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Faszination AMIGA

16.05.2014 · 19 Kommentare

Faszination AMIGA

Oben: Die Amiga Workbench ist zeitlos schön. (Bild: Stephan Ricken)

Kein Computer hat mich bei seiner Vorstellung so sehr in seinen Bann gezogen wie der Amiga, und kein anderer Computer hat es jemals wieder vermocht, einen so großen Ehrgeiz bei mir zu wecken, ihn unbedingt besitzen zu müssen. Aber der Reihe nach.

Als Kind des Jahrgangs 1971 kam ich gegen Ende der 70er-Jahre mit den ersten Videospielkonsolen für das heimische Wohnzimmer in Berührung, damals noch unter dem Begriff „Telespiel“ geläufig. Schwarzweiße PONG-Varianten eben. Die erste Hälfte der 80er verbrachte ich mit diversen Elektronikbaukästen sowie dem Microtronic-Computer-System 2090 aus dem Hause Busch. Ein rudimentär programmierbares 4-Bit-System mit einer Taktfrequenz von 500 kHz und 576 Byte RAM. Nein, da fehlt kein „k“ vor „Byte“ ;-)

Alles integriert - auch ein 3 ½-Zoll Diskettenlaufwerk fand Platz im flachen Gehäuse des Amiga 500. (Bild: Stephan Ricken)
Alles integriert - auch ein 3 ½-Zoll Diskettenlaufwerk fand Platz im flachen Gehäuse des Amiga 500. (Bild: Stephan Ricken)

Den ersten „echten“ Computer bekam ich, wie vermutlich unzählige Jugendliche meiner Generation, an Weihnachten 1984 geschenkt – einen Commodore 64, den zur Legende gewordenen „Brotkasten“. Es folgten Datasette, später das Diskettenlaufwerk 1541 sowie ungezählte Joysticks und hunderte von Spielen für den guten alten „Cevi“.

Zwei Jahre später las ich in der Happy Computer, meiner damaligen Lieblingslektüre, zum ersten Mal etwas über den neuen Commodore Amiga, der in Deutschland im März 1986 vorgestellt wurde. Ein wunderschön designter, flacher Desktoprechner mit Maus und abgesetzter Tastatur, die platzsparend unter den Computer geschoben werden konnte. Der Amiga bot bereits eine 16/32-Bit-Architektur und hochauflösende Grafik in bis zu 4.096 Farben, eine fensterbasierte grafische Benutzeroberfläche, Vierkanal-Stereo-Sound und echtes Multitasking. Die Kombination dieser Fähigkeiten in einem einzigen Gerät kam zu der Zeit einer technischen Revolution gleich. So einen Computer hatte die Welt bis dahin noch nicht gesehen und seine Fähigkeiten im Video- und Audiobereich suchten seinesgleichen. Der Amiga gilt heute anerkanntermaßen als erster Multimedia-PC überhaupt.

Platinenlayout des Amiga 500. (Bild: Amiga-Magazin, CeBIT Sonderausgabe von 1987)
Platinenlayout des Amiga 500. (Bild: Amiga-Magazin, CeBIT Sonderausgabe von 1987)

Ein Traum namens Amiga

Ich war zutiefst beeindruckt und fing an, vom eigenen Amiga zu träumen, bis - ja, bis ich den Verkaufspreis erfuhr: Weit über 3.000 DM sollten für den neuen Computer fällig werden. Meine Träume zerplatzten im selben Moment. Doch bald darauf befeuerte Commodore diese wieder, denn der C64 war inzwischen zusehends in die Jahre gekommen und der hochpreisige Amiga konnte diese Lücke natürlich nicht füllen.

«Die Fähigkeiten des Amiga kamen zu seiner Zeit einer technischen Revolution gleich.»

Stephan Ricken

Das Amiga-Magazin aus dem Markt & Technik Verlag erschien insgesamt 22 Jahre lang. Es wurde erst 2009 eingestellt. (Bild: Stephan Ricken)
Das Amiga-Magazin aus dem Markt & Technik Verlag erschien insgesamt 22 Jahre lang. Es wurde erst 2009 eingestellt. (Bild: Stephan Ricken)
Und so wurde bereits zur CeBIT 1987 mit dem Amiga 500 der legitime Nachfolger des Commodore 64 auf dem hiesigen Markt für Heimcomputer präsentiert. Ich besorgte mir über die ortsansässige Sparkasse eine Freikarte für die CeBIT und setzte mich in den Zug nach Hannover, um mir den Neuzugang persönlich anzuschauen. Zugegeben, rein äußerlich konnte er mit dem Ur-Amiga nicht mithalten, sein eher zweckmäßiges Design orientierte sich an den für diese Zeit typischen Heimcomputern. Dafür verfügte er über doppelt so viel Arbeitsspeicher und einen überarbeiteten Betriebssystemkern, das sogenannte „Kickstart“, welches nun außerdem in ROM-Chips verbaut war und nicht mehr von Diskette geladen werden musste.

Die absolute Sensation aber war der kolportierte ungefähre Einführungspreis, der bei etwa einem Drittel des Preises vom Amiga 1000 lag. Die Bezeichnung A1000 wurde von Commodore zur Abgrenzung zu den neuen Modellen A500 und A2000 eingeführt. Etwas mehr als 1.000 DM also, das lag dann schon viel eher im Bereich des Machbaren, und so setzte ich mich mit dem festen Vorsatz in den Zug nach Hause, nicht locker zu lassen, bis der Amiga endlich mir gehören sollte.

Von der CeBIT brachte ich eine Sonderausgabe der Fachzeitschrift Amiga-Magazin mit und lernte die vierzig Seiten des Heftes in den folgenden Wochen fast auswendig, um die quälend lange Zeit des Wartens zu überbrücken. Denn zum einen musste das noch fehlende Kleingeld zusammengekratzt und mein Vater als „Hauptsponsor“ gewonnen werden, zum anderen aber musste der A500 überhaupt erst mal verfügbar sein. Zwar nennen Quellen im Internet den März 1987 als Erscheinungstermin, also zeitgleich zur CeBIT, jedoch war der neue Rechner anfangs sicher nicht in großen Stückzahlen und ganz bestimmt nicht flächendeckend verfügbar.

Der Weg zum heiligen Gral

Der Original-Kaufbeleg für meinen Amiga 500 inkl. des Commodore Monitors 1081. Die Gesamtsumme belief sich auf 2.096 DM. (Bild: Stephan Ricken)
Der Original-Kaufbeleg für meinen Amiga 500 inkl. des Commodore Monitors 1081. Die Gesamtsumme belief sich auf 2.096 DM. (Bild: Stephan Ricken)
Ich musste mich noch bis weit in die Sommerferien hinein gedulden, aber dann konnte ich mir den großen Traum endlich erfüllen - mit freundlicher finanzieller Unterstützung meines Vaters sowie unter Opferung meiner gesamten Ersparnisse und meines C64 samt Zubehör und Softwaresammlung. Letzteres bedauere ich heute zutiefst, aber dafür hat es neben dem Amiga auch noch zum dazu passenden Commodore Monitor 1081 gereicht.

Am 10. Juli 1987 haben wir den Rechner beim Technikfachgeschäft in unserer Kreisstadt bestellt und konnten ihn am Samstag, den 1. August abholen. Der geschäftsmäßigen Gründlichkeit meines Vaters ist es zu verdanken, dass sogar der Beleg dazu noch existiert.

Den Schreibtisch in meinem Jugendzimmer hatte ich bereits am Vortag der Abholung freigeräumt, um dem heiligen digitalen Gral einen gebührenden Platz zu bieten, und so konnte ich ohne Zeit zu verlieren mit Auspacken, Aufbau und Anschluss loslegen. Handbücher waren natürlich auch dabei, richtig schön umfangreich und im schicken, professionell anmutenden Ringbuchformat. Aber dem übermächtigen Drang, neue Welten auf eigene Faust zu entdecken, waren sie dann doch eher im Weg und wurden fürs Erste beiseitegelegt.



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19 KOMMENTARE

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    Stephan kommentierte zu oben
    am 03.08.2014 um 21:38 Uhr
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    Hallo Lars,

    Entschuldige meine Neugierde, aber besitzt du echt ein 5,25" LW für den Amiga?! Das 1020er von Commodore?!

    Krass. Kenne bisher niemanden, der so ein Teil besaß oder besitzt. Schade dass es nicht mehr funzt. :(



    Dirk kommentierte zu oben
    am 24.11.2014 um 02:20 Uhr
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    Hallo Stephan,
    ich hatte auch so ein 5 1/4 Laufwerk am Amiga hängen (und 2 externe 3 1/2 Laufwerke, eines davon mit Trackanzeige). Das 5 1/4 Laufwerk war kein Original Amiga, gabs von nem externen Abieter. Warum? Naja, 5 1/4 Disketten waren deutlich billiger als 3 1/2 und ab ner gewissen Menge an Disketten war das preislich deutlich(!) zu spüren. Es war in "gewissen" Kreisen übrigens üblich nen externes 5 1/4 Disk am Amiga zu haben..



    Stephan kommentierte zu oben
    am 09.12.2014 um 15:58 Uhr
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    Könntest du das mit den "gewissen Kreisen" noch ein wenig näher erläutern?! :)

    Wenn du damit RK meinst (wovon ich gerade ausgehe) - verstehe ich momentan den Sinn davon nicht - mit den 5 1/4 Zoll Disketten kamst du doch nicht auf die 880KByte - oder doch?! Und waren die LW im Vergleich zu den 3 1/2 Zoll Geräten nicht elends langsam?!

    Ich finde im Netz auch kaum Infos dazu, daher hoffe ich auf Infos von dir hier. :-)

    Besten Dank,

    Stephan



    Dirk kommentierte zu oben
    am 24.01.2015 um 02:11 Uhr (neuester)
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    @Stephan
    Du kamst auf die vollen KB und konntest es mit xcopy auch nutzen. Gut man hatte die damaligen hohen Anschaffungskosten für diese speziellen Amiga 5 1/4 Laufwerke (Anschlußstecker), aber die Diskettenpreisunterschiede waren damals enorm, so das es sich gelohnt hat. Schau mal in alte Amiga Magazin Ausgaben, da waren immer Hardwareanbieter die die Dinger angeboten haben (da hatte ich meines auch bestellt).



















    Dirk kommentierte zu oben
    am 25.11.2014 um 23:15 Uhr
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    Originaldisketten ist das Stichwort. Heute kann man ja drüber reden, ist ja längst verjährt. Originaldisketten hatte ich genau 2 Stück: Einmal Falcon F16 (nicht wegen der Originaldiskette hab ichs mir gekauft, sondern wegen dem Handbuch, brauchte man einfach um zu spielen) und xcopy habe ich als Original (wegen dem dongle der beilag) und sonst hatte ich an Originaldisketten genau nichts. Als ich meinen Amiga so 1992 rum verkaufte kriegte der Käufer mehr als Tausend 3 1/2 Disketten (und einige Stapel 5 1/4 Disketten) dazu (und noch nen 1200baud US-Robotics Modem). Plötzlich hatte ich keine Lust mehr, nachdem man die Spiele nun über DFÜ (Mailboxen und Datex-P bekam) war der Reiz weg, die "alte Zeit" war vorbei, eine neue Welt begann. Etwa 1 jahr später juckte es doch wieder in den Fingern, der erste PC wurde gekauft, denn es gab etwas neues faszinierendes: das Internet. Das alte DFÜ war tot, das Internet war geboren..



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