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22.04.2015 · 6 Kommentare

Werbung für das Spiel Dig Dug in den Achtzigern. (Bild: Electronic Games)
Werbung für das Spiel Dig Dug in den Achtzigern. (Bild: Electronic Games)
Michael: Ich bin einmal mit einem Schulfreund über 30 Kilometer weit geradelt, nur um in der Imbissstube seines Vaters Pac-Man zu spielen. In meinem Heimatort standen Anfang der 80er Jahre auch immer mehr Spielautomaten in den Pommesbuden und Supermärkten, inzwischen aber alle schon in Farbe. Mit meinem Kumpel bin ich ab und zu dorthin gefahren, nur um den anderen zuzuschauen oder einfach den Demo-Modus zu beobachten, insbesondere bei Moon Patrol und Jungle King. Einmal im Jahr wurde bei uns im Ort eine Kirmes veranstaltet. Dort stand auch immer ein Anhänger mit drei Automaten, die haben wir jedes Mal mit glänzenden Augen bewundert. An zwei der Geräte erinnere ich mich nicht mehr ganz genau, aber an Galaga dafür um so mehr. Das Spiel zählt bis heute zu meinen absoluten Favoriten! Tendenziell haben wir unser Geld in den zwei kleinen Spielhallen in unserer Stadt lieber am Billardtisch verprasst. Der Spielspaß war mit Billard einfach viel länger. Man musste bei den meisten Automaten zuviel Geld hineinstecken, um sie halbwegs beherrschen zu können. So eine eingeworfene Mark war unter Umständen nach ein bis zwei Minuten bereits verzockt. Wenn wir dann mal unser Geld eingeworfen haben, dann nur für Pole Position oder Dig Dug. Bei Gyruss, Sinistar oder Mr.Do! hatten wir doch eher den „Igel in der Tasche“, wie man bei uns zuhause sagt. Das begrenzte Taschengeld hat uns also einiges an Spielspaß gekostet, um es auf den Punkt zu bringen.

«Ein tolles Gefühl, wenn man an der Spitze der Highscore-Liste stand und die Mitspieler einen dafür ihren Respekt zollten.»

Guido Frank

Naughty Boy, ein fulminantes Arkadespiel von 1982, das damals leider viel zuwenig Aufmerksam erhalten hat. Ein echter Geheimtipp für Retrofans. (Bild: Jaleco)
Naughty Boy, ein fulminantes Arkadespiel von 1982, das damals leider viel zuwenig Aufmerksam erhalten hat. Ein echter Geheimtipp für Retrofans. (Bild: Jaleco)
Guido: Würde ich jetzt mit einem Erwachsenen aus jener Zeit sprechen, käme sicherlich sofort der Einwand der Geldverschwendung und das man hier den monetären Umgang als Teenager völlig falsch erlernt. Aber selbst diese Thematik sehe ich heute aus einer anderen Perspektive. Anfangs mag das sicherlich stimmen. Natürlich ist jeder Jugendliche mit dieser Versuchung zuerst überfordert. Mein wöchentliches Taschengeld war in der Anfangsphase bereits am zweiten Tag aufgebraucht, dann zapft man als nächstes, Großmutter sei Dank, weitere Geldquellen an. Langfristig musste aber natürlich eine ganz andere Strategie her, was schon fast zwangsweise zu den günstigeren Heimkonsolen führte. Zuvor standen aber hauptsächlich die geldfressenden Arcadespiele bei uns im Fokus. Es war klar, dass man nicht den ganzen Tag selbst an den Geräten spielen konnte, dazu hätte das Geld einfach nicht gereicht. Also beobachtete man seine Freunde oder sah anderen Personen über die Schulter, schaute sich dort Tricks ab, lernte neue Taktiken oder auch nur die Bewegungsmuster der Angreifer, um dann selbst beim nächsten Mal wieder ein Stückchen länger durchzuhalten oder sogar den Rekord des Tages zu brechen. Überhaupt ein tolles Gefühl, wenn der eigene Name an der Spitze der Highscore-Liste stand und die anwesenden Mitspieler dafür ihren Respekt zollten. Nach einiger Zeit wurde jede Mark sehr überlegt und mit bedacht in den Münzschlitz eingeworfen. Als professioneller Videospieler, und das waren wir in dem Alter unbestritten, konnten wir je nach individuellen Geschick manche Spielautomaten stundenlang mit nur einer Münze betreiben. Dabei hatte jeder in meinem Freundeskreis seine ganz eigenen Favoriten.

Naughty Boy ist so ein typischen Beispiel, dass Videospiel hatte mit acht im Aufbau unterschiedlichen Level ein wirklich sehr anspruchsvolles Gameplay. Mein bester Freund und ich hatten kein Problem mit drei bis vier Mark einen ganzen Tag lang durchzuspielen. Dabei wechselten wir uns nach jedem Level ständig ab, die eigene Konzentration hielt somit wesentlich länger an und jeder von uns bekam nach ein paar Minuten wieder eine ausreichende Pause. Dank dieser speziellen „Zweimann-Taktik“ ließ sich der Automat fast unbegrenzt von uns beherrschen. Letzten Endes erlernte ich gerade durch die Einführung der Videospielautomaten den überlegten Umgang der mir zur Verfügung stehenden Geldmittel.

Blick in eine Spielhalle der 80er Jahre, hier fand jeder schnell neue Kontakte mit Gleichgesinnten. (Bild: Electronic Games)
Blick in eine Spielhalle der 80er Jahre, hier fand jeder schnell neue Kontakte mit Gleichgesinnten. (Bild: Electronic Games)

«Was ich dann erblickte ließ mir fast den Atem stocken ... der ganze Raum war vollgepackt mit Videospielen!»

Guido Frank

Michael: Den Wert des Geldes habe ich unter anderem auch über die Videospielautomaten zu schätzen gelernt. Vielleicht hätte ich mehr D-Mark in einen einzigen Automaten stecken sollen, statt immer wieder andere auszuprobieren. Mir ist es leider nie richtig gelungen, mit wenig Münzen viel Spielzeit zu verbringen, außer bei Space Invaders vielleicht. Ein damaliger Freund von mir beherrschte Moon Patrol ganz gut, aber auch hier habe ich lieber zugeschaut, als selbst mein Geld zu versenken. Es war einfach günstiger zu Hause mit Freunden seine Zeit an der Videospielkonsole zu verbringen, man konnte gegeneinander antreten oder im Einzelspiel einen Punktevergleich durchführen. Das hatte ebenfalls seinen ganz besonderen Reiz.

Im April 1983 startet Atari die Werbekampagne für das neue schwarze VCS, inkl. Pac-Man als Spielkassette für 349,- DM. (Bild: Guido Frank)
Im April 1983 startet Atari die Werbekampagne für das neue schwarze VCS, inkl. Pac-Man als Spielkassette für 349,- DM. (Bild: Guido Frank)
Guido: Natürlich, auch bei mir wurde der Wunsch nach einer eigenen Atari-Konsole immer größer, aber die einzige Möglichkeit bestand nur darin, dass Geld selbst irgendwie aufzutreiben. Sparen war also angesagt. Mittlerweile kostetet das Atari immer noch 349 DM, beinhaltete jedoch zusätzlich das Spielmodul Pac-Man. Als mein Sparschwein den dafür notwendigen Betrag endlich ausspuckte, änderte Atari gerade das altbekannte Design und die „Darth Vader“-Konsole erblickte das Licht der Welt. Das VCS hatte zwar noch immer die alte Gehäuseform, erstrahlte aber jetzt vollständig in einer schwarzen Optik und wirkte ohne dem klassischen Holzdekor zusammen mit der neuen silbernen Verpackung gleich um einiges moderner. Doch noch zögerte ich, zuerst machte ich eine große Tour durch alle mir bekannten Elektronik- und Spielwarenläden im Zentrum von München, mit der Hoffnung, dort das Gerät eventuell irgendwo noch etwas günstiger zu erwerben. Bei diesem Trip stolperte ich rein zufällig vor der eigentlichen Eröffnung in ein Geschäft mit dem Namen „Videomagic“. Während meiner Suche bemerkte ich ein Atari VCS in der Auslage. Der Laden wirkte auf mich noch wie eine Baustelle, die Tür stand allerdings weit offen, also versuchte ich mein Glück und ging die Treppe runter in das Untergeschoss.

Was ich dann erblickte ließ mir fast den Atem stocken... es war einfach unglaublich, so etwas hatte ich in meiner kühnsten Vorstellung nicht erwartet, der ganze Raum war vollgepackt mit Videospielen. Dutzende Konsolen und Terminals warteten nur darauf von den Kunden endlich getestet zu werden. Ich hatte bisher noch nie etwas Vergleichbares gesehen, alles wirkte wie eine riesige Spielhalle, nur für Heimkonsolen. Eines war jetzt schon gewiss: dieses eindrucksvolle Geschäft in einer Nebenstraße am Münchner Stachus würde ich nicht zum letzten Mal besuchen. Ein Verkäufer kam freundlich auf mich zu und erzählte mir, dass Videomagic erst am kommenden Samstag eröffnet wird, ich sei natürlich herzlich eingeladen. Diesen Termin wollte ich um nichts auf der Welt verpassen. Also nutze ich gleich die Gelegenheit und fragte nach meinem eigentlichen Anliegen und welchen Preis ein Atari hier kostete. Nun, der Preis lag wie überall bei 349 DM, allerdings machte mir der Geschäftsführer ein anderes erstaunliches Angebot. Bei Videomagic konnte der Kunde auf Wunsch die beiliegende Pac-Man Kassette einfach in ein anderes x-beliebiges Spiel umtauschen. Genau das Richtige für mich. Diese Spielhallen-Adaption fand ich sowieso ziemlich missraten und fast jeder meiner Freunde besaß das Spiel bereits. Pac-Man stand wirklich sehr weit unten auf meiner persönlichen Kaufliste. Am Tag der Neueröffnung wartete ich bereits um 9:00 Uhr vor der Ladentür und blieb auch den ganzen Tag lang dort, die Stimmung war einfach phänomenal und am Ende trug ich endlich meine erste eigene VCS Konsole mit nach Hause, was für ein herrlicher Tag!

Das Spielforum von Videomagic in München. (Bild: Guido Frank)
Das Spielforum von Videomagic in München. (Bild: Guido Frank)

Von da an verbrachte ich fast jeden Samstag und zahlreiche Ferientage bei Videomagic. Hier ging es hingegen viel weniger um Rekorde oder Wettkämpfe untereinander, jeder Besucher hatte die Möglichkeit alle neuen Heimvideospiele anzusehen oder selbst zu testen. Videomagic führte das Programm für sämtliche Systeme die damals erschienen sind, egal ob von den ganz großen Anbietern oder seltenen Exoten wie etwa der Firma Creativision. An erster Stelle stand hier der Informationsaustausch mit anderen Spielern und den sachkundigen Verkäufern. Andere Orte in der Stadt, an denen man ebenfalls Videospiele vor dem Kauf ausprobieren durfte, wirkten im Vergleich mit Videomagic fast schon lächerlich. Egal ob von Imagic, Parker, Tigervision, Apollo, ITT oder Telesys - Videomagic stellte seinen Kunden wirklich absolut alles zur Verfügung.

«Das Colecovision war ab sofort meine neue Traumkonsole, leider jedoch für mich unfinanzierbar.»

Michael Braun

Das CBS Colecovision war 1983 der „Mercedes“ unter den Heimkonsolen. Kein anderes Gerät erreichte zu jener Zeit eine solch hohe Qualität bei der Umsetzung von Arkadeautomaten. Exorbitant war allerdings auch der Preis, alleine der Klassiker Zaxxon kostete stolze 169 DM. (Bild: Electronic Games)
Das CBS Colecovision war 1983 der „Mercedes“ unter den Heimkonsolen. Kein anderes Gerät erreichte zu jener Zeit eine solch hohe Qualität bei der Umsetzung von Arkadeautomaten. Exorbitant war allerdings auch der Preis, alleine der Klassiker Zaxxon kostete stolze 169 DM. (Bild: Electronic Games)
Durch meine regelmäßigen Besuche seit der Neueröffnung kannte ich die Belegschaft nach kurzer Zeit relativ gut. Das führte später sogar dazu, dass ich manchmal aushelfen durfte, wenn gerade besonders viele Kunden den Laden besuchten und ich echte Kundengespräche führte und meine Empfehlungen aussprach. Dieser erste Eindruck von der Arbeitswelt machte mir erstaunlich großen Spaß, vielleicht ein Grund dafür, warum ich heute noch gerne vertriebliche Tätigkeiten in meinem Job übernehme. Echtes Geld erhielt ich für diese Arbeit zwar nicht, aber als Dank schenkten mir die Mitarbeiter ein neues VCS Spiel zu meinem nächsten Geburtstag, Nuts von Technovision, heute ein sehr gesuchtes Sammlerstück. Eine nette Geste wie ich fand und für mich zweifellos ein ausreichender Lohn für meine sporadische Aushilfen, wenn mal wieder Not am Mann war.

Michael: Echt beneidenswert, deine Erlebnisse bei Videomagic! Bei meinen ortsansässigen TV-Läden konnte zwar auch jeder Probespielen, aber nur auf konkrete Anfrage auf eines der wenigen vorrätigen Spiele. Danach wurde man schon fast genötigt, das getestete Spiel auch zu kaufen. In Erinnerung bleibt mir noch ein Schulausflug nach Köln. Nach dem sogenannten „Kulturprogramm“ der Schule durften wir selbständig die Stadt erkunden. Der Weg führte uns geradewegs in einen riesigen Saturn-Hansa, danach entdeckten wir noch weitere Läden, in denen man das brandneue Colecovision zu Gesicht bekam, ab sofort meine neue Traumkonsole, leider jedoch für mich unfinanzierbar. Deshalb blieb Atari vorerst weiter meine Obsession. Erst später, nach einem Ferienjob konnte ich mir die Konsole dann endlich leisten. Smurf, Donkey Kong, Lady Bug... hat echt Spaß gebracht, vor allem, weil sich die Grafik schon deutlich besser präsentierte als auf dem Atari 2600 und gerade die ganz großen Spielhallen-Hits auf dem CBS wirklich am Besten konvertiert wurden.



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6 KOMMENTARE

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    WolleHH kommentierte zu oben
    am 27.04.2015 um 16:26 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Da ist ein Fehler leider aufgetreten. In der 3. Zeile, ich startete mit einem Atari 600 XL und nicht mit einem Atari 2600. Mein Freund hatte den Atari 2600 :)



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