anschauen, sondern rein in den Laden und kaufen. So etwas hätte ich bisher bei keinem anderen System gemacht. Ich war grundsätzlich sehr kritisch und begutachtete immer alles genau, bevor ich es mir kaufte. Aber bei dem ColecoVision war es anders. In den einschlägigen Printmedien, es gab 1983 auch schon die Happy Computer und CHIP, die ebenfalls über Videospiele berichteten, wurde das Gerät in den Himmel gelobt.

Das Ausbaumodul #2 bot ein Rennfahrer-Cockpit, dass beispielsweise mit dem Autorennspiel Turbo genutzt werden konnte. (Bild: Torsten Othmer)
Das Ausbaumodul #2 bot ein Rennfahrer-Cockpit, dass beispielsweise mit dem Autorennspiel Turbo genutzt werden konnte. (Bild: Torsten Othmer)

Ich machte mich zusammen mit meinen Cousin nach Karstadt auf. Es war noch früher Vormittag und das Kaufhaus war relativ leer. Da ich mich ein paar Tage vorher schon bei einem Verkäufer über die Konsole erkundigt hatte, wusste ich auch gleich wo ich hin musste um sie abzuholen. Nein es gab keine Menschenschlangen, wie sie heute bei vielen Apple Produkten erwartet wird. Ich ging einfach hin, fragte nach dem ColecoVision, der Verkäufer gab mir die Konsole und ich bezahlte an der Kasse. Voller Stolz marschierten wir mit dem Karton unter dem Arm zur Bushaltestelle und machten uns auf dem Weg zurück.

Wieder bei meiner Tante angekommen wurde das Wohnzimmer sofort abgedunkelt, der Fernseher hervorgezogen und alles nach Anleitung angeschlossen. Wie schon erwartet rauschte das Bild am Fernseher nur, es musste ja erst noch der passende TV-Kanal eingestellt werden. Der Fernseher hatte schon einen automatischen Sendersuchlauf, und er suchte und suchte. Da auf einmal war ein klares schwarzes Bild zu sehen. „ColecoVision“ stand in großen bunten Buchstaben auf dem Bildschirm geschrieben.



ARTIKEL TEILEN

VSG FOLGEN



8 KOMMENTARE

Dein Kommentar ist das Wertvollste was Du dem Autor zukommen lassen kannst. Nimm Dir etwas Zeit und hinterlasse ein paar Zeilen!

» Kommentar schreiben






    Torsten Othmer kommentierte zu oben
    am 17.05.2015 um 21:57 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Immer noch eine tolle Konsole, dass mit dem miesen Mainboard kann ich nicht nachvollziehen, außer das Coleco stand Jahrzehnte im feuchten Keller. Übrigens, jedes PC-Netzteil bringt die benötigten Spannungen. Von daher viel Spaß mit deiner Konsole.













DEIN KOMMENTAR

Schreibe dem Autor, was Dir zu Mein persönliches Donkey Kong-Desaster einfällt. Er freut sich über Deine Zeilen!

Name oder @Twitter-Name

E-Mail

Homepage/Webseite

Beispiel: http://www.seitenname.de

Sicherheitscode
   Code erneuern

Wenn Du Deinen @Twitter-Namen angibst, erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Du bei einem Tweet zu diesem Kommentar auf Twitter erwähnt wirst. Wenn Deine E-Mail Adresse mit Gravatar verknüpft ist, erscheint Dein Bild neben Deinem Kommentar. Deine Adresse wird niemals öffentlich angezeigt. Deine Homepage/Webseite wird unter Deinem Kommentar angezeigt.