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Activisions Geburt in Deutschland

01.10.2006 · 2 Kommentare

Activisions Geburt in Deutschland

Oben: Winrich Derlien präsentiert das „Bertelsmann Universal Lexikon“. (Bild: Winrich Derlin)

Wir freuen uns, euch heute einen weiteren wichtigen Namen der deutschen Videospielgeschichte präsentieren zu können. Winrich Derlien gründete 1985 die erste deutsche Niederlassung des legendären Spielepublishers Activision und hat die goldene Ära der Videospiele somit maßgeblich mitgeprägt.

Auch die große Zeit der SEGA-Spielekonsolen geht auf sein Konto. Von den Anfängen des Master-Systems 1987 bis zur Mega-CD 1994. Wir haben Winrich Derlien am 2. August 2006 zu einem gemeinsamen Interview überredet, dass Euch faszinierende Einblicke in die Frühzeit der deutschen Videospielgeschichte gewährt.

Interview mit Winrich Derlien

ORIGINALTEXT VOM 2. AUGUST 2006

André Eymann: Herr Derlien, Sie waren von 1978 bis Ende 1984 Marketingleiter des Bereiches Bild- und Tonträger im Hamburger Verlagshaus Gruner & Jahr. Wie kamen Sie in dieser Position ausgerechnet mit dem Thema Computer- und Videospiele in Berührung?

Winrich Derlien: Während dieser Zeit wurden Homecomputer populär, die mich sehr faszinierten. Und irgendwie fand ich es reizvoll, dem Bereich Bild- und Tonträger einen neuen Geschäftszweig hinzuzufügen. Diese Idee habe ich dem damaligen Vorstand präsentiert. Die Herren schauten mich eher mitleidig bis gelangweilt an, gaben mir jedoch die Freigabe des entsprechenden Budgets. Wohl nach dem Motto: „Lasst den Spinner mal machen“. Da unsere Bertelsmann-Konzernschwester Ariola bereits im Spielebereich tätig war, haben wir das Feld Anwendungssoftware, Tools und Programmier-Lernsoftware in den Vordergrund gestellt.

Ziel war es nicht, eigene Software zu entwickeln. Dazu fehlte das Know-how. Deshalb haben wir Kooperationen mit den Zeitschriften CHIP und MC sowie der Software-Firma SM geschlossen und die ersten Produkte 1983 in den Handel gebracht.

Berühmte Spieletitel aus dem Ariola-Vertrieb: Lode Runner, Zaxxon und River Raid. (Bild: Markt & Technik Verlag)
Berühmte Spieletitel aus dem Ariola-Vertrieb: Lode Runner, Zaxxon und River Raid. (Bild: Markt & Technik Verlag)

Werbung für Ariola-Spiele in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)
Werbung für Ariola-Spiele in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)

André Eymann: Für welche Systeme wurden diese Produkte hauptsächlich angeboten? Können Sie sich noch an einige Produktnamen erinnern?

Winrich Derlien: Die Konzentration lag auf dem Commodore 64, dem seinerzeit meist verbreiteten System.

André Eymann: Welchen Einfluss hatten Sie auf die Produktgestaltung, wenn die Programmierung durch Dritte vorgenommen wurde?

Winrich Derlien: Wir haben gemeinsam mit den Kooperationspartnern die Inhalte festgelegt. Dies war insofern spannend, weil wir als Vermarkter einfache Produkte wollten, die Techniker der anderen Seite jedoch lieber auf „High-End“ setzten. Man hat sich jedoch sehr rasch gut verstanden und voneinander gelernt.

Der Colour Genie war 1982 ein Konkurrent des ZX Spectrum. (Bild: Wikipedia)
Der Colour Genie war 1982 ein Konkurrent des ZX Spectrum. (Bild: Wikipedia)
André Eymann: Hatten Sie auch in Ihrem privaten Umfeld Kontakt zu Homecomputern oder Videospielen?

Winrich Derlien: Über den privaten Kontakt zum Homecomputer bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, den Bereich Bild- und Tonträger um die Sparte Homecomputer-Software zu erweitern. Ein Freund des Hauses, der bekannte Fotokünstler Peter Maltz, experimentierte seinerzeit mit dem Colour-Genie, den er mir während seines Urlaubes ausgeliehen hat. Und da war es um mich geschehen. Kurze Zeit später standen in meinem Büro ca. 10 Homecomputer, vom Apple II bis zum Texas Instruments TI-99/4a.

André Eymann: Wie ging es danach beruflich für Sie weiter?

Activision-Werbung: die Planung reichte vom Atari Heimcomputer bis zum PC. (Bild: Markt & Technik Verlag)
Activision-Werbung: die Planung reichte vom Atari Heimcomputer bis zum PC. (Bild: Markt & Technik Verlag)
Winrich Derlien: Der Bereich Bild- und Tonträger wurde 1984 auf die Konzernschwester Ariola (heute BMG) übertragen. Ungefähr zu der Zeit plante Activision eine Niederlassung in Deutschland zu eröffnen. Activision bot mir an, diese Firma aufzubauen, was ich natürlich sehr spannend fand. Bei der Suche nach einem geeigneten Büro fügte es sich gut, dass der Hamburger Verleger Wolfgang Schrader sich gerade von seiner Zeitschrift - ich glaube sie hieß Telematch - trennte. Die frei gewordene Etage konnten wir sofort beziehen und mussten uns weder um Möbel, Fotokopierer oder Telefonanlage kümmern. Wir konnten von einem auf den anderen Tag loslegen. Innerhalb von zwei Jahren wurde Activision zum Dritt-Größten Einzellabel in Deutschland. Mein damaliger Chef war übrigens Greg Fischbach, den späteren Gründer von Acclaim.

André Eymann: Wie viele Mitarbeiter/innen hatte die deutsche Activision-Niederlassung zu Beginn 1985 und war die Firma strukturiert?

Winrich Derlien: Activision Deutschland fungierte als reine Marketingeinheit. Für den Vertrieb sorgte Ariolasoft, Bertelsmann. Insofern war das Team mit 5 Personen zwischen 1984 und 1985 recht überschaubar.

André Eymann: Liegen Ihnen noch Umsatzzahlen aus dieser Zeit vor?

Winrich Derlien: Das weiß ich beim besten Willen nicht mehr.

André Eymann: Können Sie sich noch an bestimmte Ereignisse, zum Beispiel an Treffen mit anderen bekannten Persönlichkeiten aus der Videospielbranche, erinnern?

Winrich Derlien: In der damals noch recht kleinen Branche kannte eigentlich jeder jeden. Die Liste der Leute wäre ellenlang.

André Eymann: Haben Sie noch Kontakt zu Greg Fischbach?

Winrich Derlien: Nein. Der ist im Laufe der Jahre eingeschlafen, wie auch der Kontakt zu den anderen damaligen Kollegen aus Amerika oder England.

André Eymann: Ariolasoft war ab 1984 der größte Software Distributor in Deutschland, der u. a. die Label Brøderbund, Cosmi, EA, Synapse, Hesware und natürlich Activision unter Vertrag. So hatte Activision seinerzeit Homecomputerspiele wie Toy Bizarre oder Zenji entwickelt. Können Sie sich noch an weitere Spiele oder Produkte erinnern?

Programmierer in den Achtzigern bei Brøderbund in den USA. Ein kreativ-entspannter Arbeitsstil. (Bild: Markt & Technik Verlag)
Programmierer in den Achtzigern bei Brøderbund in den USA. Ein kreativ-entspannter Arbeitsstil. (Bild: Markt & Technik Verlag)

Winrich Derlien: Auch das würde eine extrem lange Liste werden. Pitfall!, Decathlon und Ghostbusters fallen mir ein. Alles Mega-Hits von David Crane. Oder Summer- und Winter-Games. Hits gab es viele. Leider aber auch jede Menge Flops.

André Eymann: Haben Sie die Spiele-Programmierer von Activision persönlich auch kennen gelernt?

Winrich Derlien: Nicht nur die von Activision, wie David Crane, auch von vielen anderen Firmen. Zum Beispiel die von LucasArts, dem Spieleableger von George Lucas, die völlig relaxed auf der LucasFarm „in the middle of nowhere“ bei San Francisco ihre Ideen ausbrüteten. Wenn meine europäischen SEGA-Kollegen und ich in Tokio waren, hatten wir auch immer Kontakt zu den Entwicklern und Programmierern.



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