Startseite
Startseite
Artikel & Suche Wer wird sind Kontakt Links

Videospiele als Brettspiel: Pole Position - Vollgas im Rennspielzirkus

26.10.2013 · 5 Kommentare

Videospiele als Brettspiel: Pole Position - Vollgas im Rennspielzirkus

Oben: Das Autorennspiel Pole Position gab es auch als Brettspiel. (Bild: Michael Braun)

1982 brachte Namco Pole Position in die Spielhalle. (Bild: Namco)
1982 brachte Namco Pole Position in die Spielhalle. (Bild: Namco)
Wem klingt nicht mehr der Satz „Prepare to qualify“ des Arcade-Automaten in den Ohren und denkt nicht gleichzeitig an den vorbeifliegenden, den kurz bevorstehenden Start ankündigenden, Zeppelin?! Schweiß an den am Lenkrad festgekrallten Handflächen... gleich geht es los! 3... 2... 1... Kein Zweifel: Pole Position zählt sicher zu den bekanntesten und besten Autorennspielen der Videospielhistorie.

Start Your Engines!

1982 war es, als Namco diesen Knaller in die Spielhallen brachte. In den USA wurde die Lizenz von Atari eingekauft und ein Jahr später, also 1983, für diverse Videospielkonsolen auf den Markt gebracht. So enstanden im Laufe der Zeit Versionen für Atari VCS 2600, 5200, 7800, Atari XE, Intellivision, Vectrex, TI-99/4a, Game Boy, Nintendo 64, SNES, C64, VC 20 usw.

Die Automatenversion von Pole Position war sehr farbenfroh. (Bild: Namco)
Die Automatenversion von Pole Position war sehr farbenfroh. (Bild: Namco)

Steig ein: der Arcadeautomat von 1982. (Bild: Namco)
Steig ein: der Arcadeautomat von 1982. (Bild: Namco)
Ziel des Spiels ist es, nach bestandener Qualifikation (eine Runde in vorgegebener Zeit zu absolvieren), Unfälle zu vermeiden (die mit herrlicher Pixel-Grafik-Explosion dargestellt werden), um rechtzeitig ins Ziel zu gelangen und weitere Runden fahren zu dürfen. Die Grafik, der Sound und vor allem der Aufbau des Automaten selber - in der Variante zum Sitzen - brachten Millionen von Videospielfans dazu, mindestens ebenso viele Geldstücke eben dort hineinzuwerfen. Die Sitzvariante des Automatens verfügte übrigens über ein Gas- und ein Bremspedal. Hier fühlte man sich, dank der realistischen Ausstattung der Maschine, fast wie auf der echten Rennstrecke und mochte gar nicht mehr aussteigen.

Schreibfehler auf dem VCS 2600 Modul. (Bild: Namco)
Schreibfehler auf dem VCS 2600 Modul. (Bild: Namco)
Kleine Raritäten am Rande: bei einer kleinen Neuauflage der sehr erfolgreich verkauften VCS 2600 Version, wurde das Modul mit einem Rechtschreibfehler (!) ausgeliefert. „Pole Positn“ - es fehlten gleich zwei Buchstaben! Außerdem erhielt Pole Position 1983 den Arcade Award Coin-Op Game of the Year. Laut Wikipedia gilt Pole Position als eines der wichtigsten Videorennspiele, die jemals entwickelt wurden.

Rennspaß auf dem Brett

Das Brettspiel, konzipiert für 2-4 Spieler, hat zwar nicht mehr viel gemeinsam mit dem Videospiel-Vorbild. Wie könnte es auch die quietschenden Reifen in einer engen Kurve oder den Crash mit einem Kontrahenten umsetzen?! Geht nicht! Der Originalitätsfaktor gegenüber des Arcade-Klassikers ist entsprechend gering, was nicht bedeutet, dass es diesem Brettspiel am Spaßfaktor mangelt...

Verpackung des Pole Position Brettspiels. (Bild: Parker Brothers)
Verpackung des Pole Position Brettspiels. (Bild: Parker Brothers)

Auf einem in Setzfelder aufgeteilten Kurs mit drei engen und zwei weiten Kurven gilt es, wie könnte es auch anders sein, als erster vom Start ins Ziel zu gelangen. Bis zu vier verschiedenfarbige Boliden können an dem Rennen teilnehmen. Mindestens zwei sollten es aber schon sein. Das Qualifying erfolgt hier, anders als im echten Formel-Eins Zirkus, recht unspektakulär durch Ziehen einer der Teilnehmer-Chips. Nachdem klar ist, wer welche Startnummer (und Farbe) hat, bekommt jeder Spieler 6 Spielkarten, die er in den nächsten 6 Spielzügen ausspielen kann. Einen Würfel sucht man in diesem Spiel vergebens!

Die Karten erlauben dem Spieler, unterschiedliche Spielzüge durchzuführen. Es gibt drei Karten die ausschließlich der Vorwärtsbewegung dienen. Eine Karte erlaubt es dem Spieler einen anonymen Mitfahrer (Rookie) frei auf dem Spielfeld zu positionieren und anschließend zwei Felder vorwärts zu ziehen. Zwei Karten dienen dazu, eine der beweglichen (!) Fahrbahnen zu verschieben und vorher/nachher zwei Felder vorzurücken.

Typische Spielkarten. (Bild: Parker Brothers)
Typische Spielkarten. (Bild: Parker Brothers)
Durch das Positionieren des Rookies und dem Verschieben der Fahrbahnen (wie gesagt: der Originalitätsfaktor lässt hier sehr zu wünschen übrig) kann man dem Gegner so manch ein Schnippchen schlagen und sich selbst gleichermaßen einen schönen Vorteil verschaffen. Mal müssen die Gegner aufgrund des Rookies einen Umweg fahren oder müssen gar auf ihrer Position verharren. Mal verschafft einem das Verschieben der Fahrbahn den Vorteil, eine Kurve enger, also mit weniger Spielfeldern, nehmen zu können. Dem Gegenspieler bleibt dann keine Wahl: er muss die Kurve mit mehr Spielfeldern nehmen. Den ganze Reiz des Spiels macht aber aus, dass jeder Spieler vorab festlegen muss, wie er seine Karten ausspielen möchte. Erst nachdem alle Spiele jede einzelne Karte des eigenen Stapels nach und nach reihum umgedreht haben, kann jeder wieder seine Karten unter strategischen Gesichtspunkten neu sortieren und auf mehr Glück in der nächsten Runde hoffen.

Dies führt natürlich dazu, nicht nur nach seiner eigenen aktuellen Position die Karten für die nächste Runde zu sortieren, sondern auch dazu, zu spekulieren, was wohl die Gegenspieler als nächstes vorhaben und was eben diese erwarten, wie man selbst seine eigenen Karten angeordnet hat... ganz schön kniffelig. Je mehr Spieler an dem Rennen teilnehmen, desto mehr Spekulationen und Abwägungen winden sich durch das Brettspiel-Gehirn das macht Spaß und fordert jedes Mal wieder zu einer neuen Partie heraus.

Das Fazit

Ein Brettspiel-Bolide. (Bild: Parker Brothers)
Ein Brettspiel-Bolide. (Bild: Parker Brothers)
Im Grunde haben alle Mitspieler die gleichen Chancen. Egal von welcher Position sie starten. Spieler mit niedriger Startposition haben den Vorteil, auf den drei Karten für die ausschließliche Vorwärtsbewegung insgesamt mehr Felder vorrücken zu können, was den, auf den ersten Blick, ungerecht wirkenden Vorteil der vorplatzierten Spieler absolut ausgleicht. Insgesamt ist Pole Position ein interessantes Brettspiel, welches auch nach mehreren Partien nicht schnell an Reiz verliert. Auch wenn das Spiel leider nur außerhalb Deutschlands erschienen ist, empfehle ich den Kauf. Wird allerdings versandtechnisch recht teuer.

Überarbeitete Originalfassung aus dem April 2004.

Michael Braun · 26.10.2013

  1982, 1983, Atari VCS 2600, Autorennen, Brettspiel, Michael Braun, Namco, Pole Position, Prepare to qualify, Rennspiel

ÜBER DEN AUTOR

Michael Braun
Michael Braun
Geboren 1967, in Stadtlohn im Münsterland, lebt und arbeitet heute in Essen. Konsolen-Vita: Pong, Interton, Atari 2600, Colecovision, C64, Amiga. Mit dem Sammeln und dem Retro-Bewusstsein fing es Mitte der 90er an. In dieser Zeit wurden auch ein paar Testberichte für Bazonga-Press geschrieben; zu lesen in dem Buch Knopfklopfer: Aus der Welt der Pixelwunder. Michael Braun, in der Retro-Szene besser bekannt als „Pitfall-Harry“, ist einer der drei Veranstalter der Retrobörsen im Ruhrgebiet (http://www.retroboerse.de) und nimmt regelmäßig an der jährlich stattfindenden Eurocon teil. Er war Centipede-Stadtmeister von Essen und Ahaus und zweiter Sieger in Nordrhein-Westfalen von 1983.

Alle Artikel von Michael Braun



ARTIKEL TEILEN

VSG FOLGEN



5 KOMMENTARE

Dein Kommentar ist das Wertvollste was Du dem Autor zukommen lassen kannst. Nimm Dir etwas Zeit und hinterlasse ein paar Zeilen!

» Kommentar schreiben




    Onda kommentierte zu oben
    am 25.12.2014 um 19:21 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Was PAC-MAN betrifft, da finde ich die neue (so ca. 2012) Brettspielumsetzung namens "Whacky Wit" ganz gut. Interessanteres Gameplay als das Pac-Man-Brettspiel und sehr coole Materialien (Holz, Magnete). Leider ist es nicht ganz billig, aber wenn ihr mal die Gelegenheit (Spielemesse, Spieletage etc.) habt, solltet ihr auf jeden Fall einmal spielen!









DEIN KOMMENTAR

Schreibe dem Autor, was Dir zu Videospiele als Brettspiel: Pole Position - Vollgas im Rennspielzirkus einfällt. Er freut sich über Deine Zeilen!

Name oder @Twitter-Name

E-Mail

Homepage/Webseite

Beispiel: http://www.seitenname.de

Sicherheitscode
   Code erneuern

Wenn Du Deinen @Twitter-Namen angibst, erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Du bei einem Tweet zu diesem Kommentar auf Twitter erwähnt wirst. Wenn Deine E-Mail Adresse mit Gravatar verknüpft ist, erscheint Dein Bild neben Deinem Kommentar. Deine Adresse wird niemals öffentlich angezeigt. Deine Homepage/Webseite wird unter Deinem Kommentar angezeigt.




MEHR ENTDECKEN?

Diese Artikel aus der Kategorie Retrogames könnten Dich auch interessieren:

Mit fünf Granaten an die Front

Mit fünf Granaten an die Front

20.09.2012
Michael Behr
Bei diesem kriegerischen Spiel handelt es sich um einen ziemlich dreisten Rip-off des bekannten Automatens Commando von Data East aus dem Jahre 1985, der von Elite Systems für eine ... [weiter]
     But remember: shoot or die!

But remember: shoot or die!

Ich bekam meinen C64 zum 12. Geburtstag. Dazu komme ich aber später, denn ich war schon etwas länger davor fasziniert von diesem Computer. In unserer Kleinstadt gab es einen ... [weiter]
     30 Jahre Koronis Rift

30 Jahre Koronis Rift

19.09.2015
Andreas Wanda
Die NASA twittert soeben, der unerschütterliche Mars Rover hätte die nächsten dutzend Millimeter auf dem Weg zum Aeolis Mons geschafft - mein Dreitagebart knirscht männlich, denn ... [weiter]