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Ein Arcade-Automat, mein Kumpel und ich

25.02.2015 · 14 Kommentare

Ein Arcade-Automat, mein Kumpel und ich

Oben: Growing Up In Arcades: 1979-1989. (Bild: flickr.com/groups/arcades/pool/with/6550258)

... oder: wie ich mir den Wunsch nach einem echten Arcade-Automaten erfüllte.

Das die 80er ein cooles Jahrzehnt waren, steht wohl außer Frage. Für uns Kids aus dieser Zeit, war es die Ära, in denen die Worte Medien und Unterhaltungselektronik neue Inhalte bekamen. Wir waren in den 80ern einfach ein Teil der Entertainment-Revolution. Von Anfang an dabei und haben das erste Videospiel gesehen, sowie die ersten Kinofilme zu Hause bestaunt (ja die 70er waren ja zuvor da aber so richtig ab ging es dann aber doch eher in den 80ern für die breite Massen). Auch sind wir die Kids, die mit einer deutschen Mark bewaffnet fremde Planeten bereist, die Welt gerettet haben oder einen Klempner zum Liebesglück verholfen haben. Zumindest haben wir das viele, viele Male probiert.

Damals noch nicht in die Spielhallen verbannt, konnte man in Kaufhäusern und Schwimmbädern, in Kinos oder im Bowlingcenter noch an ausgewachsenen Videospielstandautomaten sein Taschengeld loswerden. Für ein paar Sekunden war man der Held in einem Videospiel. Da du dich gerade auf dieser Seite ihr herumtreibst lieber Leser, bin ich mir sicher du weißt wo von ich rede.

Wie es unsere moderne Entwicklung nun mal mit sich bringt, ist wohl keine Branche so schnelllebig, wie die Entertainment-Branche. Und so kam es wie es kommen musste. Die besagten Standspielautomaten wurden mehr und mehr aus ihrer natürlichen Umgebung verdrängt. Die möglichen Gründe für dieses unaufhaltsame Verschwinden der Automaten, wurden auch hier auf videospielgeschichten.com bereits festgehalten. Auch über die Faszination der Automaten (siehe Kategorie: Arkaden) auf uns Kids konnten wir in den schriftlichen Erinnerungen einiger Autoren hier etwas nachlesen.

«Wer vergräbt schon in ein paar Sekunden eine Mark in einem Videospielautomaten, nur um kurz darauf die nächste loszuwerden?»

Ioannis Douloumis

Klassische Videospiel-Automaten in einer Arcade.
Klassische Videospiel-Automaten in einer Arcade.
So hatten auch auf mich die Videospielautomaten von Anfang an eine magische Anziehungskraft. Und ich erinnere mich an fast jeden einzelnen Automaten, dem ich in meiner Kindheit und Jugend begegnete. Pole Position, Phoenix, Kung Fu Master, Centipede, Hyper Olympics, Lady Bug, Double Dragon, Wonderboy, Ghosts and Goblins und viele mehr. Zu den 80ern gehörten sie einfach dazu. Obwohl unsere Popkultur in Sachen Automaten, nie das Level der USA erreicht hat, waren wir doch auch hier gut bedient, da die Aufsteller schnell das Potential dieser gewinnbringenden Maschinen erkannten. Wer vergräbt schon in ein paar Sekunden eine Mark, um kurz darauf die nächste loszuwerden? Also wir waren, soweit der Geldbeutel mitmachte, dazu allseits bereit.

Die Jahre vergingen und das Verschwinden der Automaten nahm seinen Lauf. Die Heimkonsolen sollten bald den Automaten technisch belächeln können. In den frühen 80ern war das noch undenkbar.

Zeitsprung

In den 90ern, nun war ich „erwachsen“ und mit eigenem Einkommen, wuchs der Wunsch einem eigenem Automaten. Besser gesagt der Wunsch war ja schon immer da. Nur jetzt war er auch realisierbar. Ich hatte jedoch keine Ahnung, wo ich nach einem Automaten suchen sollte. In der Vor-eBay-Zeit, waren Zeitungen die erste Anlaufstelle. Und tatsächliche fand ich hin und wieder Anzeigen in denen ein Standvideospielautomat verkauft wurde. Mein Problem: Die Angebote waren gefühlt am anderen Ende der Welt. Oder auch anders gesagt: ohne ein entsprechendes Auto kann ich nicht 800 Kilometer nach Berlin fahren, um einen Automaten abzuholen. Und irgendwie schien es, dass im Südwesten einfach kein Automat sein Zuhause verlassen wollte. Oder: wir waren hier im Rhein Neckar Dreieck, im Südwesten Deutschlands, wirklich nicht gerade die Hochburg der Automatenszene der 80er. Irgendwie schlief der Wunsch nach einer Anschaffung ein. Und es sollte bis zum Ende der 90er dauern bis sich wieder etwas tat.

War das eine aufregende Zeit, als ich dank des Internet alles rund ums Thema „Classic Gaming“ erforschen konnte.

So hieß auch damals meine Lieblingsanlaufstelle passenderweise classicgaming.com, eine Webseite, auf der ich auch mal mit einem Post meine „15 minutes of fame “ bekam. Wie? Ich hatte mal eine Fanpage für die Tele Fever Konsole betrieben. Beide Seiten gibt es in der ursprünglichen Form nicht mehr.

Emulationen treten auf den Plan

Auf classicgaming.com erfuhr ich auch, neben historischen Fakten über Konsolen, etwas über M.A.M.E. Das Projekt M.A.M.E. war wohl eine der tollsten Sachen die mir im Bereich Retrogaming passiert ist. Was hier auf die Beine gestellt wurde ist unglaublich und phänomenal zugleich. Durch das Wunder der Programmierkunst war man tatsächlich in der Lage den Original Programmcode einer Spielplatine zu extrahieren und auf dem eigenen Rechner Zuhause zum Laufen zu bringen. Wenn mir das jemand früher erzählt hätte, ich hätte das nie geglaubt.

Double Dragon für die Spielhalle von 1987. (Bild: Taito)
Double Dragon für die Spielhalle von 1987. (Bild: Taito)
Wenn ich an die 80er zurückdenke, so konnte man die beliebten Arcadetitel entweder im Original am Automaten zocken oder auf einer nachprogrammierten Umsetzung auf dem Homecomputer oder einer Spielkonsole. Die Umsetzungen unterschieden sich hierbei in ihrer Qualität stark. Es waren immer Dritthersteller, die sich an die Umsetzungen machten und diese hatten dann nicht den Originalcode oder die Originalgrafiken zur Hand sondern mussten wirklich von Null auf ein Spiel nach purem Augenprinzip „nachbauen“. Wenn man sich das heute vorstellt, unglaublich wie gut diese Konvertierungen dann doch noch gelangen.

Ein gutes Beispiel hierzu ist Double Dragon, dass wohl für jede Kiste umgesetzt wurde die es Ende der 80er oder Anfang der 90er zu kaufen gab. Damals waren die Homecomputer und Konsolen ja den Automaten technisch unterlegen. Die Entwickler haben sich aber zum großen Teil sehr erfolgreich bemüht das Double Dragon Thema auf die jeweilige Plattform zu bringen. Sogar für das Atari VCS gab es eine Version. Nun die sah dann auch so aus ;-)

Double Dragon für Atari VCS von 1989. (Bild: Activision)
Double Dragon für Atari VCS von 1989. (Bild: Activision)

Wir waren also mit diesen Umsetzungen aufgewachsen und jetzt, Jahre später, war jeder PC so leistungsstark geworden in einer Emulation den Originalcode der Arcadeautomaten zu interpretieren und 1:1 auf dem heimischen Monitor darzustellen zu können. Dazu war und ist nur das sogenannte „ROM-Image“ notwendig, welches in der Regel voraussetzt, dass man ein Original des Spiels sein Eigen nennt, um legal das ROM auf seinen Rechner zu laden. M.A.M.E. und andere Emulatoren riefen eine riesige Fangemeinde ins Leben.

Und es kam wie es kommen musste: die Spiele müssen natürlich dort zurück wo sie hingehören. In ein maßstabgetreues Cabinet (also das Automatengehäuse) mit einem richtigen Arcade-Joystick. Was sich aus diesem Wunsch in den nächsten Jahren dann entwickelte ist einfach nur klasse und animiert einem zum selbst Hand anlegen und den ultimativen Arcadeautomaten zu bauen. Genau so ging es auch dann weiter.

Das goldene eBay-Zeitalter

Was hätten wir Retro-Fans nur ohne eBay gemacht? Abermals war eBay der Schlüssel zum Ziel. In der Rubrik „Arcade-Automaten“ wühlte ich regelmäßig auf der Suche nach einem erschwinglichen Automaten.

Donkey Kong von 1981. (Bild: Nintendo)
Donkey Kong von 1981. (Bild: Nintendo)
Und tatsächlich: meine Suchkriterien sollten mich bald zum Erfolg führen. Zunächst einmal war ich fast gerührt, so viele alte Bekannte verstreut über Deutschland zu treffen. Pac-Man, Donkey Kong und Track & Field. Sie waren nicht tot! Nein mitnichten: sie waren nur untergetaucht. Und sie suchten nun ein neues Zuhause. Schön, dachte ich mir. Ihr könnt alle zu mir kommen. So eine Mini-Arcade-Ecke Zuhause das wäre es doch.

Aber schnell holten mich die Fakten ein. Viele der Automaten waren gar nicht mehr intakt. Klar die Technik von damals war hier 20 oder mehr Jahre dem natürlichen Zerfall ausgesetzt. Somit wurden viele Maschinen an Bastler oder als Ersatzteillager bzw. zum Ausschlachten verkauft. In vielen der Fälle hatte der Monitor Einbrennspuren, oder war schon defekt. Woanders fehlte die Spielplatine oder das Bedienpult.

War ein Automat voll funktionsfähig und komplett, konnte man das leicht am astronomischen Preis erkennen. 1500 Euro als Startgebot eher die Regel. Und je beliebter ein Automat in den goldenen Videospielzeiten der 80er war, umso höher der Preis. Also lernte ich: so ein Pac-Man ist dann eben nicht mal so schnell gekauft und abgeholt.

«Die Spiele müssen natürlich dorthin zurück wo sie hingehören: in ein maßstabgetreues Automatengehäuse!»

Ioannis Douloumis

Hierbei fiel mir eine Sache auf die ich mir bis heute nicht erklären kann. Wie wir wissen gab es in den 80ern viele, viele Arcadeautomaten. Einige davon mehr und einige weniger erfolgreich. Ohne Zweifel war Pac-Man und seine Familie (Ms. Pac-Man, Jr. Pac-Man etc.) die am häufigsten aufgestellten Maschinen. Sprich, es wurden ziemlich viele Einheiten hergestellt und noch mehr kopiert und nachgeahmt und gebootlegt (engl. A bootleg or pirate board is an unauthorized copy of an original game board). Ich stelle mir Fließbänder vor, die nur am Pac-Man Automaten produzieren sind. Keiner kam am gelben Punktefresser vorbei. Vor dem Kino, in der Einkaufshalle, in der Spielhalle sogar auf meiner regelmäßigen überfahrt von Athen nach Kreta fand ich am Anfang der 80er einen Mini-Arcade mit Ms. Pac-Man an Bord. Zum Zeitvertreib der Gäste.

Robotron, Stargate, Defender, Smash T.V. und Joust 2 laden zum Spielen ein.
Robotron, Stargate, Defender, Smash T.V. und Joust 2 laden zum Spielen ein.

Was ich nicht verstehe ist: wo sind all die Automaten denn geblieben? Warum ist der am häufigsten vertretene Automat am seltensten zu finden? Warum muss man ein kleines Vermögen für einen Automaten hinblättern? Hat die jemand alle eingesammelt, um jetzt das große Geld zu machen? Wohl kaum. Dennoch kann ich nur sagen, wenn alle weiteren Automaten relativ bezahlbar den Besitzer wechseln nur weil es eben nicht die Kracher für jedermann waren, so sind doch diese aufgrund einer geringeren Auflage doch eher wertvoller als ein Pac-Man der an jeder Ecke mal stand, oder? Nun das wäre wohl der Fall wenn nicht diese Knappheit da wäre.

Für mich ein Rätsel was aus den wohl tausenden von Automaten geworden ist. Spontan würde ich hier und jetzt eine Verschwörungstheorie in die Welt setzen, die besagt dass irgendwo in einer Wüste in den USA Namco oder Midway beschlossen haben, alle Automaten beim Einzug der Heimcomputer ära dort zu begraben. Hmmm, klingt nach einer Mission ...

Aber zurück zu meiner Story.

über eBay fand ich heraus, das es in meiner Nähe anscheinend jemanden gibt der auf Arcadeautomaten in Sachen Weiterverkauf spezialisiert ist. Dieser Laden schien in der Region bekannt zu sein und er sammelte wohl Ende der 90ern die Automaten ein, die wohl niemand mehr in seiner Spielhalle haben wollte, weil im Zeitalter von PlayStation da ja schon lange keiner mehr sein Geld reinwarf. Ich dachte mir das Beste wird wohl sein, wenn ich direkt da mal anrufe und mich erkundige ob man sich nicht das Angebot mal vor Ort ansehen kann und ob ein Direktverkauf vor Ort möglich ist. Also ohne eBay.

Ja, das war möglich. Bestens!



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14 KOMMENTARE

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    Guido kommentierte zu oben
    am 04.12.2016 um 13:43 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Nach dieser Beschreibung fällt mir eigentlich nur ein einziges Spiel ein, der SNK Arcadeklassiker "Fantasy" von 1981. Der Automat hatte wirklich sehr viele Level und war damit für diese Zeit unglaublich abwechslungsreich, allerdings auch höllisch schwer.
    Übrigens ist Fantasy auch das erste Spiel mit einer „continue“ Funktion, bzw. damals noch „extended play“ genannt. Suche im Internet einfach unter "fantasy snk japan 1981", dann kommen gleich ein paar passende Bilder. Ansonsten existieren kaum andere Videospiele, in denen tatsächlich auch ein Heißluftballon vorkommt.







    @zedbeeblebrox kommentierte zu oben
    am 10.02.2016 um 18:24 Uhr
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    Das Spiel mit den Eisblöcken dürfte Pengo sein. Das Spiel mit den Rohren habe ich praktisch auch noch vor Augen, aber dazu fällt mir gerade der Name nicht mehr ein. ;)







    Andre kommentierte zu oben
    am 02.04.2015 um 09:33 Uhr
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Hallo wepuc,

    zu Videomagic haben wir einen eigenen Artikel auf Lager. In diesem Artikel hat Guido Frank dem ehemaligen Münchener Videospielparadies ein digitales Denkmal gesetzt. Vielleicht fallen Dir ja dazu noch ein paar Erinnerungen ein...













    Der Author kommentierte zu oben
    am 18.02.2015 um 21:20 Uhr
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    wonderboy? mein absoluter all Time Favourite! Spiele ich auch bis heute noch gerne. Ja so ein neues mame Projekt ist immer noch ein Wunsch. Ich würde mir noch so einen Drehregler wünschen für arkanoid. Mal schauen wann die Zeit dafür wieder reif ist. Game on!



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