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Die goldene Ära der Heimcomputer

28.12.2002 · 2 Kommentare

Die goldene Ära der Heimcomputer

Oben: Der günstige Heimcomputer BIT 90 konnte sogar Atari-Spiele wiedergeben. (Bild: Vogel-Verlag)

Das Jahr 1984 war aus Sicht der Computertechnik in vielerlei Hinsicht interessant. Der Siegeszug der Heimcomputer in den privaten Haushalte war bereits in vollem Gange und verdrängte den bisherigen Star des Wohnzimmers: die Videospielkonsole.

Dieser Artikel fasst die Highlights des Jahres 1984 zusammen und stellt die damals aktuellen Neuigkeiten, Spiele und Heimcomputer vor. Ich war dreizehn Jahre alt und bereits ein begeisterter Videospieler. Im Dezember 1984 bekam ich dann meinen ersten eigenen Heimcomputer, einen Sinclair ZX81, zum Weihnachtsfest geschenkt. Ab sofort war ich regelmäßiger Leser der Zeitschrift HC Mein Home-Computer, deren Informationen diesem Artikel zu Grunde liegen.

Eine der Neuigkeiten zu Beginn des Jahres war der BASIC-Interpreter für das Philips-Videospiel G7400, den man für 398,00 DM kaufen konnte. Das Modul verwandelte den Videopac-Boliden in einen echten Heimcomputer mit einer Z80-CPU, 12 Kilobyte RAM, acht Farben, neun Geräuschen und 320 x 230 Pixeln Grafikauflösung. Als Speichermedium diente ein handelsüblicher Kassettenrecorder, der über das eingebaute Microsoft-BASIC angesteuert werden konnte. Die Erweiterung wurde ähnlich wie bei anderen Videospielkonsolen, beispielsweise beim CompuMate von Spectravideo für den Atari 2600, in Form eines Spielmoduls in die Konsole eingesteckt.

Das Philips G7400 mit BASIC-Interpreter und Kassettenrecorder. Erweiterungsmöglichkeiten für die Spielkonsole. (Bild: Vogel-Verlag)
Das Philips G7400 mit BASIC-Interpreter und Kassettenrecorder. Erweiterungsmöglichkeiten für die Spielkonsole. (Bild: Vogel-Verlag)

Mitstreiter von der Insel

Aus England kam der acorn electron auf den deutschen Heimcomputermarkt. Er war sozusagen der kleine, aber vollständig kompatible Bruder des BBC-Mikrocomputers und kostete ca. 200 englische Pfund.

Im electron arbeitete ein 6502A Prozessor mit 2 MHz Taktfrequenz und insgesamt 64 Kilobyte, davon 32 Kilobyte RAM, Speicher. Eine Besonderheit des Rechners war sein komfortables Shorthand-BASIC. „Shorthand“ deshalb, weil durch einen einzigen Tastendruck ganze BASIC-Befehle geschrieben werden konnten. Alternativ konnte man den Befehl aber auch ausschreiben. Anders als der Sinclair ZX Spectrum besitzt der electron eine echte Schreibmaschinentastatur.

Der acorn electron aus England bot eine echte Schreibmaschinentastatur und ein Shorthand-BASIC. (Bild: Vogel-Verlag)
Der acorn electron aus England bot eine echte Schreibmaschinentastatur und ein Shorthand-BASIC. (Bild: Vogel-Verlag)

Pole Position auf der Überholspur

Atari veröffentlichte sein Autorennspiel Pole Position für den Atari 400/800 und 600 XL und setzte damit einen neuen Standard für Autorennspiele auf Heimcomputern. Für 149,00 DM konnte sich der Spieler innerhalb von 73 Sekunden auf der schwierigen Strecke, für den Grand Prix qualifizieren. Auf dem Bildschirm wurden dabei der gewählte Gang, der Punktezähler, der Rundenzeitmesser, der Geschwindigkeitsmesser und Wettrennmesser eingeblendet.

Die Top-Ten der Wunderkisten

Die Hitparade der Heimcomputer wurde am Anfang des Jahres deutlich vom Commodore 64 angeführt. Atari folgte mit dem 600 XL auf dem zweiten Platz. Den letzten Platz belegten die Computer von Spectravision.
  1. Commodore 64
  2. Atari 600 XL
  3. Commodore VC 20
  4. Colour Genie
  5. Dragon 32
  6. Sinclair ZX81
  7. Atari 400
  8. Atari 800 XL
  9. TI 99/4A
  10. Spectravideo SV-318/328

Verspielte Exoten und Joystick-Klassiker

Kleines Geheimnis: der BIT 90 aus Taiwan war auch in der Lage Atari- und Colecovision-Software zu nutzen. (Bild: Vogel-Verlag)
Kleines Geheimnis: der BIT 90 aus Taiwan war auch in der Lage Atari- und Colecovision-Software zu nutzen. (Bild: Vogel-Verlag)
Mit der Überschrift „Zum Spielen geboren“ wurde der BIT 90 beworben. Der Taiwanese kam mit einer 3,85 MHz getakteten Z80A-CPU daher und bot 18 Kilobyte RAM die auf insgesamt 64 Kilobyte RAM ausgebaut werden konnten. Mit eher günstigen ca. 500,00 DM Anschaffungskosten lag er im Mittelfeld des Marktes. Zusammen mit dem ZX Spectrum, Atari 600 XL und VC 20. Die guten Klangmöglichkeiten über drei Ton- und Rauschgeneratoren konnten seinen Programmierern und Nutzern zu den vielfältigsten Geräuscheffekten verhelfen. Außerdem war er in der Lage sämtliche Atari- und Colecovision-Software zu verarbeiten. Dadurch erschloss sich dem BIT 90 eine umfangreiche Sammlung an fantastischen Spielen. Die grafischen Qualitäten: 70 Symbole bei entweder 64 x 48 Pixel oder 256 x 192 Pixel und 16 Farben, unterstützen den Spielspaß. Kaufen konnte man den BIT 90 bei Conrad Eletronic in Hirschau.

Der Competition Pro Joystick von Dynamic ist bis heute der Inbegriff des Joysticks. (Bild: Vogel-Verlag)
Der Competition Pro Joystick von Dynamic ist bis heute der Inbegriff des Joysticks. (Bild: Vogel-Verlag)
Dynamics Competition Pro Joystick ermöglichte Videospielern Zuhause die gleiche Qualität und Reaktionszeit wie in der Spielhalle. Der Joystick wurde mit fast abnutzungsfreien Mikroschaltern ausgestattet, was seinerzeit durchaus nicht üblich war. Durch die solide Technik des Joysticks waren Spitzenrekorde bei Decathlon, Pole Position oder anderen Hochleistungssportspielen möglich. Activision brachte River Raid und Kaboom! für die Atari Homecomputer auf den Markt und setzte damit seine Serie ausgezeichneter Steckmodule fort. Atari selbst lieferte die von den Videospielkonsolen bekannten Hits ebenfalls ab sofort für die eigenen Homecomputer aus. Darunter befanden Klassiker wie Donkey Kong, Qix, Caverns of Mars sowie Dig Dug. Der Bann war gebrochen: nun stand das Spieleangebot für Heimcomputer mit dem Angebot für Videospielkonsolen auf Augenhöhe. Dennoch bedeutete dies nicht den Untergang der Konsolen.

Meilensteine der Videospiele

Synapse Software aus Kalifornien (USA) bot eine Sammlung verschiedener Spiele an, die unter Ariolasoft vertrieben wurden. Die legendären Spiele Blue Max, Fort Apocalypse, Pharaoh's Curse, Drelbs, Necromancer und Shamus fanden ihren Weg in die Verkaufsregale.

Allesamt großartige Titel, die die Spielewelt nachhaltig beeinflussen sollten. In Shamus (99,00 DM bei Ariolasoft) musste der Spieler durch ein Labyrinth in die Höhle des Shadow gelangen, um diesen dort zu vernichten. Der Weg dorthin führte über unterschiedliche Ebenen, von denen jede in 32 Räumen aufgeteilt war. Als Verteidigung gegen Roboter-Androiden und Schnapp-Springern dienten in Shamus Ionenstrahlen die der Held in alle acht Bewegungsrichtungen abfeuern konnte. Außerdem gab es überall im Labyrinth Fragezeichen, die bei Berührung angenehme oder unangenehme Überraschungen feilboten.

Neue Spiele von Synapse Software: Eigentlich schon Spiele von morgen. (Bild: Vogel-Verlag)
Neue Spiele von Synapse Software: Eigentlich schon Spiele von morgen. (Bild: Vogel-Verlag)





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2 KOMMENTARE

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    Slicer kommentierte zu oben
    am 24.04.2015 um 14:13 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    Hallo Torsten - nein, leider habe ich weder einen BIT 90 besessen und auch noch nie einen live ausprobiert. Sehr schade, denn scheinbar war er damals gar nicht so selten. Sofern irgendjemand etwas mehr über das Gerät erzählen kann, wäre ein Kommentar an diesem Artikel sehr wertvoll.



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