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73 up - Videospiele im Hamburger Schanzenviertel

15.08.2009 · 3 Kommentare

73 up - Videospiele im Hamburger Schanzenviertel

Oben: Eintritt frei! Willkommen zum Spielkonsolenfestival auf der Schanze. (Bild: Till D. Thomas)

Selbst der technikfeindlichste Zeitgenosse muss zugeben, dass Videospieler im Jahre 2009 nicht mehr die lichtscheuen Soziopathen sind, zu denen sie früher in den Medien gern stilisiert wurden. Das wird sich auch das Kulturhaus III & 70 im Hamburger Schanzenviertel gedacht haben, als sie gemeinsam mit den Initiatoren das Spielautomaten & Konsolenfestival ins Leben gerufen haben.

Flyer des Festivals. (Bild: Till D. Thomas)
Flyer des Festivals. (Bild: Till D. Thomas)

8-Bit goes Sternschanze

Vom 7. bis zum 9. August 2009 bot das örtlich bekannte Veranstaltungszentrum, das sich direkt neben der „Roten Flora“ befindet, die Möglichkeit zum täglichen Zocken und Staunen, was unsere geliebten Spielkonsolen alles so drauf und unter der Haube haben. Eingebettet wurden die drei Tage in ein mediales Rahmenprogramm, das es in sich hatte. Das Kulturhaus III & 70 ist in der Hansestadt schon lang für ein abwechslungsreiches und qualitativ hochwertiges Kulturprogramm bekannt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, verschiedene Subkulturen zu verschmelzen. Neben der obligatorischen Clubkultur widmet sich das Haus auch Jam-Sessions, Kickerturnieren, Theater oder einem Tatort-Club. Diesmal waren es Videospiele, die den Austausch der Kulturen gefördert haben, indem das Event verschiedenste Besucher auf das Schulterblatt 73 lockte. Und so hieß es am Freitag ab 18 Uhr: Der Eintritt ist Frei!

Das Programm des Abends: ab 18 Uhr werden Spielautomaten & Konsolen aufgetischt. (Bild: André Eymann)
Das Programm des Abends: ab 18 Uhr werden Spielautomaten & Konsolen aufgetischt. (Bild: André Eymann)

Clicks und Clongs für jeden

Im Saal des ersten Stocks luden Videospiele- und Konsolen verschiedener Epochen zum Zocken ein. Ein schöner Mix von Geräten, der vom Atari 2600 Junior, über die PlayStation 2 einen zeitlichen Bogen bis zu Nintendos Wii spannte. Natürlich spielt sich Mario Kart für die Wii mit dem kabellosen Wii-Wheel auf einer Riesenleinwand besser, als allein Zuhause auf einem kleinen Bildschirm.

Der Wii-Konsole, Touchscreens und Mobile-Games auf Apples iPhone, Android-Geräten und Co. haben wir es zu verdanken, dass sich Videospiele aus der düsteren Nische der sogenannten Nerd-Szene befreien konnten und heute in der Gesellschaft omnipräsent sind. Sogar auf den konservativen nationalen TV-Sendern sind mittlerweile Werbespots für Videospiele zu sehen. Und so klemmten sich Hamburgs Kids und Kidsgebliebe hinter die Controller von N64, PSone oder versuchten sich an einem echten Flipper von Williams. Letztere wurden von den Besuchern wohl am ehesten der Kategorie historisch zugeordnet. Alle anderen Systeme dürften wohl die meisten noch persönlich gekannt haben.

Mario Kart (auf der Wii) mit Beamer auf der Riesenleinwand. Zu zweit hat man einfach mehr Spass. (Bild: André Eymann)
Mario Kart (auf der Wii) mit Beamer auf der Riesenleinwand. Zu zweit hat man einfach mehr Spass. (Bild: André Eymann)

Retrosounds und Gameboy Rave

Wie man mit einem klassischen Gameboy von 1989 einen Club zum Kochen bringt, zeigten am Freitag ab 22 Uhr verschiedene Elektro-Bands. The Haina, DJ und einer der Organisatoren des Festivals, hat es durchaus ernst gemeint, den klanglichen Rahmen des Abends den verspielten Retrokonsolen im oberen Stock anzugleichen. Dank der stimmigen Auswahl der Künstler, gab es wummernde Elektrosounds vom Feinsten. Stimmungsvoll untermalt durch passende Videoprojektionen (Film Tron, sowie eigens arrangierte Mario World-Adaptionen) fiepte und klirrte es, bis der Laden brummte.

Den Anfang des Abends eröffnete The Haina persönlich mit einem passenden Elektro-Set. Die Filmsequenzen von Steven Lisbergers Computerfilmlegende Tron boten die perfekte Hintergrundoptik für die satten Beats des Hamburger Musiktalents.

DJ The Haina an den Turntables. Im Hintergrund zu sehen eine Filmszene aus dem Walt Disney Filmklassiker Tron. (Bild: André Eymann)
DJ The Haina an den Turntables. Im Hintergrund zu sehen eine Filmszene aus dem Walt Disney Filmklassiker Tron. (Bild: André Eymann)


Gegen Mitternacht betrat der zweite Act die Bühne. Mit zwei Gameboys (dem Classic von 1989 und dem Color von 1998) bewaffnet, feuerte Martin Moritz, unterstützt durch Miss Hawaii, eine 8-Bit Salve nach der Nächsten ins elektrisierte Publikum. Was da aus den Nintendo-Handhelds und dem Voicevocoder kam, klang als würden Mario, Bowser und Princess Peach eine Elektroparty in einer unterirdischen Höhle in Mario Land abfeiern. Geradezu fantastisch wie nah der Act an das gemalte Bild eines 8-Bit Sounds kommt, so wie er wohl in einem lebenden Videospiel durch die synthetischen Charaktere produziert würde. Ein musikalisches und optisches Highlight! Mehr Retrolektro geht nicht.

Martin Moritz mit einem Gameboy Classic. (Bild: André Eymann)
Martin Moritz mit einem Gameboy Classic. (Bild: André Eymann)
Miss Hawaii am Voicevocoder. (Bild: André Eymann)
Miss Hawaii am Voicevocoder. (Bild: André Eymann)

Das musikalische Equipment von Martin Moritz: ein Gameboy Classic und ein Gameboy Color. (Bild: André Eymann)
Das musikalische Equipment von Martin Moritz: ein Gameboy Classic und ein Gameboy Color. (Bild: André Eymann)


Politisch elektrisch

Aus Zeitgründen konnte ich die weiteren Bands The Huitbeat Dance Collective und Whiz Kid nicht mehr vollständig erleben. Ich hatte aber noch Zeit die bewegten Videoprojektionen zu sehen, die während der Auftritte gezeigt wurden. So tummelten sich Nordkoreas Kim Yong-il als „Super Kim“ mit Irans Mahmud Ahmadi-Nezad in Nintendos Fantasiewelten, um sich gemeinsam als Atommacht zu verbünden. Aber auch die deutsche Politik (Merkel, Müntefering und Beck) war mit dabei. Popkultur im Retrostil mit Hirn.

Super Kim mit Bombe in Mario World. Kunstvolle 8-Bit-Videoprojektionen als Stimmungsbegleiter. (Bild: André Eymann)
Super Kim mit Bombe in Mario World. Kunstvolle 8-Bit-Videoprojektionen als Stimmungsbegleiter. (Bild: André Eymann)

Links zu den musikalischen Acts:

Im zweiten Teil des Artikels erfahrt ihr mehr über die Hintergründe und zukünftigen Planungen des Festivals. Außerdem stellen wir euch eine Auswahl der Konsolen vor, an denen gespielt werden konnte.



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3 KOMMENTARE

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    Andre kommentierte zu oben
    am 28.05.2014 um 20:38 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Es wurde zwar eine "Winterausgabe" des Festivals für 2009 angekündigt, aber leider hat diese niemals stattgefunden. Vermutlich war die ganze Sache nicht einträglich genug. Ich denke, dass man das nach einem einzigen Event noch gar nicht beurteilen kann. So etwas muss sich auch erst einmal herumsprechen. Und dafür war bereits das Debüt sehr gut besucht. Ich wäre auf jeden Fall wiedergekommen!





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